Deutsche Bank: Zwietracht an der Spitze
Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe: Der aktuelle Libor-Skandal befeuert nach SPIEGEL-Informationen den Konflikt zwischen dem Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Anshu Jain, und dem Privatkundenvorstand Rainer Neske. Insider halten sogar eine Eskalation zum Machtkampf für möglich.
Frankfurt am Main - Es brodelt weiter bei der Deutschen Bank. Nach Informationen des SPIEGEL wachsen die Spannungen zwischen Co-Vorstandschef Anshu Jain und dem Privatkundenvorstand Rainer Neske. Die beiden Manager sollen unterschiedliche Auffassungen über den künftigen Kurs der Bank und die Aufarbeitung der Skandale der jüngeren Vergangenheit haben. In internen Sitzungen soll der Konflikt zwischen Neske und Jain schon zutage getreten sein, ohne bislang offen auszubrechen. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie unter diesem Link im neuen SPIEGEL.
Jain und Co-Chef Jürgen Fitschen sind vergangenen Sommer mit dem Ziel angetreten, die verschiedenen Geschäftsbereiche der Deutschen Bank
stärker miteinander zu verzahnen. Regulatoren drängen Banken derzeit in die entgegengesetzte Richtung. Die EU und die Bundesregierung spielen Varianten eines Trennbankensystems durch. Dabei sollen Einlagengeschäft und Investmentbanking stärker voneinander getrennt werden. Neske gilt zwar wie Jain als Befürworter einer Universalbank, die alle Geschäftsbereiche umfasst, sähe aber gern eine stärkere Unabhängigkeit der verschiedenen Teile, heißt es.
Insider halten es nach SPIEGEL-Informationen für nicht ausgeschlossen, dass der Zwist zwischen Jain und Neske früher oder später zu einem Machtkampf eskalieren könnte. Ein Sprecher der Bank dementiert allerdings, dass es Streit zwischen den beiden Vorständen gebe. "Das ist kategorisch falsch."
Der Konflikt dürfte sich durch die jüngste Serie von Skandalen hochgeschaukelt haben. Mitarbeiter der Bank hatten sich zuletzt schockiert gezeigt, dass der in die Libor-Affäre verwickelte frühere Deutsche-Bank-Händler Christian Bittar 2008 eine Gewinnbeteiligung von 80 Millionen Euro erhalten sollte. Die Bank behielt letztlich 40 Millionen Euro ein. Nun heißt es in Finanzkreisen, ein zweiter involvierter Händler, Guillaume Adolph, habe in dem Jahr ebenfalls einen Bonus von bis zu 40 Millionen Euro verdient. Aus Kreisen des damaligen Managements gibt es dazu widersprüchliche Aussagen, einige halten die Zahl für weit übertrieben. Die Bank äußert sich dazu nicht.
nck
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