Rekordstrafe für Deutsche Bank Mehr als peinlich

Amerikanische und britische Aufsichtsbehörden bestrafen die Deutsche Bank hart, weil sie die Aufarbeitung des Libor-Skandals erheblich behindert haben soll. Das fällt auch auf Co-Chef Jain zurück - der ausgerechnet das Investmentbanking wieder forciert.

Deutsche-Bank-Chef Jain: "Kein Vorstandsmitglied beteiligt"
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Deutsche-Bank-Chef Jain: "Kein Vorstandsmitglied beteiligt"

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Heute wirkt es wie eine Vorahnung: "Das Thema macht mich am meisten krank", sagte Anshu Jain vor zwei Jahren bei einer Veranstaltung mit Top-Managern im Taunus. Er bezog sich auf den Skandal um die Manipulation von Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor. Und spätestens jetzt ist klar, was der Deutsche-Bank-Chef damals meinte.

2,5 Milliarden Dollar muss die Deutsche Bank in der Affäre zahlen. Diese Rekordstrafe verhängten am Donnerstag mehrere amerikanische Behörden und die britische Finanzaufsicht FCA. Die Kritik fiel heftig aus: "Über Jahre haben Mitarbeiter der Deutschen Bank rund um den Globus illegal Zinssätze manipuliert", teilte das US-Justizministerium mit.

Noch deutlicher wurde Georgina Philippou von der FCA: "Eine Abteilung der Deutschen Bank pflegte eine Kultur, Gewinne zu machen, ohne dabei auf die Integrität des Marktes zu achten", ließ die Aufseherin mitteilen. "Das war nicht auf ein paar Einzelne beschränkt, sondern schien in einigen Bereichen tief verwurzelt zu sein." (Hier die Pressemitteilung im Original.)

Es ist die bisher härteste Strafe für die Deutsche Bank - wenngleich nicht die erste. Bereits Ende 2013 verhängte die EU-Kommission in der Zinsaffäre Kartellbußen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken. Mit 725 Millionen Euro war die Deutsche Bank auch damals Höchstzahler. Hinzu kommen weitere Vergleiche, etwa wegen windigen Hypothekengeschäften in den USA. Zudem laufen Ermittlungen zu angeblichen Devisenmanipulationen.

Die meisten dieser selbstgemachten Probleme wurzeln im Investmentbanking - der Sparte des Konzerns, für die Jain jahrelang verantwortlich war.

Die Bank soll die Aufarbeitung verzögert haben

Bei der aktuellen Strafe geht es um mögliche Manipulationen von wichtigen Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor. Von der Höhe dieser Sätze hängen weltweit Geschäfte von mehreren hundert Billionen Dollar ab. Auch in Deutschland werden Kreditzinsen teilweise auf Basis dieser Referenzsätze berechnet.

Nach Erkenntnissen der Behörden sollen sich Händler verschiedener Banken abgesprochen haben, um die Sätze zu ihren Gunsten zu manipulieren. Die Ermittler zitierten genüsslich aus belastenden E-Mails und Chatprotokollen

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Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation
Die Aufsichtsbehörden ermitteln seit Jahren gegen mehrere Großbanken. Die weltweit verhängten Strafen summieren sich auf mehr als acht Milliarden Euro. Auf die Deutsche Bank entfällt gut ein Drittel dieser Summe.

Dafür gibt es Gründe: Zum einen hat es die Bank versäumt, sich bei den Aufsichtsbehörden rechtzeitig als Kronzeuge anzubieten. Zum anderen werfen die Ermittler der Bank unkooperatives Verhalten bei der Aufarbeitung des Skandals vor.

"Die Fehler der Deutschen Bank wurden dadurch verschlimmert, dass sie uns wiederholt irregeführt haben", teilte Aufseherin Philippou mit. Die Bank habe viel zu lange gebraucht, um entscheidende Dokumente zu liefern und Fehler in den eigenen Kontrollsystemen zu reparieren.

So habe man etwa einen Bericht der deutschen Finanzaufsicht BaFin zurückgehalten und ein falsches Gutachten über die angeblich funktionierenden internen Kontrollsysteme der Bank vorgelegt. Einmal habe die Bank sogar 482 Aufnahmen von Telefongesprächen gelöscht, die sie eigentlich hätte aufbewahren müssen.

Jain könnte seinen Vertrauten opfern

All das ist für die heutige Führung der Bank um Jain und seinen Co-Chef Jürgen Fitschen mehr als peinlich. Die untersuchten Fälle betreffen zwar die Jahre 2005 bis 2011, als beide noch nicht an der Vorstandsspitze standen. Doch der Vorwurf der mangelhaften Aufarbeitung trifft sie direkt - besonders, weil sich die Chefs seit ihrem Amtsantritt einen Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben haben.

