Bilanz 2016 Deutsche Bank schreibt 1,4 Milliarden Euro Verlust

Die Deutsche Bank kann sich zumindest finanziell etwas aufrappeln. Das Institut hat seinen Verlust im vergangenen Jahr auf 1,4 Milliarden Euro geschrumpft. Noch kämpft der Konzern jedoch mit seiner Sinnkrise.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan
AP

Deutsche-Bank-Chef John Cryan


Die Deutsche Bank hat das Geschäftsjahr 2016 mit einem Milliardenverlust abgeschlossen: Das Minus belief sich auf rund 1,4 Milliarden Euro, wie das größte deutsche Kreditinstitut am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. 2015 war wegen des laufenden Konzernumbaus noch ein Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro aufgelaufen. Rechtsstreitigkeiten und der Umbau des Geldhauses bremsen den Konzern weiterhin.

Trotz der besseren Ergebnisse im vergangenen Jahr enttäuschte Deutschlands größtes Geldhaus die Analysten. Sie hatten lediglich mit einem Verlust von 668 Millionen Euro gerechnet. Hauptgrund für den neuerlichen Fehlbetrag ist der milliardenschwere Hypothekenvergleich in den USA. Vor Steuern belief sich das Minus auf 0,8 Milliarden Euro.

"Unsere Ergebnisse des Jahres 2016 spiegeln sowohl den konsequenten Umbau der Bank als auch die Marktturbulenzen rund um unser Haus wider", sagte Konzernchef John Cryan zu den Jahreszahlen. Er verwies auf die gute Kapital- und Liquiditätslage des Konzerns. Die Deutsche Bank wies für das vergangene Jahr eine Kernkapitalquote von 11,9 Prozent aus - die höchste seit zwölf Quartalen. Die Quote ist eine der wichtigsten Kennziffern in der Bankenwelt. Sie zeigt, inwiefern Risikopositionen durch eigene Mittel gedeckt sind - wie gut ein Geldhaus demnach Verluste verkraften kann.

So positiv, wie Cryans Worte klingen - der Bankchef hat ein Horrorjahr hinter sich. Ende September war der Aktienkurs des Instituts auf den tiefsten Stand der Firmengeschichte gefallen. Es kursierten sogar bereits Gerüchte über eine mögliche Pleite des Hauses an den Finanzmärkten. Seither hat sich die Lage entspannt. Nun steht vor dem Bankchef eine noch gewaltigere Aufgabe: Cryan muss dem Geldhaus einen neuen Sinn geben.

Die Erträge im Gesamtjahr fielen mit 30 Milliarden Euro allerdings zehn Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Grund dafür waren der schwierige Markt für Banken vor allem durch die anhaltend niedrigen Zinsen und der Umbau des Instituts. Die bereinigten Kosten konnte das Unternehmen jedoch im Vergleich nur um sechs Prozent auf 24,7 Milliarden Euro senken. Bis 2018 will Bankchef Cryan die Summe unter 22 Milliarden Euro drücken.

Rechtskosten drücken das Ergebnis

Die jüngsten Einigungen bei wichtigen Rechtsstreitigkeiten spiegeln sich bereits im Ergebnis des vierten Quartals und drückten es vor Steuern um 1,6 Milliarden Euro. Bankchef Cryan hatte zuletzt mit rechtlichen Altlasten aufgeräumt. Mitte Januar schloss die Deutsche Bank einen Vergleich mit dem US-Justizministerium und legte damit den jahrelang schwelenden Skandal um dubiose Hypothekengeschäfte bei. 3,1 Milliarden Dollar Bußgeld muss die Bank zahlen. Hinzu kommen Entschädigungen für US-Kunden im Volumen von 4,1 Milliarden Dollar, die über die kommenden fünf Jahre verteilt werden.

Darüber hinaus erreichte das Unternehmen eine teilweise Einigung mit den Aufsichtsbehörden in der russischen Geldwäscheaffäre. Mehr als 600 Millionen Dollar kostet die Bank der Deal mit zwei Behörden in den USA und Großbritannien. Das US-Justizministerium ermittelt allerdings noch gegen den Konzern.

