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02. März 2010, 11:07 Uhr

Deutsche Bank

Kauf von Ratiopharm soll Milliardenkredit retten

Es ist eher eine Flucht nach vorn denn eine ausgeklügelte Expansionsstrategie: Die Deutsche Bank unterstützt den isländischen Pharmakonzern Actavis bei der Akquisition des Generikaherstellers Ratiopharm. Das Bankhaus setzt dazu laut "Financial Times Deutschland" sogar Eigenkapital in Milliardenhöhe ein.

Hamburg - Der Pharmakonzern Actavis bemüht sich intensiv um die Übernahme des deutschen Generikaherstellers Ratiopharm. Unterstützt werden die Isländer dabei durch die Deutsche Bank . Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge muss das Frankfurter Bankhaus möglicherweise sogar Eigenkapital im Milliardenhöhe einsetzen, um das Geschäft abzusichern.

Das Engagement der Deutschen Bank verwundert nur auf den ersten Blick. Tatsächlich geht es schlicht darum, die Kredite an den isländischen Pharmakonzern Actavis halbwegs abzusichern. Die Übernahme von Ratiopharm soll Actavis die notwendige wirtschaftliche Stabilität verleihen. Nach einem Bericht der "FTD" kontrolliert die Deutsche Bank den hochverschuldeten Pharmakonzern de facto.

"Unser Eindruck ist, dass die Deutsche Bank mit dem Ratiopharm-Gebot ihren Kredit retten will. Das ist äußerst riskant.", zitiert die Zeitung Verhandlungskreise. Die Bank hatte Actavis vier Milliarden Euro geliehen, als die Firma 2007 vom Milliardär Björgolfur Thor Björgolfsson übernommen wurde.

Die hohe Schuldenlast könnte die Chancen von Actavis in der Schlussphase des Bieterrennens allerdings stark trüben. In Ratiopharm-Kreisen wird der Zeitung zufolge eher ein solider Gesellschafter wie der US-Pharmakonzern Pfizer oder der israelische Teva-Konzern bevorzugt.

Verhandlungsposition geschwächt

Der Erwerb von Ratiopharm durch Actavis könnte dafür sorgen, dass der Actavis-Kredit der Deutschen Bank an Wert zurückgewinnt, schreibt die "FTD". Durch eine Zusammenlegung der beiden Generikafirmen zur internationalen Nummer drei könnten hohe Synergien realisiert werden, die Verhandlungsteilnehmer auf einen Wert zwischen 100 und 300 Millionen Euro schätzen.

Ratiopharm will den Verkauf noch im ersten Quartal abschließen. In der vergangenen Woche hatte der weltgrößte Generikahersteller Teva Pharmaceutical sein Konzept erläutert. Diese Woche soll Pfizer , nächste Woche Actavis folgen. Die Gebote liegen Verhandlungskreisen zufolge bei drei Milliarden Euro.

Der älteste Sohn des Anfang 2009 verstorbenen Adolf Merckle, Ludwig Merckle, muss Ratiopharm verkaufen, um Bankschulden zu tilgen. Der Generikahersteller erzielte 2009 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 300 Millionen Euro.

mik/dpa-AFX

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