Geschäfte mit Streumunition Rüstungsgegner werfen Deutscher Bank Wortbruch vor

Finanzkritische Organisationen nehmen die Deutsche Bank ins Visier. Entgegen eines Versprechens investiere das Institut in Firmen, die an der Herstellung von Streumunition beteiligt sind, berichtet "Zeit Online". Die Bank verweist auf eine Selbstverpflichtung ihrer Partner.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Vorwurf unethischer Investments
REUTERS

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Vorwurf unethischer Investments


Frankfurt am Main - Auf die neuen Chefs der Deutschen Bank kommt viel Arbeit zu. Dazu könnte auch eine Imagepolitur gehören. Bankenkritische Organisationen werfen dem Geldhaus laut "Zeit Online" vor, sich an Geschäften mit Streumunition zu beteiligen - und damit ein Versprechen zu brechen.

Noch-Vorstandschef Josef Ackermann hatte zugesagt, die Bank werde sich aus solchen Investments zurückziehen. Die Organisationen Facing Finance und Profundo teilten nun aber mit, ihren Recherchen zufolge gebe es weiter entsprechende Geschäftsverbindungen. In einer Studie, die auf Daten von Finanzdienstleistern basiert, listen die Organisationen Kredite, Anleihen und Beteiligungen an mutmaßliche Hersteller von Streumunition auf. Im Fokus steht dabei das US-Unternehmen L-3.

Laut Facing Finance vergab die Deutsche Bank Chart zeigen Anfang Februar einen Kredit in Höhe von 47,5 Millionen Euro an L-3. Die Firma im US-Staat Ohio reagierte nicht auf Anfragen. Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte neue Geschäftsbeziehungen. Allerdings habe L-3 zugesagt, die Firma werde sich aus dem Geschäft mit Streumunition verabschieden.

Die Deutsche Bank hatte bereits 2008 erklärt, man werde die Herstellung, Verbreitung und den Handel von Streubomben nicht finanzieren. Im Herbst 2011 versprach die Bank, dass sie auch Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen einstellen werde, die neben anderen Produkten auch Streubomben produzieren. "Neue Geschäftsbeziehungen zu solchen Unternehmen kommen nur dann in Frage, wenn die Kunden sich dezidiert verpflichten, so schnell wie möglich aus diesem Geschäftsbereich auszusteigen", erklärte das Institut. Zugleich hieß es: "Bestehende vertragliche Verpflichtungen gegenüber Kunden wird die Bank selbstverständlich erfüllen."

Kritiker nehmen auch Commerzbank ins Visier

Auch bei anderen Banken will Facing Finance Geschäftsverbindungen aufgedeckt haben, die das Thema Streumunition berühren. Insgesamt belaufe sich das Marktvolumen in Deutschland auf bis zu 1,6 Milliarden Euro. Auch die Commerzbank mische über ihr Investmentbanking mit, schreibt die Organisation. "Bei den in der Studie genannten Positionen handelt es sich ausschließlich um im Kundenauftrag vorübergehend gehaltene Bestände unserer Filiale in New York aus üblichen Wertpapierleihegeschäften", sagte ein Sprecher der Commerzbank.

Die Deka-Bank prüft derzeit den Kauf von 2000 Aktien von Samsung Techwin, einer Tochter des koreanischen Konzerns Samsung Chart zeigen. Sollten sich Hinweise finden, dass Techwin in die Produktion von Landminen oder Streumunition involviert sei, würde die Firma für Investments gesperrt, sagte ein Sprecher. Die Deka sei deswegen mit Facing Finance im Dialog und habe in den vergangenen Jahren "große Schritte gemacht", um strittige Positionen abzubauen. Techwin war für eine Nachfrage nicht erreichbar.

Deutsche Bank auch wegen Rohstoff-Spekulation unter Druck

Auch im Rohstoffgeschäft wurden der Deutschen Bank unethische Investments vorgeworfen. Die Organisation "Foodwatch" hatte ihr eine Mitschuld am weltweiten Hunger gegeben, weil Spekulation die Preise für Nahrungsmittel auch in armen Ländern nach oben treibe.

