Deutsche-Bank-Chefaufseher Paul Achleitners Macho-Show

Als Chefaufseher hat Paul Achleitner großen Anteil am Niedergang der Deutschen Bank. Statt auf der Hauptversammlung eine große Show hinzulegen, sollte er dem Konzern einen letzten Dienst erweisen.

Paul Achleitner
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Seit geraumer Zeit veröffentlicht die Konzernspitze der Deutschen Bank Mitteilungen an die Belegschaft auf der Firmenwebsite unter der Überschrift "Eine Botschaft von...". Die Autoren dieser Botschaften wechseln im Rhythmus der Neuordnung an der Vorstandsspitze. Erster Absender war John Cryan, seit Kurzem verschickt Christian Sewing, sein Nachfolger als Vorstandschef, Mails an die Mitarbeiter.

Am Donnerstag, auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank, sendete auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner eine Botschaft - nicht schriftlich, sondern verbal in seiner Eröffnungsrede zum jährlichen Aktionärstreffen. Adressaten waren weniger die Mitarbeiter als die Großaktionäre des Konzerns, der sich seit Jahren - auch und vor allem unter Achleitners Schirmherrschaft - in einem beispiellosen Niedergang befindet.

Mit kraftvollen Worten versuchte Achleitner den Eindruck zu erwecken, dass er die Bank unbeirrt durch die Krise manövriert und Kurs-Abweichler unbarmherzig verfolgt.

  • Aufsichtsratsarbeit seit keine Form von Reality-TV-Show;
  • die Bank werde wegen der Weitergabe vertraulicher Informationen aus Ratssitzungen Strafanzeige gegen Unbekannt stellen;
  • Cryans Rausschmiss sei unvermeidlich gewesen, sonst wären die Ziele des Unternehmens gefährdet gewesen.

In diesem Stil markierte der ansonsten harmonieverliebte Österreicher den harten Mann.

Zu seiner Verteidigung hatte er vor einigen Tagen sogar den Chefvolkswirt des Konzerns, David Folkerts-Landau, ins Rennen geschickt. Der ließ per Zeitungsinterview die Öffentlichkeit wissen, was das Management der Prä-Achleitner-Ära alles falsch, Achleitner selbst alles richtig gemacht hat. Eine mehr als peinliche Ergebenheitsadresse: Folkerts-Landau ist selbst seit 20 Jahren hochrangiger Mitarbeiter der Bank und gehört zur Corona der Investmentbanker, die in den Neunzigerjahren den Konzern kaperten. Als die Fehler, die er heute anprangert, passierten, war von ihm nichts Derartiges zu hören. Ganz abgesehen davon, dass er als Chefvolkswirt Besseres zu tun hat, als Kommentare zur Strategie der Bank und ihres Führungspersonals abzugeben.

Kaum noch Kredit bei den Investoren

Achleitners Macho-Show auf der Hauptversammlung und die Begleitmusik von Folkerts-Landau hatten ihren Grund. Denn all das, was Achleitner so düster skizzierte, ist unter seiner Aufsicht passiert. In seiner sechsjährigen Amtszeit hat er mit drei Vorstandschefs zu tun gehabt: Anshu Jain, Cryan, nun also Sewing. Das Außenbild der Bank ist katastrophal, der Aktienkurs nahe dem Allzeittief von 9,90 Euro; die Strategie überzeugt die Investoren noch immer nicht.

Das sind Gründe genug für die Großinvestoren aus China (HNA), Katar (Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al Thani, Vetter Hamad Bin Khalifa Al Thani) und den USA (Vermögensverwalter Blackrock, Finanzinvestor Cerberus), Achleitner mit immer größerer Skepsis zu begegnen.

Tatsächlich ließen einige von ihnen noch kurz vor Beginn der Hauptversammlung offen, ob sie überhaupt Vorstand und Aufsichtsrat, und damit Achleitner, entlasten würden - ein absolut unüblicher Vorgang für deutsche Aktiengesellschaften. Die einflussreichen Stimmrechtsberater Glass Lewis und Ivox Glass Lewis sprachen sich sogar gegen Achleitners Entlastung aus.

