Deutsche Bank Aufsichtsrat trifft sich zu kurzfristiger Beratung

Über einen Wechsel an der Spitze der Deutschen Bank wird derzeit heftig spekuliert. Nun lädt Aufsichtsratschef Achleitner das Gremium zu kurzfristig anberaumten Gesprächen. Soll über Personalien diskutiert werden?

Zentrale der Deutschen Bank
REUTERS

Zentrale der Deutschen Bank


Mitten in der Führungsdebatte bei der Deutschen Bank hat Aufsichtsratschef Paul Achleitner Finanzkreisen zufolge für Sonntagabend den Aufsichtsrat zusammengerufen. Die Mitglieder des Kontrollgremiums seien zu einem "Update-Call" eingeladen worden, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag.

Dabei dürfte auch über die Zukunft von Bankchef John Cryan beraten werden, für den Achleitner schon seit Monaten einen Nachfolger sucht. Einer der Insider sagte, es könnten am Sonntag weitreichende Entscheidungen gefällt werden. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab. Zuvor hatte das "Handelsblatt" über die bevorstehende Zusammenkunft des Gremiums berichtet.

Achleitner sucht Nachfolger für Cryan

Vor zwei Wochen war öffentlich geworden, dass Achleitner nach einem Ersatz für Cryan sucht, der die größte deutsche Bank seit Mitte 2015 führt. Von Achleitner war dazu nichts zu hören - im Gegensatz zu Cryan, der erklärte, an Bord bleiben zu wollen. "Ich möchte Ihnen versichern, dass ich mich weiterhin mit all meiner Kraft für die Bank einsetze und gemeinsam mit Ihnen den Weg weiter gehen möchte, den wir vor rund drei Jahren angetreten haben", schrieb Cryan, dessen Vertrag noch bis zum Jahr 2020 läuft, kurz vor Ostern an die Mitarbeiter.

Der Brite war als Nachfolger von Anshu Jain angetreten, um die Deutsche Bank aus der Krise zu steuern, hat aber in den vergangenen Monaten auf seinem Sanierungskurs mehrere Rückschläge hinnehmen müssen.

John Cryan
AFP

John Cryan

2017 meldete die Deutsche Bank vor allem wegen der US-Steuerreform das dritte Verlustjahr in Folge. Doch auch das operative Geschäft im Anleihehandel und im Investmentbanking läuft nach wie vor alles andere als rund.

Druck auf Achleitner selbst ist ebenfalls groß

Achleitner selbst steht bei mehreren Großaktionären in der Kritik. Sie werfen ihm strategische Fehlentscheidungen vor und vermissen angesichts der Ungewissheit über die Zukunft von Cryan eine klare Ansage von ihm.

"Er wird schnell handeln", sagte nun ein Großaktionär, der in den vergangenen Tagen mit dem Österreicher zusammentraf. Auch auf andere mächtige Investoren ist der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Finanzkreisen zufolge zugegangen.

Trotz des großen Drucks auf Achleitner werde es unter den Aktionären wohl keine Mehrheit für seine Ablösung geben, sagte auch einer seiner Kritiker gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Achleiter war erst im vergangenen Jahr für fünf Jahre wiedergewählt worden.

Wer könnte Cryan ablösen?

Weiterhin unklar ist, wer Cryan folgen könnte. "Es gibt mehrere starke externe Kandidaten", sagte einer der Insider, aber ohne Namen zu verraten. In den vergangenen Wochen wurden in Medienberichten der Europa-Statthalter von Goldman Sachs, Richard Gnodde, der Chef der italienischen Großbank Unicredit, Jean Pierre Mustier, und der Chef des britischen Finanzhauses Standard Chartered, Bill Winters, genannt. Die lehnten jedoch alle ab.

Auch der Österreicher Christian Meissner, der für die Bank of America arbeitet, und Matt Zames, ein ehemaliger Top-Manager von JP Morgan, wurden ins Spiel gebracht. Auch sie hätten abgewunken. An einer internen Nachfolgelösung hatten einige der Großaktionäre zuletzt immer wieder Zweifel verlauten lassen.

Wer immer Cryan auf dem Schleudersitz in den Frankfurter Doppeltürmen folgt, muss auch die Frage beantworten, mit welcher Strategie die Bank wieder Boden gut macht. Während sich einige Großaktionäre für eine Stärkung des Investmentbankings aussprechen, fordern andere Einschnitte.

Solange der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Achleitner an der Spitze des Aufsichtsrats steht, werde die Deutsche Bank aber wohl auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Investmentbanking spielen wollen, sagten die Investoren.

gru/Reuters

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