Mitarbeiter müssen leiden

Die Krise der Deutschen Bank bekommen die Mitarbeiter im eigenen Geldbeutel zu spüren. Der Konzern senkte die Ausgaben für Gehälter und Boni im vergangenen Jahr um 1,1 Milliarden auf 11,7 Milliarden Euro. Der Rückgang sei vor allem auf rückläufige leistungsabhängige Zahlungen zurückzuführen.

Bereits Mitte Januar hatte die Bank erklärt, dass für 2016 neben dem Vorstand auch die übrige obere und mittlere Führungsebene auf Leistungszulagen verzichten müssen. Die Mitarbeiterzahl sank im vergangenen Jahr - trotz der Ankündigung eines großen Arbeitsplatzabbaus - nur leicht. Die Zahl der Vollzeitstellen ging um 1360 auf 99.744 zurück.

kig/AFP/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hefe21 02.02.2017
1. Verlustierungen
Was die "Händler" dort über die Jahre "verdient" haben, das ist der staunenden Öffentlichkeit ja inzwischen zumindest ansatzweise gewahr geworden. Aber was verdient eigentlich einer der jüngst meistbeschäftigten Mitarbeiter der Bank, der "Verlustschreiber"? Bemisst sich sein Gehalt an der Höhe desselben, in logischer Fortsetzung der Händlerentlohnungen, die sich ja auch generös an der Höhe der (Luft)gewinne orientiert haben.
kado18 02.02.2017
2. Verdient ?
Zitat von hefe21Was die "Händler" dort über die Jahre "verdient" haben, das ist der staunenden Öffentlichkeit ja inzwischen zumindest ansatzweise gewahr geworden. Aber was verdient eigentlich einer der jüngst meistbeschäftigten Mitarbeiter der Bank, der "Verlustschreiber"? Bemisst sich sein Gehalt an der Höhe desselben, in logischer Fortsetzung der Händlerentlohnungen, die sich ja auch generös an der Höhe der (Luft)gewinne orientiert haben.
Mit fremden, unserem Geld spekuliert, wenn man US-Vergleichen in diesen Grössenordnungen zustimmt, ist es doch so gut wie sicher das nicht alles völlig legal abgelaufen ist ? Für diese „gute Arbeit“ bekommen einige Mill-Bonie. Gewinne werden privatisiert, Verluste solidarisiert, zahlen zumindest weniger Steuern. Zählt das auch zu den sog. westlichen Werten? Mit 8 Prozent garantierten Zinsen lockte man mich einmal in diese Bank, habe sie sofort verlassen, als diese weggefallen sind und das war richtig ! Verstehen jetzt viele Ackermanns Worte peanuts?
marty_gi 02.02.2017
3. Minimierung
So ein Schlipstraeger wie Cryan wird danach bezahlt, wie weit er den Verlust minimiert hat. Das war schon oefter mal das Modell im Investmentbanking, die Boni nach den nicht gemachten Verlusten zu berechnen. Aber immer weiter fleissig "serioes" aussehen wollen - ist halt eine Branche, in der es nur um die Verpackung geht. Alles Lug und Trug.
Worldwatch 02.02.2017
4. Die Firmierung ist falsch
Deutsche Zockerbank träfe es wohl richtiger. Nur trifft dies, zunehmend, auf Deutsche Banken zu. Für Bürger und KMU sollten daher klare Finanzinstitut-bezeichnungen Pflicht werden. Klare Firmierung als ?Brot- und Butterbank? oder ?Spielbank? hülfe Risiken für vorbezeichnete zu minimieren.
arrogist 02.02.2017
5. Haftung von Ackermann?
Wenn ich das richtig sehe, dann stammen diese ganzen Probleme doch aus dessen Amtszeit - wie wäre es, ihm mal die sicher fette Pension zu kürzen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.