Dennoch sind die Vorgänge untrügliche Zeichen dafür, dass Achleitner kaum noch Kredit bei den Investoren hat. Inzwischen hat sich bei vielen die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Mann an der Spitze des Kontrollgremiums eben nicht der starke Mann des Konzerns ist, für den er sich offenbar hält. Die mehrfachen Strategie- und Personalwechsel in seiner Amtszeit haben die Deutsche Bank wichtige Jahre gekostet, in denen die Konkurrenz davongezogen ist.

Im Aktionariat mehren sich die Stimmen, dass Achleitner seine eigene Nachfolge regeln und spätestens zur Hauptversammlung 2019 von Bord gehen soll. Es wäre ein letzter, ehrenwerter Dienst an der Deutschen Bank Chart zeigen.



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
argonaut-10 24.05.2018
1.
von einer Bank, die mal auszog, um mit den Großen der Welt in einem Sandkasten zu spielen; Mann, was haben die seitdem Kapital verblasen.
clau-roth 24.05.2018
2. Herr Achleitner
ist der WAHRE Totengräber der Deutschen Bank !
Raisti 24.05.2018
3.
Wieviele Jobs könnte man bei der Deutschen Bank erhalten wenn man einen Achleitner entlassen würde ? Bestimmt ne Menge :D
opinio... 24.05.2018
4. Alphatier, Alpha-Tier, CEO und mehr?
Es zeigt sich einmal mehr, dass die Anwendung der von Mutter Natur vorgegeben Kriterien in menschlichen Gruppen/Organisationen seine Tücken hat, Beißkraft allein ist etwas wenig!
ih2011 24.05.2018
5. Spitzenmanager und Kapitalismus
Von diesen Spitzenmanagern hört man meist die Phrasen: Synergien, Umstrukturierungen, Beteiligungskäufe und -verkäufe, Auslagerungen und Gefasel von hohen Kosten (während man angeblich gute Investmentbanker (Zocker) nur mit viel Geld bekommt und man „gute“ Gehälter für Durchschnittsverdiener in guten Zeiten mit der herausragenden Marktposition rechtfertigte). Gleichzeit sind die prozentualen Steigerungen der 1. und 2. Managementebene mit sehr hohen Boni (auch in schlechten Zeiten) durchgängig wesentlich höher als die von Durchschnittsangestellten. Sinkende Gewinne oder gar Verluste werden dagegen regelmäßig mit Stellenabbau beantwortet und die versagenden Manager sehr üppig abgefunden. Allein die Pensionsansprüche sind erheblich und unangemessen. Die unbequemen Schritte gelten nur für den Durchschnittsangestellten, zuweilen wird sogar der Staat bzw. der Steuerzahler für Fehlleistungen zur Kasse gebeten. Warum leistet sich die Deutsche Bank schon wieder eine Doppelspitze, die erst einmal wieder mit dem üblichen Gequatsche von sich reden macht: Digitalisierung, Fokussierung, Wandel, Geschäftsmodell, blablabla? Und auch das neue Management versagt es sich nicht, Analogien zum Fußball („Null gehalten“) zu bemühen. Nicht nur, dass man dieses „Fußball-Trainer und Fußball-Kommentatoren-Gerede" von Politiker hört, nun kommen auch die Spitzenkräfte der Wirtschaft, um dem Normalzuhörer angeblich Verständliches sinnentleert zu offenbaren. Wie viele Personal-Fehlentscheidungen darf sich der AR-Vorsitzende noch leisten, obwohl er offenkundig völlig überfordert ist. Regelmäßig erscheinen irgendwelche Zocker und/oder ideenlose Verwaltungskoryphäen, deren Karriere augenscheinlich nur durch eloquentes Meeting- oder Jour-Fix-Gesabbel und Protektion erwirkt wurde. Wann werden in der „sozialen Marktwirtschaft“ neben dem Gewinn, die Kennzahlen Wertschöpfung und Arbeitsplatzanzahl herangezogen? Wann führen kriminelle Handlungen auch in der Deutschen Bank zur Bestrafung (Haft, Strafzahlungen und Schadenersatz) der Top-Manager? Für das ideenlose Ankündigen von Stellenabbau und Phrasen in Fußballersprache benötigt man diese Manager nicht. Ach, Herr Achleitner. Führende Nullen haben keinen Wert. Gehen Sie! Entsorgen Sie sich selbst!
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