Kriselndes Geldinstitut Deutsche Bank macht erstmals seit 2014 wieder Gewinn

Nach drei Verlustjahren hat die Deutsche Bank 2018 wieder positiv abgeschlossen - auch wenn sie im Herbst noch in die roten Zahlen rutschte. Für eine Fusion mit der Commerzbank hat die EZB offenbar Bedingungen.

Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt
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Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt


Die Deutsche Bank hat 2018 nach drei Verlustjahren in Folge wie erhofft wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der Konzerngewinn habe bei 341 Millionen Euro nach einem Verlust von 735 Millionen ein Jahr zuvor gelegen, teilte der Dax-Konzern in Frankfurt mit. Die Aktionäre von Deutschlands größtem Geldhaus sollen wie im Vorjahr eine Dividende von elf Cent je Aktie erhalten.

Im vierten Quartal verzeichnete die Deutsche Bank den Angaben zufolge allerdings wieder einen Verlust von 409 Millionen Euro. Im Herbst hatten Ermittler zudem die Konzernzentrale wegen des Verdachts auf Geldwäsche durchsucht. Ende Januar kam zudem heraus, dass sich die Bank in den USA unangenehmen Fragen wegen Geschäften mit US-Präsident Donald Trump stellen muss. Die Wechsel an der Führungsspitze in den vergangenen Jahren hatten das Haus zusätzlich belastet - im April übernahm Vorstandschef Christian Sewing von John Cryan.

Abbau von Arbeitsplätzen geht weiter

In dieser Gemengelage denkt die deutsche Politik über eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank nach, damit Deutschland wieder ein international einigermaßen bedeutsames Geldhaus bekommt. Doch gegen die vom Finanzministerium zuletzt erwogenen Pläne, gibt es laut "Süddeutscher Zeitung" Widerstand. Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank habe von beiden Geldhäusern verlangt, für eine Fusion "rentabel" zu sein, hieß es. Auch könnten die Aktionäre demnach eventuell zusätzliches Kapital bereitstellen müssen. Eine offizielle Bestätigung für diese Bedingungen gibt es bislang nicht.

Für das laufende Jahr wagte Sewing keine konkrete Gewinnprognose. Allerdings sollen die um Konzernumbau und Rechtsfälle bereinigten Kosten der Bank auf 21,8 Milliarden Euro fallen und damit etwas stärker als bisher geplant. Bisher hatte die Deutsche Bank für 2019 Aufwendungen von 22 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Für 2018 hatte sie eigentlich mit 23 Milliarden Euro gerechnet. "Die Rückkehr in die Gewinnzone zeigt, dass die Deutsche Bank auf dem richtigen Weg ist", sagte Sewing - auch wenn die Bank "noch lange nicht" dort sei, wo sie hinwolle.

Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten wurden im vergangenen Jahr wiederum deutlich reduziert. So seien 19 der 20 Fälle, die Anfang 2016 das größte finanzielle Risiko geborgen hätten, ganz oder teilweise beigelegt worden, teilte das Institut mit. Die Höhe der Rückstellungen betrug demnach zum Jahresende 1,2 Milliarden Euro - 40 Prozent weniger als Ende 2017.

Mit dem Abbau von Arbeitsplätzen kam die Deutsche Bank wiederum nach eigenen Angaben wie geplant voran. Die Zahl der Vollzeitstellen sei 2018 auf rund 91.700 gefallen. In den kommenden Monaten sollen weitere Jobs wegfallen. Ende 2019 sollen bei der Deutschen Bank weltweit deutlich weniger als 90.000 Menschen beschäftigt sein.

Kunden ziehen Geld bei Deutsche-Bank-Tochter DWS ab

Auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS steckte zum Jahresende in der Krise. Die Kunden der Fondsgesellschaft haben im vierten Quartal Geld viel abgezogen - zwischen Oktober und Dezember netto sieben Milliarden Euro. Die Börsenturbulenzen zum Jahresende machten der DWS nach eigenen Angaben zu schaffen. Die verwalteten Vermögen schrumpften auf 662 Milliarden Euro.

Schon in den Vorquartalen hatten Kunden Geld aus der Gesellschaft gezogen, 2018 flossen insgesamt 22,3 Milliarden Euro ab. Der bereinigte Gewinn vor Steuern ging bei der DWS um 16 Prozent auf 625 Millionen zurück. Unterm Strich brach das Ergebnis sogar um 38 Prozent auf 391 Millionen Euro ein.

Als Gründe für die Verluste gelten die harte Konkurrenz unter den Vermögensverwaltern und die wachsenden Beliebtheit von nicht aktiv gemanagten ETF-Fonds, für die auch nur vergleichsweise geringe Gebühren anfallen.

apr/dpa/Reuters

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