Kapitalerhöhung Scheich von Katar steigt bei Deutscher Bank ein

Die Deutsche Bank will acht Milliarden Euro bei Investoren einsammeln, um sich gegen Krisen zu wappnen. Ein Großteil des Geldes soll vom Herrscherhaus des Emirats Katar kommen. Ein Scheich würde damit zum größten Aktionär des Geldkonzerns werden.

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Deutsche Bank in Frankfurt: Neues Kapital aus Katar
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Deutsche Bank in Frankfurt: Neues Kapital aus Katar


Hamburg - Die Deutsche Bank will mit der Ausgabe neuer Aktien rund acht Milliarden Euro von Investoren einsammeln. Das beschloss der Aufsichtsrat am Sonntagabend. Die Deutsche Bank soll mit dem neuen Geld krisenfester werden. Gelingt die Aktion, wäre es die zweitgrößte Kapitalerhöhung in der Geschichte des Konzerns.

Eine kleine Revolution ist dabei der bevorstehende Einstieg des Herrscherhauses von Katar. Scheich Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani soll über seine Investmentfirma Paramount Services 30 Millionen Deutsche-Bank-Aktien erhalten und wäre mit rund fünf Prozent der Anteile größter Einzelaktionär der Bank. Das Privatvermögen des Scheichs wird auf 70 Milliarden Dollar geschätzt.

In einer zweiten Stufe sollen bis zu 300 Millionen weitere Aktien an Investoren ausgegeben werden. Mehrere Banken stehen dafür gerade, dass dies auch gelingt. Auch hier könnte der Scheich aus Katar zugreifen und seinen Anteil an der Bank weiter erhöhen. Bis Mitte Juni soll die Aktion abgeschlossen sein.

Mit der überraschend schnellen Kapitalerhöhung reagiert die Deutsche Bank auf den zunehmenden Druck an den Finanzmärkten. Viele Analysten halten die Bank bisher für zu schwach kapitalisiert. Zuletzt lag das Eigenkapital bei 9,5 Prozent der risikogewichteten Vermögenswerte, also der vergebenen Kredite und Wertpapiere in der Bilanz. Mit dem frischen Kapital soll die Quote auf 11,8 Prozent steigen. Damit stünde die Deutsche Bank im Vergleich zu ihren Konkurrenten wieder gut da.

Investoren verlangen höhere Eigenkapitalquoten

Neues Eigenkapital können sich Banken auf zwei Wegen besorgen. Entweder geben sie neue Aktien an die Investoren aus oder sie behalten Gewinne ein. Die Deutsche Bank verfolgt eine Mischung aus beiden Wegen. In den Jahren 2010 und 2013 hatte sie bereits zwei Kapitalerhöhungen durchgeführt.

Wie wichtig ausreichendes Eigenkapital ist, hatte zuletzt die Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 gezeigt, als das Kapital vieler Banken innerhalb kürzester Zeit zusammenschmolz. Einige von ihnen mussten daraufhin von den Steuerzahlern gerettet werden. Die Deutsche Bank kam damals ohne direkte Staatshilfen aus.

Seit der Krise sind die Anforderungen an die Banken deutlich gestiegen. Nicht nur die Regulatoren, auch die Investoren verlangen deutlich höhere Eigenkapitalquoten. Auch bei den Stresstests, die die Europäische Zentralbank in diesem Sommer und Herbst durchführen will, geht es um die Frage, ob die großen europäischen Finanzinstitute im Krisenfall noch über ausreichend Kapital verfügen.

Kritiker, wie der Chef des Bonner Max-Planck-Instituts, Martin Hellwig, halten auch die neuen Eigenkapitalanforderungen der Regulierungsbehörden für unzureichend und fordern weitaus schärfe Vorgaben. Nur so könne wirklich sichergestellt werden, dass im Krisenfall nicht wieder die Steuerzahler für die Rettung der Banken aufkommen müssen.



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wiedumirsoichdir 18.05.2014
1. Aufgabe
der Eigenständigkeit. Fremdbestimmt! Nicht mehr Herr im eigenen Haus. Wie das gut gehen kann??
Sergjey 18.05.2014
2. Geld verdienen ...
Kann ein so renommiertes Finanzinstitut wie die Deutsche Bank das Geld, das sie für eine Kapitalerhöhung haben möchte, nicht einfach durch seriöse Bankgeschäfte selber verdienen ?
daldner 18.05.2014
3. dann geht der Mittelständler demnächst
für den Scheich anschaffen... Apropos: 70 Milliarden - was ist mit Bill Gates, Buffet uns Konsorten?
mtubach 18.05.2014
4. Für mich passt das
Da ich mir persönlich gar nicht weiß, wen ich mehr verachte, Investmentbanken oder Feudalstaaten, passen die beiden für mich perfekt zusammen. Sie teilen ja auch viele Werte. Kompliment DEUTSCHE Bank.
TS_Alien 18.05.2014
5.
Das sind Scheinkapitalerhöhungen mit begrenzter Wirkung, sowohl zeitlich als auch finanziell. Denn durch die Ausgabe so vieler neuer Aktien werden auch die Dividendenbelastungen Jahr für Jahr höher. Und für die Altaktionäre verwässern sich ihre Anteile am Konzern. Was waren das für solide Zeiten, als Aktien noch Nennwerte hatten.
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