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18. Februar 2013, 10:50 Uhr

Libor-Affäre

Deutsche Bank prüft Klagen gegen Skandalhändler

Die Deutsche Bank zahlte Millionenboni an Skandalhändler - nun könnte sie einen Teil des Geldes zurückfordern. Einem Sprecher zufolge prüft das Institut rechtliche Schritte. Im Fokus dürfte der einstige Topverdiener Christian Bittar stehen.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank holt sich im Skandal um manipulierte Zinssätze womöglich Millionen von ihren Ex-Händlern zurück. "Im Zuge unserer internen Untersuchung prüfen wir alle Optionen, um Maßnahmen gegen Personen zu ergreifen, wenn deren Fehlverhalten erwiesen ist. Dazu können auch rechtliche Schritte gehören", sagte ein Sprecher des Konzerns am Montag in Frankfurt.

Bank-Insider verweisen einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge jedoch auf mögliche Hürden: Die Verträge der betroffenen Händler seien "absolut marktüblich" gewesen. Die Bank habe das an Boni eingefroren, was sie mit arbeitsrechtlichen Mitteln einbehalten konnte.

Die Spitze des Eisbergs ist der Fall eines inzwischen gefeuerten Zinsspekulanten: 80 Millionen Euro Bonusansprüche häufte der Investmentbanker Christian Bittar einem "Stern"-Bericht zufolge für das Jahr 2008 an - ein Vielfaches von dem, was der damalige Bank-Chef Josef Ackermann verdiente.

Mittlerweile wird gegen Bittar wegen der Manipulation des Referenzzinses Libor ermittelt. Die Bank behielt daraufhin 40 Millionen Euro der Rekordsumme ein. Der französische Händler war 2011 von der Bank entlassen worden, mehrere Aufsichtsbehörden ermitteln gegen ihn. Die Deutsche Bank beteuert jedoch, dass sich bisher keine Anhaltspunkte ergeben hätten, wonach der Rekord-Bonus mit den möglichen Manipulationen zusammenhänge.

Die "London Interbank Offered Rate" (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe. Großbanken sollen den Libor über Jahre manipuliert haben, um höhere Gewinne einzustreichen. Bei der Deutschen Bank läuft in der Affäre eine interne Prüfung und eine Prüfung der Finanzaufsicht BaFin. Bisher hat die Bank im Zusammenhang mit den Tricksereien sieben Mitarbeiter entlassen oder suspendiert.

Doch selbst wenn die Bank mit den geplanten Klagen gegen die ehemaligen Mitarbeiter Erfolg hat, werde das die Gesamtkosten der Libor-Affäre nicht annähernd auffangen können, schreibt das "Handelsblatt". Mittelfristig drohe aus dem Zinsskandal ein Schaden von mehr als einer Milliarde Euro. So müsse das Frankfurter Geldhaus nicht nur mit hohen Geldstrafen der verschiedenen Aufsichtsbehörden rechnen, sondern auch mit Schadensersatzklagen von Kunden.

yes/Reuters

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