Konzernumbau und Skandale: Deutsche Bank macht Milliardenverlust
Tiefrote Zahlen bei der Deutschen Bank: Das größte Geldhaus des Landes verbucht im vierten Quartal einen Verlust von rund 2,2 Milliarden Euro. Grund sind offene Rechtsstreitigkeiten, der Konzernumbau und Skandale.
Frankfurt am Main - Für Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die Chefs der Deutschen Bank
, ist es ein herber Rückschlag: Das Geldhaus ist zum Jahresende wegen des Konzernumbaus, des Skandals um manipulierte Referenzzinsen und der vielen offenen juristischen Baustellen tief ins Minus gerutscht. Vor Steuern blieb ein Verlust von 2,6 Milliarden Euro, wie das Kreditinstitut mitteilte. Nach Steuern waren es rund 2,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte die Bank im vierten Quartal einen Gewinn nach Steuern von 200 Millionen Euro verbucht.
Experten hatten zwar mit einem Minus gerechnet. Die Höhe ist aber überraschend. Die Bank bezifferte die Sonderbelastungen auf insgesamt 2,9 Milliarden Euro. So hatte die Bank etwa im Dezember den Schadensersatzprozess gegen die Erben des früheren Medienunternehmers Leo Kirch verloren.
Jahresgewinn schrumpft um 85 Prozent
Über das Jahr gesehen ging der Gewinn auf 665 Millionen Euro zurück - ein Minus von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Um die Aktionäre bei Laune zu halten, will die Bank für das vergangene Jahr eine unveränderte Dividende von 75 Cent je Aktie ausschütten. Die Dividende dürfte Anleger nur mäßig über das enttäuschende Ergebnis hinwegtrösten, sagte ein Börsianer. "Die Zahlen sind deutlich schlechter als erwartet, vor allem die Höhe der Abschreibungen war überraschend."
Die neuen Vorstandschefs Jain und Fitschen hatten bereits im Dezember vor den vielen Sonderbelastungen gewarnt. Sie bauen die Bank derzeit komplett um. Das Institut will die jährlichen Kosten bis 2015 um 4,5 Milliarden Euro reduzieren. Auch bei den Personalkosten soll gespart werden. 25.000 außertariflich bezahlte Mitarbeiter in Deutschland müssten in diesem Jahr auf die übliche Gehaltserhöhung verzichten, hatten am Mittwoch mehrere Zeitungen übereinstimmend berichtet.
Mit Spannung erwartet werden daher noch am Vormittag die Aussagen der Bankchefs zu den diversen Baustellen des Hauses, die ihre ersten acht Monate an der Spitze des Kreditinstituts überschattet haben. Wegen fragwürdiger Hypotheken- und Handelsgeschäfte steht das Institut vor allem in den USA im Visier der Justiz. Ende vergangenen Jahres durchsuchten zudem rund 500 Polizisten Geschäftsräume des Instituts wegen des Verdachts auf Umsatzsteuerbetrug.Dabei geht es um fragwürdige Handelsgeschäfte mit CO2-Verschmutzungsrechten.
yes/dapd/dpa/Reuters
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