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Libor-Zinsskandal: Deutsche Bank muss Ex-Mitarbeiter entschädigen

Deutsche-Bank-Zentrale: Geldhaus prüft eine Berufung Zur Großansicht
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Deutsche-Bank-Zentrale: Geldhaus prüft eine Berufung

Niederlage für die Deutsche Bank im Zinsskandal: Das Arbeitsgericht Frankfurt hat die Entlassung von vier Mitarbeitern für unverhältnismäßig erklärt. Das Geldhaus muss nun Gehälter plus Zinsen nachzahlen.

Frankfurt am Main - Im Skandal um europaweite Zinsmanipulation hat die Deutsche Bank vier Mitarbeitern zu Unrecht gekündigt. Das entschied am Mittwoch das Arbeitsgericht Frankfurt. Die Entlassungen seien "unverhältnismäßig". Die Bank muss ihren Leuten die Gehälter samt Zinsen nachzahlen. Die Händler seien in einem ständigen Interessenkonflikt gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin Annika Gey. Für den Umgang zwischen den Händlern und den für die tägliche Meldung des Euribor zuständigen Mitarbeitern habe es keine Richtlinien gegeben. "Es gab Händler, die für beides zuständig waren. Der Trader kann die Position nicht ausblenden", sagte Gey.

Das Geldinstitut hatte die außerordentlichen Kündigungen mit "schwerwiegendem Fehlverhalten" ihrer Angestellten begründet. Der Anwalt der Deutschen Bank, Christian Hoefs, warf den Ex-Mitarbeitern vor, bei der Ermittlung der Referenzzinssätze Libor und Euribor mehrfach verbotenerweise mit Derivate-Händlern im eigenen Haus kommuniziert zu haben. Angesichts eines derart "schwerwiegenden Fehlverhaltens von so hochbezahlten Leuten" habe an der außerordentlichen Kündigung kein Weg vorbeigeführt. Ein Sprecher teilte mit, die Deutsche Bank prüfe eine Berufung.

Die gekündigten Mitarbeiter betonen, es habe keinen Fall gegeben, in denen der Zinssatz zu hoch oder zu niedrig gewesen sei. An Tricksereien hätten sie auch deswegen kein Interesse gehabt, weil sich die Ermittlung der Zinssätze nicht auf ihren Bonus ausgewirkt habe.

Der Deutschen Bank drohen empfindliche Strafen der Aufsichtsbehörden. Diese haben eine Reihe von Instituten im Verdacht, den Euribor und den Libor-Zinssatz zu ihren Gunsten manipuliert zu haben. Gegen andere Banken waren bereits Strafen in Milliardenhöhe verhängt worden. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat der Deutschen Bank Versäumnisse in der Überwachung der auf Schätzungen der aktuellen Marktzinsen basierenden Meldungen vorgeworfen.

Die Deutsche Bank hat am Mittwoch derweil eine wichtige Personalentscheidung verkündet: Der Vertrag von Co-Chef Jürgen Fitschen wird vorzeitig bis 2017 verlängert. Der Vertrag von Anshu Jain, der seit 15 Monaten zusammen mit Fitschen an der Bankspitze steht, läuft ohnehin bis 2017.

cte/dpa/Reuters

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insgesamt 23 Beiträge
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    Seite 1    
1. richterliche Hilfe für Abzocker?!
treasurer 11.09.2013
es wäre schön gewesen, wenn sich die Richterin vorab mit den Geflogenheiten im Handel befasst hätte. So macht sie sich zur Helferin von Betrügern. Mir kann keiner erzählen, diese Händler hätten nicht gewusst, was sie tun. Auch ohne detaillierte Richtilinien und scheinheiligen Beteuerungen der Händler, jede ungerechtfertigte Erhöhung der Referenzzinssätze verbessert automatisch die Einstandsposition des Händlers, erhöht somit seinen Ertrag und Bonus!! Ich würde der Bank empfehlen, in Berufung zu gehen.
2. Alles richtig gemacht?
WILHHERDE 11.09.2013
Wenn die Händler alles richtig gemacht haben, kann die Bank die Libor-Sätze doch auch nicht manipuliert haben. Die deutsche Bank hat es jetzt schriftlich. Niemand hat manipuliert. Besser kann es im Grunde für die deutsche Bank doch nicht laufen
3.
Tamarind 11.09.2013
In den USA sind DIE BANKEN verklagt worden, nicht die einzelnen Mitarbeiter. Vor New Yorker Gericht sind Vergleiche durch Geldzahlung in Milliardenhöhe erreicht worden, nämlich für Barclays, USB und The Royal Bank of Scotland (insgesamt US$ 2,9 Mrd.). Einstweilen hat das NY Gericht manche Anklagepunkte fallen lassen, doch durch die Einschätzung des juristischen Kommentars auf New Yorkt Times müssen die Banken entweder weitere Zahlungen in Kauf nehmen oder sie riskieren, dass der Fall sogar vor dem Supreme Court landen könnte, wobei die Richter dann ganz anders entscheiden könnten. http://dealbook.nytimes.com/2013/04/01/in-libor-ruling-a-big-win-for-the-banks/?_r=0 Insgesamt wurde gegen sieben Banken ermittelt, u.a. haben die Citibank, die Deutsche Bank und JP Morgan von der Staatsanwaltschaft eine Vorladung bekommen: LIBOR Liabilities: How litigation will drive down banks profitability for years to come... - Forbes (http://www.forbes.com/sites/shawnbaldwin/2012/10/29/libor-liabilities/) Typisch, dass die Bank hierzulande einzelne Angestellte haftbar machen möchte und damit auch insoweit durchkommt, dass diese vorm Gericht landen, während die Bank selbst wohl dadurch nur seine eigene Haut retten wollte. Na ja, im Angie-Wonderland hat die Deutsche Bank doch eh nichts zu befürchten: sie sponsert sogar ÖR Wahlveranstaltungen. Eine richtige Entscheidung des Gerichtes. Die Masterminds der Manipulation waren diese Bankangestellten sicher nicht.
4. merkwürdiges
ambulans 11.09.2013
urteil da in frankfurt: entweder warens hochbezahlte, gleichwohl aber weisungsabhängige angestellte, die hier (unbestritten) verwickelt sind - dann wars organisationsversagen/-verschulden der Deutschen Bank. wenn diese "mitarbeiter" aber - art und höhe der entlohnung sprechen hier schon eine ziemlich deutliche sprache, der vorgeworfene (absprache-)kontakt zu den derivate-händlern ebenso - in erheblichem umfang "selbständig" handeln konnten/durften, sind sie dran (und zu recht rausgeflogen). da die Deutsche Bank, international gesehen, kronzeugen-status (mit milderer "strafe") bekommen möchte, spricht vieles für die zweite vermutung. in deutschland ist man persönlich für sein handeln verantwortlich - hier nicht? urteil nach UK-/US-recht?
5. optional
Freidenker10 11.09.2013
Die kleinen hängt man, den großen wird der Vertrag verlängert. Wenns doch im Leben immer so einfach wäre...
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