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Rekordverlust: Deutsche Bank macht Aktionären für 2016 keine Hoffnung

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Stimmung ist schlecht Zur Großansicht
REUTERS

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Stimmung ist schlecht

Die Deutsche Bank verkündet für 2015 einen Rekordverlust und macht den Anlegern auch ansonsten wenig Hoffnung. Der Vorstand ruft für 2016 den "Höhepunkt der Restrukturierung" aus - und bittet die Aktionäre um Geduld.

Auf die Schreckenszahl hatte die Deutsche Bank die Börsianer bereits vor Tagen vorbereitet. Auf etwa 6,7 Milliarden Euro hatte das Institut den Jahresverlust für 2015 taxiert. Nun verkündete die Bank, dass das Minus im vergangenen Jahr sogar bei 6,8 Milliarden Euro liegt. Es ist der höchste Jahresverlust in der Geschichte der Bank. 2014 hatte das Institut noch rund 1,7 Milliarden Euro Gewinn gemacht.

Auch das Kerngeschäft Investmentbanking ist keine verlässliche Einnahmequelle mehr. Die Sparte lieferte im Schlussquartal 2015 einen Vorsteuerverlust von knapp 1,2 Milliarden Euro ab, vor einem Jahr war es noch ein Gewinn von rund 300 Millionen Euro. Zwar wurde der Bereich abermals hart von Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten getroffen. Doch inzwischen bröckeln auch die Erträge, der Rückgang lag bei 30 Prozent.

Das Privatkundengeschäft schrieb im vierten Quartal ebenfalls einen Verlust, vor Steuern waren es 675 Millionen Euro - nach einem Minigewinn von acht Millionen im Vorjahreszeitraum. In dieser Sparte schlugen Restrukturierungskosten zu Buche. Die Postbank soll verkauft und das verbleibende "blaue" Filialnetz zurückgebaut werden. Das geht mit dem Abbau Tausender Jobs einher. Im Bereich Zahlungsverkehr und Handelsfinanzierung schaffte die Bank einen Gewinnsprung, in der Vermögensverwaltung ging das Ergebnis zurück.

Die Deutsche-Bank-Aktie Chart zeigen, die einst mehr als hundert Euro kostete, ist inzwischen deutlich unter die 20-Euro-Marke gerutscht. Am Donnerstag büßte das Papier vorbörslich gut ein Prozent ein.

Cryan verspricht radikalen Umbau

Besonders unerfreulich für die Anleger: Es gibt kaum Aussichten auf Besserung. Stattdessen bittet der Vorstand die Aktionäre beim Umbau des Instituts um Geduld. Für das laufende Jahr rechnet die Bank noch kaum mit zählbaren Erfolgen, wie aus einer Analystenpräsentation hervorgeht. "2016 wird der Höhepunkt der Restrukturierung", hieß es dort. Die Einsparungen reichten voraussichtlich nur, um den Kostendruck abzufedern, die bereinigten Kosten dürften nicht zurückgehen.

"Wir konzentrieren uns auf das Jahr 2016 und arbeiten weiter hart daran, unsere Altlasten zu bereinigen", sagte Konzernchef John Cryan. "Wir werden über das ganze Jahr hinweg kontinuierlich am Umbau der Bank arbeiten und Investitionen vornehmen."

Die Deutsche Bank rechnet 2016 mit Restrukturierungskosten und Abfindungen von rund einer Milliarde Euro. Rechtsstreitigkeiten dürften das Institut immer noch belasten, auch wenn Vorstandschef Cryan die Kosten dafür unter dem Niveau des vergangenen Jahres sieht.

Die Risikovorsorge für faule Kredite, die wegen der guten Konjunktur zuletzt auf historischen Tiefstständen lag, werde steigen. Im kriselnden Energiesektor sei die Bank allerdings weniger stark engagiert als andere Geldhäuser, und die Engagements dort seien gut abgesichert.

mmq/Reuters/dpa-AFX

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