Agrarrohstoffe: Deutsche Bank drosselt Spekulation - ein bisschen

Es ist ein erster Schritt: Die Deutsche Bank will sich bei Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen künftig etwas zurückhalten. Allerdings vorerst nur in diesem Jahr. Verbraucherschützer werfen dem Institut vor, den weltweiten Hunger zu verschärfen.

Foodwatch-Report: Wie die Spekulanten die Preise treiben Fotos
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Frankfurt am Main - Deutschlands größte Bank hat in ihrem "Corporate Responsibility Report" eine Überraschung parat: Sie kündigte an, im laufenden Jahr keine neuen, an der Börse gehandelten Anlageprodukte zu emittieren, die auf dem Handel mit landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Getreide oder auf Wetten auf die Preisentwicklung von Grundnahrungsmitteln basierten.

Die Deutsche Bank reagiert damit auf die Kritik von Verbraucherschützern. Die Organisation "Foodwatch" hatte ihr eine Mitschuld am weltweiten Hunger gegeben, weil Spekulation die Preise für Nahrungsmittel auch in armen Ländern nach oben treibe.

Einen vollständigen Ausstieg aus der Agrarspekulation lehnt die Deutsche Bank bisher ab. Die Entscheidung sei nur ein Zwischenstand der Analyse, die der scheidende Vorstandschef Josef Ackermann im Oktober angestoßen hatte. Ein finaler Bericht soll im Laufe des Jahres veröffentlicht werden.

"Mit Besorgnis verfolgt auch die Deutsche Bank, dass immer wieder Menschen unter Nahrungsmittelknappheit leiden müssen", hieß es in dem Zwischenbericht. Doch stritten sich die Experten, ob wirklich die Spekulanten Schuld an teureren Nahrungsmitteln hätten. "Unsere Analyse zeigt, dass die steigenden Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe vor allem Folge einer steigenden Nachfrage sind, mit der das Angebot nicht Schritt halten kann." Das wiederum liege am Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt, steigenden Einkommen und der Nutzung der Anbauflächen für Bio-Treibstoffe.

Die Deutsche Bank verteidigte grundsätzlich den Handel mit Derivaten auf Getreide und anderen Pflanzen für die Produktion von Nahrungsmitteln. Er ermögliche die Absicherung von Preisen und reduziere Preisschwankungen. Das schaffe auch Sicherheit für längerfristige Investitionen in Infrastruktur und Anbau-Technik. Die Bank unterstütze aber Bemühungen der größten 20 Industrie- und Schwellenländer, den Handel stärker zu regulieren und für mehr Transparenz am Markt zu sorgen.

Der Verbraucherorganisation Foodwatch gehen die Ankündigungen der Deutschen Bank nicht weit genug. "Die einzig verantwortungsvolle Entscheidung wäre ein vollständiger Ausstieg aus diesem Geschäft", teilte die Organisation mit. Die Deutsche Bank übernehme nur scheinbar Verantwortung. "Keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf Basis von Grundnahrungsmitteln": Das heiße im Umkehrschluss: Die bestehenden Produkte würden fortgeführt und verschärften weiterhin die Hungerkrise in der Welt.

Gleichzeitig lasse die Deutsche Bank offen, ob sie bestehende Fonds aufstocken oder neue spekulative Rohstoff-Produkte auflegen werde, die außerhalb der Börsen gehandelt werden. "Die Ankündigung ist noch nicht einmal halbherzig und offenbar eine reine PR-Wolke für die Hochglanzbroschüren."

