Rekordverlust Deutsche Bank streicht 9000 Arbeitsplätze

Job-Kahlschlag bei der Deutschen Bank: Das Institut will 9000 Arbeitsplätze im Konzern abbauen, 6000 weitere sollen bei externen Dienstleistern wegfallen. Im dritten Quartal hatte die Bank einen Rekordverlust verbucht.


Die Deutsche Bank streicht netto rund 9000 Arbeitsplätze, davon etwa 4000 in Deutschland. Darüber hinaus wird der Umbau der Bank unter dem Schlagwort "Strategie 2020" zum Abbau von weiteren 6000 Stellen bei externen Dienstleistern führen, teilte der Dax-Konzern am Donnerstag mit.

Einschließlich dem Verkauf von Beteiligungen in den nächsten zwei Jahren wie dem bereits beschlossenen Verkauf der Postbank wird die Deutsche Bank ihren Mitarbeiterstamm von zuletzt etwa 103.000 auf 77.000 Vollzeitkräfte verringern. Die Zahl der Filialen wird bis 2017 um etwa 200 reduziert, sagte Privatkundenchef Christian Sewing. Dabei würden vor allem Filialen in Großstädten geschlossen, in der Fläche wolle die Deutsche Bank präsent bleiben.

Schrumpfen wird die Bank auch ihre internationale Präsenz: Sie zieht sich aus zehn Ländern vollständig zurück, darunter Argentinien, Chile, Mexiko und Dänemark. Der Sparkurs soll die Kosten um brutto rund 3,8 Milliarden Euro drücken. Die Kosten für den Umbau inklusive Abfindungen bezifferte das Geldhaus auf rund 3,0 Milliarden bis 3,5 Milliarden Euro.

Das Minus im dritten Quartal ist für die Deutsche Bank ein klein wenig niedriger ausgefallen als befürchtet. Dennoch spricht Co-Chef John Cryan von einem "absolut enttäuschenden Ergebnis": Unter dem Strich hat das Unternehmen einen Verlust von sechs Milliarden Euro erlitten. Das ist der größte Verlust, den das Kreditinstitut jemals in einem Dreimonatszeitraum ausgewiesen hat.

Insider: Vergleich über 200 Millionen Dollar in Kürze

Das Institut hat angekündigt, in diesem und im kommenden Jahr zum ersten Mal seit Jahrzehnten keine Dividende auszuschütten. Anleger reagierten mit Aktienverkäufen auf die Ankündigung. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank Chart zeigen verloren am Donnerstag zeitweise um knapp sieben Prozent, am späten Vormittag lagen sie noch mit mehr als fünf Prozent im Minus.

Grund für den Rekordverlust sind vor allem riesige Wertberichtigungen in der Bilanz. Allein auf den Geschäfts- und Firmenwert im Privatkundengeschäft sowie im Investmentbanking schrieb der Konzern im dritten Quartal rund 5,8 Milliarden Euro ab.

Hinzu kamen neue Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten, im Zeitraum vom Juni bis September war es erneut eine Milliarde Euro. Insgesamt hat die Deutsche Bank nun 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt, um die zahlreichen juristischen Altlasten aufgrund der vielen Skandale aufzuarbeiten. An diesem Donnerstag berichtet die "New York Times" unter Berufung auf Insider etwa von einer möglichen Zahlung des Kreditinstituts in den USA von rund 200 Millionen Dollar wegen Verstößen gegen die Iransanktionen. "Wir wollen ein integrer und verlässlicher Partner für unsere Kunden und für die Gesellschaft sein", sagte Cryan am Donnerstag.

Die Deutsche Bank hatte bereits vor drei Wochen einen Verlust in der nun mitgeteilten Größenordnung angekündigt, damals hatte die Bank sogar mit einem rund 200 Millionen Euro höheren Fehlbetrag gerechnet. Vor einem Jahr hatte die Bank nach revidierten Zahlen 92 Millionen Verlust im dritten Quartal erzielt.

Die neu geordnete Führung der Bank reagiert mit Sparen: Für die Jahre 2015 und 2016 müssen die Anteilseigner auf eine Gewinnausschüttung verzichten, wie die Deutsche Bank am Mittwochabend bekannt gab. Bereits im April hatte das Institut bekannt gegeben, sich von der Postbank zu trennen. Co-Chef Cryan will im Laufe des Tages weitere Pläne für den Umbau der Bank, der "Strategie 2020", vorlegen. Vor allem wird darüber hinaus das Investmentbanking schrumpfen. Die Bank hat bereits beschlossen, dass die Sparte künftig in zwei Teile getrennt wird.

fdi/Reuters/dpa



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insgesamt 116 Beiträge
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Seite 1
johannesmapro 29.10.2015
1. Schmalenbach
Man muß das unter dem Begriff der Totalbilanz nach Schmalenbach lesen, eigentlich sind diese Verluste aus schon lange abgeschlossenen Geschäftsjahren, treten aber jetzt erst auf, weil die zwischen Bilanzen sozusagen an dieser Stelle nicht korrekt waren. In der Totalbilanz 2000 bis 2015 ändert sich nichts nur der Tag des Ausweis ist seltsam gewählt. Natürlich vom neuen Chef richtig. Für die Zukunft sind dann auch potenziale für Verluste abgearbeitet.
suelzer 29.10.2015
2.
Das Management versaut es, kann nichts und die Angestellten werden es bezahlen. Mein Mitleid mit Bankangestellten hält sich jedoch in Grenzen. Ich bin eben kein Marxist, der an das Gute im Menschen glaubt. Ich bin nur ein einfacher alter Mann.
slime-knight 29.10.2015
3. Hmpf
Die Führungsebene verbockt's, und die "kleinen" Angestellten dürfen's ausbaden.
larry_lustig 29.10.2015
4. Die Fehler der Manager
müssen die Angestellten wieder ausbaden. ..
Ruhri1972 29.10.2015
5.
Weshalb werden die gezahlten Boni an die Ex-Vorstaende nicht zurück verlangt ? Jetzt muss der Preis für die damals ausgewiesenen Renditen gezahlt werden. Nachhaltige Arbeit geht anders.
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