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20. März 2012, 11:14 Uhr

Agrarrohstoffe

Deutsche Bank drosselt Spekulation - ein bisschen

Es ist ein erster Schritt: Die Deutsche Bank will sich bei Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen künftig etwas zurückhalten. Allerdings vorerst nur in diesem Jahr. Verbraucherschützer werfen dem Institut vor, den weltweiten Hunger zu verschärfen.

Frankfurt am Main - Deutschlands größte Bank hat in ihrem "Corporate Responsibility Report" eine Überraschung parat: Sie kündigte an, im laufenden Jahr keine neuen, an der Börse gehandelten Anlageprodukte zu emittieren, die auf dem Handel mit landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Getreide oder auf Wetten auf die Preisentwicklung von Grundnahrungsmitteln basierten.

Die Deutsche Bank reagiert damit auf die Kritik von Verbraucherschützern. Die Organisation "Foodwatch" hatte ihr eine Mitschuld am weltweiten Hunger gegeben, weil Spekulation die Preise für Nahrungsmittel auch in armen Ländern nach oben treibe.

Einen vollständigen Ausstieg aus der Agrarspekulation lehnt die Deutsche Bank bisher ab. Die Entscheidung sei nur ein Zwischenstand der Analyse, die der scheidende Vorstandschef Josef Ackermann im Oktober angestoßen hatte. Ein finaler Bericht soll im Laufe des Jahres veröffentlicht werden.

"Mit Besorgnis verfolgt auch die Deutsche Bank, dass immer wieder Menschen unter Nahrungsmittelknappheit leiden müssen", hieß es in dem Zwischenbericht. Doch stritten sich die Experten, ob wirklich die Spekulanten Schuld an teureren Nahrungsmitteln hätten. "Unsere Analyse zeigt, dass die steigenden Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe vor allem Folge einer steigenden Nachfrage sind, mit der das Angebot nicht Schritt halten kann." Das wiederum liege am Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt, steigenden Einkommen und der Nutzung der Anbauflächen für Bio-Treibstoffe.

Die Deutsche Bank verteidigte grundsätzlich den Handel mit Derivaten auf Getreide und anderen Pflanzen für die Produktion von Nahrungsmitteln. Er ermögliche die Absicherung von Preisen und reduziere Preisschwankungen. Das schaffe auch Sicherheit für längerfristige Investitionen in Infrastruktur und Anbau-Technik. Die Bank unterstütze aber Bemühungen der größten 20 Industrie- und Schwellenländer, den Handel stärker zu regulieren und für mehr Transparenz am Markt zu sorgen.

Der Verbraucherorganisation Foodwatch gehen die Ankündigungen der Deutschen Bank nicht weit genug. "Die einzig verantwortungsvolle Entscheidung wäre ein vollständiger Ausstieg aus diesem Geschäft", teilte die Organisation mit. Die Deutsche Bank übernehme nur scheinbar Verantwortung. "Keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf Basis von Grundnahrungsmitteln": Das heiße im Umkehrschluss: Die bestehenden Produkte würden fortgeführt und verschärften weiterhin die Hungerkrise in der Welt.

Gleichzeitig lasse die Deutsche Bank offen, ob sie bestehende Fonds aufstocken oder neue spekulative Rohstoff-Produkte auflegen werde, die außerhalb der Börsen gehandelt werden. "Die Ankündigung ist noch nicht einmal halbherzig und offenbar eine reine PR-Wolke für die Hochglanzbroschüren."

ssu/Reuters

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