ssu/Reuters

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1. Jetzt mal ernsthaft,
vhe 20.03.2012
an welcher Stelle handelt die DB mit Lebensmitteln? Ich kenn nur die ETFs ein bisschen und da ist nix dabei. Bei den normalen Fonds hab ich zwar 2 gefunden, die mit Futures handeln, aber solange die DWS die Waren am Ende nicht entgegennimmt, gibt's auch keine Lebensmittelverknappung.
2.
stfns 20.03.2012
Banken spekulieren auch selbst, ohne dafür gleich Publikumsfonds zu errichten. Die Nahrungsmittel werden natürlich nicht physik verknappt sondern durch den Preismechanismus zurückgehalten. Ich halt's für Sinnlos der DB hier Handschellen anzulegen. Was sie nicht tun, tun dann Wert und Morallose Banken wie Goldman, JP, etc.
3. nö
Sternenzähler 20.03.2012
""Unsere Analyse zeigt, dass die steigenden Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe vor allem Folge einer steigenden Nachfrage sind, mit der das Angebot nicht Schritt halten kann." Das wiederum liege am Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt [...]" Das ist falsch. Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt ja, allerdings muss man sich auch erstmal anschaun, was in der Dritten Welt konsumiert wird, und was in den Industrieländern konsumiert wird. Zum Vergleich nach Daten der FAO 2007: In Deutschland 2.6 kg Nahrung pro Tag/Person in Eritrea 619 Gramm/Tag/Person. Theoretisch wären die produzierten Lebensmittel mehr als ausreichend, um die momentane Erdbevölkerung zu ernähren. Das Problem ist nur die ungleiche Verteilung, der zu-viel-Konsum in Industrieländern und die Tatsache, dass ein guter Teil der produzierten Nahrungsmittel weggeschmissen wird.
4. Lebensmittelspekulation = Tod
inver 20.03.2012
Zitat von stfnsBanken spekulieren auch selbst, ohne dafür gleich Publikumsfonds zu errichten. Die Nahrungsmittel werden natürlich nicht physik verknappt sondern durch den Preismechanismus zurückgehalten. Ich halt's für Sinnlos der DB hier Handschellen anzulegen. Was sie nicht tun, tun dann Wert und Morallose Banken wie Goldman, JP, etc.
Bei Lebensmittelspekulationen geht es um das Sterben unschuldiger Menschen. Es ist ein absoluter unhaltbarer Zustand, wenn die westliche Zivilisation Institutionen hervorbringt, die Hunger, Elend und Tod in anderen Gegenden der Welt verantworten. Völlig sarkastisch ist das Argument, dass es noch andere, unmoralischere Institutionen (Goldman & Sachs, J.P. Morgan) gibt. Verwerfliches Verhalten mit dem noch schlimmeren Vorgehen von anderen zu legitimieren, entspricht weder der Logik, noch einer durch Vernunft geprägten Einstellung. Jeder verhungerte Mensch ist einer zuviel! Ich verlange von den Deutschen Banken, dass sie sofort mit jeglicher Lebensmittelspekulation aufhören. Das Argument, dass andere Gründe außerhalb der Spekulationen für die Verteuerung der Lebensmittel ursächlich sind, ist längst widerlegt: Lebensmittel Spekulation eindämmen Mr.Dax - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=Kvb-r0qGpbg)
5.
cruxxx 20.03.2012
Zitat von inverBei Lebensmittelspekulationen geht es um das Sterben unschuldiger Menschen. Es ist ein absoluter unhaltbarer Zustand, wenn die westliche Zivilisation Institutionen hervorbringt, die Hunger, Elend und Tod in anderen Gegenden der Welt verantworten. Völlig sarkastisch ist das Argument, dass es noch andere, unmoralischere Institutionen (Goldman & Sachs, J.P. Morgan) gibt. Verwerfliches Verhalten mit dem noch schlimmeren Vorgehen von anderen zu legitimieren, entspricht weder der Logik, noch einer durch Vernunft geprägten Einstellung. Jeder verhungerte Mensch ist einer zuviel! Ich verlange von den Deutschen Banken, dass sie sofort mit jeglicher Lebensmittelspekulation aufhören. Das Argument, dass andere Gründe außerhalb der Spekulationen für die Verteuerung der Lebensmittel ursächlich sind, ist längst widerlegt: Lebensmittel Spekulation eindämmen Mr.Dax - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=Kvb-r0qGpbg)
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