Deutschlands größte Bank kündigte daraufhin an, im laufenden Jahr keine neuen, an der Börse gehandelten Anlageprodukte zu emittieren, die auf dem Handel mit landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Getreide oder auf Wetten auf die Preisentwicklung von Grundnahrungsmitteln basieren. Einen vollständigen Ausstieg aus der Agrarspekulation lehnt die Deutsche Bank aber bisher ab.

mmq/dapd



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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
Oscar Madison 21.03.2012
1. ELAC und Co.
Zitat von sysopREUTERSFinanzkritische Organisationen nehmen die Deutsche Bank ins Visier: Entgegen eines Versprechens investiere das Institut in Firmen, die an der Herstellung von Streumunition beteiligt sind, berichtet "Zeit Online". Die Bank verweist auf eine Selbstverpflichtung ihrer Partner. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,822882,00.html
Zu L-3 gehören auch 6 deutsche Unternehmen, wie die traditionsreiche ELAC Nautic GmbH in Kiel, die Magnet Motor GmbH etc. Deutsche Angestellte mit Familien und einem Arbeitsplatz. Vielleicht sollten sie kündigen? Oder ich werfe meine ELAC Lautsprecher weg.... Die Deutsche Bank zum Buhmann zu machen, ist wieder der einfachste Weg. Wie immer.
matz-bam 21.03.2012
2. Frage
Zitat von Oscar MadisonZu L-3 gehören auch 6 deutsche Unternehmen, wie die traditionsreiche ELAC Nautic GmbH in Kiel, die Magnet Motor GmbH etc. Deutsche Angestellte mit Familien und einem Arbeitsplatz. Vielleicht sollten sie kündigen? Oder ich werfe meine ELAC Lautsprecher weg.... Die Deutsche Bank zum Buhmann zu machen, ist wieder der einfachste Weg. Wie immer.
Sie wissen schon, dass besonders Kinder Opfer der Streumunition werden?Eine Frage: Wenn Sie zB. die Kindermorde jetzt in Frankreich dadurch hätten verhindern können, dass Sie Ihren Job kündigen, hätten Sie das gemacht?
IsaDellaBaviera 21.03.2012
3. Nee! Echt? Das klingt ja wie ein Zuhälter, der seinem Mädchen abverlangt,
Zitat von sysopREUTERSFinanzkritische Organisationen nehmen die Deutsche Bank ins Visier: Entgegen eines Versprechens investiere das Institut in Firmen, die an der Herstellung von Streumunition beteiligt sind, berichtet "Zeit Online". Die Bank verweist auf eine Selbstverpflichtung ihrer Partner. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,822882,00.html
beim nächsten Mal auf ein Präservativ zu bestehen. Obwohl dadurch seine Umsätze sinken werden... Ackermann, oh Mann, Ackermann....wer soll denn der Deutschen Bank überhaupt noch glauben ?
Dumpfmuff3000 21.03.2012
4. xxx
Zitat von sysopREUTERSFinanzkritische Organisationen nehmen die Deutsche Bank ins Visier: Entgegen eines Versprechens investiere das Institut in Firmen, die an der Herstellung von Streumunition beteiligt sind, berichtet "Zeit Online". Die Bank verweist auf eine Selbstverpflichtung ihrer Partner. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,822882,00.html
Selbstverpflichtungen können immer nur in absoluten Ausnahmen funktionieren. Ganz einfach deshalb, weil jedes Unternehmen, welches sich über geseztliche Regelungen der Branche hinaus zu höheren Standards verpflichtet, sich damit einen Wettbewerbsnachteil einhandelt. Das heißt es handelt gegen seine eigene ökonomische Existenz, gegen sein legitimes erstes und oberstes Ziel, Profit zu erwirtschaften. Ethik und Moral lassen sich also nicht verlustfrei in die Logik wirtschaftlichen Handelns übersetzen. Deshalb ist es Sache de Gesetzgebers, hier für alle in der jeweiligen Branche tätigen Unternehmen verbindliche Regeln auzustellen und auch durchzusetzen. Der Gesetzgeber ist es, der auf Basis des gesellsachftlichen Wertekonsenses die rechtlichen Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln festschreiben muß. Ich denke mal, weitgehender Konsens ist, daß Streumunition geächtet wwerden sollte. Das heißt, daß die Europäische UNion die Produktion von, den Handel mit, und in die Investition in Streumunition unter schwere Strafe stellen muß.
Pandora0611 21.03.2012
5. Das ist typisch für die DB
Zitat von sysopREUTERSFinanzkritische Organisationen nehmen die Deutsche Bank ins Visier: Entgegen eines Versprechens investiere das Institut in Firmen, die an der Herstellung von Streumunition beteiligt sind, berichtet "Zeit Online". Die Bank verweist auf eine Selbstverpflichtung ihrer Partner. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,822882,00.html
Da sieht man mal wieder, was die Aussagen Ackermanns wert sind - nämlich nichts! Und mit Jain und Fitschen wird es nicht besser, eher schlimmer. Fast 90%. das sagt schon alles. Die DB kennt keine Moral; sie macht mit jedem und allem Geschäfte, wenn es den Gewinn erhöht. pecunia non olet!
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