Verlust bei der Deutschen Bank Knietief im Dispo

Teure Skandale brocken der Deutschen Bank Verluste ein. Eigentlich wollten die Chefs bis 2015 den größten Ärger abgeräumt haben. Doch davon sind sie weit entfernt. Nun sollen neue Vorstände die Probleme in den Griff kriegen.

Bankchefs Fitschen (l.) und Jain: Gewinne im "Peanuts"-Bereich
DPA

Bankchefs Fitschen (l.) und Jain: Gewinne im "Peanuts"-Bereich

Von


Hamburg - Es war so etwas wie ein Eingeständnis des Scheiterns: Der Umgang mit Rechtsstreitigkeiten und Altlasten habe sich als "herausfordernder" erwiesen "als wir gedacht haben", sagte Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain in einer Telefonkonferenz mit Finanzanalysten. Das ist eine schöne Formulierung für: Wir haben die Sache völlig falsch eingeschätzt.

Die Skandale der Vergangenheit sind ein Fluch für die Deutsche-Bank-Führung um Jain und seinen Co-Chef Jürgen Fitschen. Eigentlich waren sie 2012 angetreten, um mit der Vergangenheit aufzuräumen und durchzustarten. Bis 2015, so versprachen die beiden damals, werde man die Bank neu aufgestellt haben: Weniger Kosten, mehr Rendite - und vor allem eine neue Kultur. Alles sollte besser werden.

Nun rückt das Jahr 2015 nachweisbar näher - und ein Blick auf die aktuellen Geschäftszahlen zeigt: Statt neuer Aufstellung herrscht bei der Deutschen Bank noch immer buntes Durcheinander. 92 Millionen Euro Verlust stehen da für das abgelaufene dritte Geschäftsquartal zu Buche. In den vergangenen eineinhalb Jahren, also seit April 2013, hat die Bank gerade einmal gut 200 Millionen Euro verdient. Früher hätte man so etwas im eigenen Hause als "Peanuts" bezeichnet.

Altlasten aus den wilden Jahren

Es sind vor allem die Altlasten aus den wilden Jahren des Investmentbankings, die die Bank heute belasten. Dazu gehören mutmaßliche Manipulationenvon Zinssätzen und Wechselkursen genauso wie allzu wüste Praktiken im amerikanischen Immobilienmarkt. Alle drei Monate muss die Bank neues Geld zurücklegen, um davon mögliche Strafen der Aufsichtsbehörden oder Kosten für sonstige Rechtsstreitigkeiten zahlen zu können. Auch im dritten Quartal kamen wieder 894 Millionen Euro hinzu - insgesamt liegen die Rückstellungen für solche Fälle nun bei rund drei Milliarden Euro.

Jain kündigte zwar auch diesmal wieder an, die Probleme aus der Vergangenheit "so bald wie möglich" zu lösen. Doch so recht scheint er selbst nicht mehr daran zu glauben, dass das alles in absehbarer Zeit noch mal aufhört.

"Die hohen Kosten für Rechtsrisiken werden die Deutsche Bank noch lange belasten", meint Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch, "wahrscheinlich über 2015 hinaus." Die Zahlen im aktuellen Geschäftsbericht hält er noch für eher niedrig angesetzt.

Noch ein Investmentbanker

Doch es sind nicht die Rechtskosten alleine, die die Bank nach unten ziehen. Während sich Geschäftsfelder wie die Vermögensverwaltung langsam berappeln, ist das Investmentbanking noch meilenweit von alter Größe entfernt. Und die Frage ist, ob es jemals wieder dorthin zurückfinden wird. Gerade einmal 374 Millionen Euro hat die einst herausragende Sparte im abgelaufenen Quartal verdient. "Im Vergleich zu den Markterwartungen ist das zu wenig", sagt Analyst Hein.

Tatsächlich hat das Investmentbanking mit 3,4 Prozent die mit Abstand schlechteste Eigenkapitalrendite aller Bereiche abgeliefert. Eigentlich sollte die Sparte bis 2015 wieder auf rund 15 Prozent kommen. Wie das gehen soll, ist schleierhaft.

Schon im Mai hat die Bankspitze deshalb einige Ziele nach unten korrigiert beziehungsweise nach hinten verschoben. Doch das scheint Aufsichtsratschef Paul Achleitner mittlerweile zu wenig. Auch deshalb hat er in den vergangenen Monaten einen grundsätzlichen Umbau des Vorstands vorangetrieben, der an diesem Mittwoch verkündet wurde.

Dazu holt der ehemalige Goldman-Sachs-Manager Achleitner den Goldman-Sachs-Manager Marcus Schenck als neuen Finanzvorstand. Der bisherige Finanzchef Stefan Krause soll sich künftig vor allem um das laufende Kostensenkungsprogramm und die künftige Konzernstrategie kümmern. Außerdem rückt mit Christian Sewing der bisherige Chef der internen Revision in den Vorstand auf. Er wird sich von nun an auf höchster Ebene mit den Rechtsstreitigkeiten der Bank auseinandersetzen müssen. "Wir passen die Verantwortlichkeiten unserer Vorstandsmitglieder den strategischen Prioritäten der Bank stärker an", heißt das im Banker-Deutsch.

Kritiker wie Dieter Hein bemängeln vor allem den weiter starken Zuschnitt auf das Investmentbanking. "Eigentlich", meint der Analyst, "müsste man die Bank neu ausrichten und einen wirklichen Kulturwandel einleiten. Aber das ist offenbar nicht gewollt." So sei die Position der Investmentbanker innerhalb der Bank mit der Berufung des neuen Finanzvorstands Schencks sogar noch gestärkt worden. "Das", sagt Hein, "ist das Gegenteil von Kulturwandel".

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mischpot 29.10.2014
1. Die Bank ist im Minus zahlt aber für neues Geld 0,05
Prozent Zinsen. Und sollte die Bank nicht mehr weiter können wird Sie von Steuerzahlergeld gerettet. So funktioniert die Umverteilung in Deutschland immer mehr Arme und wenige Reiche die sich aufgrund Ihrer Kontakte dieses System zu Nutze machen.
rentner2012 29.10.2014
2. Ackermann
Man hat den Namen des Verursachers immer falsch gesprochen, richtig wäre gewesen: Mach dich vom Acker, Mann.
Progressor 29.10.2014
3. Ganz anders
Wenn die Deutsche Bank diese dubiosen Geschäfte nicht gemacht hätte, dann wäre sie pleite. Merke: Bankmanager bekommen ihr Millionengehalt damit sie Geschäfte machen die mehr Gewinn bringen als die daraus resultierende Strafe.
thomas1946 29.10.2014
4. Absolut negative Erfahrung
Die Deutsche Bank ist bei mir absolut aus dem Rennen, meine Geschäfte lasse ich nur noch über die Sparkasse laufen. Selbst bei allerbester Bonität wurden Kreditan- fragen abschlägig beschieden. Was soll ich mit so einer Bank anfangen ?!
dr.könig 29.10.2014
5. Herr Fitschen ist im Rentneralter......
Die Führungsstruktur bei den meisten Vorständen ist überaltert. Es wird nur noch Schadensbegrenzung gemacht. Kein aktives Management. Man sollte Herrn Weber, früherer Bundesbanker, nach Frankfurt holen. Mit einer neuen Führungs Mannschaft für alle Bereiche. Für Zauderer und Zögerer ist kein Platz im oberen Vorstandssegment.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.