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Geschäftsbericht der Deutschen Bank: Niedrige Gewinne, hohe Gehälter

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Deutsche-Bank-Chefs Fitschen, Jain: 6,6 Millionen Euro pro Nase Zur Großansicht
DPA

Deutsche-Bank-Chefs Fitschen, Jain: 6,6 Millionen Euro pro Nase

Die Politik zwingt die Finanzbranche, ihre Boni zu senken - bei der Deutschen Bank bleiben die Einkommen trotzdem hoch. Zwei Milliarden Euro kassieren die 2000 Top-Investmentbanker. Da hilft es wenig, wenn die Chefs ein bisschen verzichten.

Hamburg - Eigentlich wollte die Politik die Gehaltsexzesse bei den Banken eindämmen - doch gelungen ist ihr das nur zum Teil. Wie der am Freitagabend veröffentlichte Geschäftsbericht der Deutschen Bank zeigt, verschieben die Finanzkonzerne die Summen nur: weniger Boni, dafür höhere Fixgehälter.

Zehn Milliarden Euro gab die Deutsche Bank im Geschäftsjahr 2014 für Gehälter aus - das ist sogar etwas mehr als im Vorjahr. Und das, obwohl die Politik eigentlich gegensteuern wollte und die Bonuszahlungen begrenzt hat.

Seit 2014 dürfen Banken in der EU ihren Mitarbeitern keine Zuschläge mehr zahlen, die über das Fixgehalt hinausgehen. Nur mit Zustimmung der Hauptversammlung sind doppelt so hohe Boni-Grenzen erlaubt. Genau das hat sich die Deutsche Bank im vergangenen Jahr von ihren Aktionären genehmigen lassen - wenn auch unter großem Gegrummel der Anteilseigner.

Zugleich verschob die Bank ihre Gehaltsstruktur: Die Boni sanken von insgesamt 3,2 Milliarden Euro 2013 auf 2,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig stieg die feste Vergütung von 6,7 auf 7,3 Milliarden Euro. Im Ergebnis bleibt also alles wie gehabt. Dies sei nötig, um im Wettbewerb um die besten Talente mithalten zu können, argumentiert die Bank.

Jain und Fitschen bekommen je 6,66 Millionen Euro

Fast die Hälfte der Personalkosten geht für die vergleichsweise erfolglosen Investmentbanker drauf, deren Geschäfte der Bank immer wieder hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten bescheren. Die gut 25.000 Mitarbeiter in der Sparte erhielten für 2014 rund 4,47 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die etwa 47.000 Mitarbeiter im Privat- und Firmenkundengeschäft kamen zusammen gerade mal auf 2,8 Milliarden Euro.

Noch deutlicher wird das Gehaltsgefälle, wenn man nur die gut 2000 Top-Investmentbanker des Hauses betrachtet: Sie verdienten insgesamt gut zwei Milliarden Euro - im Schnitt also etwa eine Million Euro pro Person. Exzesse wie zu Zeiten vor der Finanzkrise, als einzelne Händler gerne mal zweistellige Millionenboni mit nach Hause nahmen, sind zwar vorbei. Im Vergleich zu anderen Branchen ist die Bezahlung aber immer noch sehr üppig - vor allem angesichts der eher mauen Gewinne, die die Banker erwirtschaften. Bei der Deutschen Bank waren es 2014 unter dem Strich knapp 1,7 Milliarden Euro. Mehr als im Vorjahr, aber immer noch weit von den eigenen Zielen entfernt.

Das Gehaltsgefälle innerhalb des Konzerns dürfte auch die Diskussion um die künftige Strategie befeuern, die in der Bank derzeit ohnehin besonders heiß geführt wird. Deutschlands größtes Geldhaus ist dabei in zwei Lager gespalten: Viele Investmentbanker wollen Teile des Privatkundengeschäfts - wie etwa die Postbank - am liebsten loswerden und sich stärker auf das Kapitalmarktgeschäft konzentrieren. Die Vertreter der Privatkundensparte dagegen betrachten die in London, New York oder Singapur ansässigen Top-Verdiener mit Argwohn.

Die Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen müssen den Konflikt managen. Zumindest ihre Gehälter sanken im vergangenen Jahr ein wenig: Inklusive Boni erhielten sie je 6,66 Millionen Euro - elf Prozent weniger als 2013. Trotzdem zählen auch sie unter den großen deutschen Konzernen immer noch zu den Top-Verdienern.

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insgesamt 67 Beiträge
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1. Gewinner
goethestrasse 20.03.2015
Die Bankster sind die einzigen Gewinner der Wirtschaftskrise. Jeder andere wird bestraft und die, die es verursachen zocken weiter, trinken Schampus und bezeichen eine U-Bahn als "Assi-Schlauch", weil sie selber mit dem Taxi zur Arbeit kommen und die Bank es auch noch zahlt.
2. ...
Newspeak 20.03.2015
Wer an der Quelle sitzt, bedient sich hemmungslos. Nichts Neues unter der Sonne. Was machen eigentlich die ganzen Gerichtsverfahren, die gegen die Deutsche Bank laufen, wegen organisiertem Verbrechens wie Zinsbetrug? (getreu dem Logo "Deutsche Bank - wir bieten den Rahmen für ihre krummen Geschäfte"). Am Ende geht der Krug jedenfalls solange zum Brunnen, bis er bricht...
3.
TS_Alien 20.03.2015
Die Großbanken waren alle pleite, viele dürften es auch heute noch sein, wenn man die wirklichen Risiken berechnet und wenn nicht die Bürger ständig Feuerwehr spielen würden. Und dann regnet es Boni wie Sterntaler vom Himmel. Absurder geht es nicht.
4. Mein Traum
JKStiller 20.03.2015
Banken bekommen die Finanzierung für den Bau neuer Gefängnisse, da der Staat keine liquiden Mittel hat. Banker wollen mehr aus dem Geschäft rausholen und machen ein Buy and Lease Modell. Es gibt einen Regierungswechsel, die Schlipsträger werden verknackt und dürfen im eigenen Haus (Knast) auf ein paar qm mit Klo und Mitbewohner von der Karibik bei Pulverkaffee und Instant-Nudeln träumen. Kann mir das Bild mal jemand malen? Das kriegt einen Ehrenplatz.
5.
frankfurter. 20.03.2015
Man kann dieses gewerbe mit einer gewissen berechtigung kritisieren. Oder aber sich mit dem status quo arrangieren. Hier in frankfurt profitieren z. B. Die gastronomie, daa hotelgewerbe oder die taxis von der finanziellen potenz der "bankster" ich habe mich fuers mitschwimmen entschieden und deutsche bank aktien gekauft. Schaut gut aus. Denn eine lebensweisheit meines vaters habe ich verinnerlicht. Er hat mir als ratschlag fuers leben mitgegeben: gehoere nicht zu den deutschen, die ewig jammern und lamentieren. Dann wirst du verlieren. Wie recht er hatte.
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