So bemüht sich die Bank denn auch, die amtierenden Vorstände aus der Schusslinie zu nehmen. "Es wurde festgestellt, dass kein gegenwärtiges oder ehemaliges Vorstandsmitglied Kenntnis über das Fehlverhalten im Handelsbereich hatte oder daran beteiligt war", teilte das Institut mit und betonte, dass man die die eigenen Kontrollsysteme inzwischen "signifikant verstärkt" habe.

Auch wenn Jain in diesem Fall nicht persönlich von den Aufsichtsbehörden belastet wird - einen seiner Vertrauten könnte es noch erwischen: Laut einem Bericht des manager magazins könnte sich die Bank auf Drängen der Behörden von Alan Cloete trennen. Der Südafrikaner leitete bis 2012 den Handel mit Zinsprodukten und Devisen und wurde mittlerweile von Jain in den erweiterten Vorstand des Konzerns befördert, wo er für das Asien-Geschäft verantwortlich ist. Schon im Zwischenbericht der deutschen Finanzaufsicht BaFin im Jahr 2013 wurden Cloete zahlreiche Versäumnisse im Zusammenhang mit der Zinsaffäre vorgeworfen. Gehen musste er damals jedoch nicht.

Nun könnte Jain ihn womöglich opfern. Denn diese Woche geht es für den Co-Chef der Bank um viel: Er braucht die Unterstützung des Aufsichtsrats, um den geplanten Umbau der Bank durchzuziehen. Schon an diesem Freitag soll das Kontrollgremium des Konzerns über die künftige Strategie der Bank entscheiden. Wie es aussieht, wollen Jain und seine Kollegen die Postbank und womöglich noch weitere Teile des Privatkundengeschäfts loswerden. Die Deutsche Bank würde sich dann wieder stärker auf die Sparte verlassen, die sie in den vergangenen Jahren viel Ansehen und Geld gekostet hat: das Investmentbanking.

Zusammengefasst: Die Deutsche Bank muss im Skandal um Zinsmanipulationen eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Die Summe fällt auch deswegen so hoch aus, weil die Behörden der Bank vorwerfen, bei der Aufarbeitung der Affäre unkooperativ gewesen zu sein. Die britische Finanzaufsicht FCA spricht sogar von "Irreführung". Für die aktuelle Führung um Anshu Jain und Jürgen Fitschen ist das mehr als peinlich. Sie wollen den Konzern umbauen, und sind dabei auf das Vertrauen des Aufsichtsrats angewiesen.

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insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
h.hass 23.04.2015
1.
Solche Strafen sind unseren Bankstern doch völlig egal. Man wird auch in Zukunft ein paar Boni-Milliarden aus der Firma raussaugen können, soviel steht fest. Das garantiert der Investmentfritze an der Unternehmensspitze. Einmal Investment-Banker, immer Investment-Banker. Für diese Leute zählt einzg und allein die Boni-Maximierung. Dafür geht man über Leichen.
pevoraal 23.04.2015
2. Eine einzige Frage
warum ist diesem Unternehmen nicht eine Weiterfuehrung des Betriebes untersagt worden und warum wurde in Deutschland der geschaeftsfuehrende Vorstand nicht vor Gericht gestellt? Kann es an den ausserordentlich guten Beziehungen zu unserer Politik liegen? Der Buerger Europas muss sich langsam fragen ob es diesen rechtsfreien Raum fuer auserwaehlte Reiche und Unternehmen wirklich wuenscht.
maxicojones de los porcos 23.04.2015
3. Das ist nicht alles: im amerikanischen Streßtest hat die Bank auch versagt
Die amerikanischen Behörden werfen der Bank undurchsichtiges Risikomanagement vor. Die Derivatgeschäfte der Bank belaufen sich auf über 70 Trillionen Doller - mehr als bei jeder anderen Bank der Welt, mehr als J.P. Morgan. Angeblich will jetzt DB das alltägliche Kreditgeschäft abstoßen und das Investmentgeschäft auch noch forcieren - logischerweise an den Standorten London und New York. Die Ausfälle muß Deutschland dennoch womöglich am Ende tragen. Ist so eine Bank für Deutschland noch tragbar? Weiß die Bundesregierung, wen sie sich mit Jain und Fitschen bei ihren Beratungen da täglich ins Boot holt?
polyphon 23.04.2015
4. Final beschädigt
Im AR geht es nur nachrangig um die Postbank, sondern um Jains Zukunft. Er wird bald nicht mehr zu halten sein, wenn die Deutsche Bank nicht aus den Schlagzeilen kommt. Diese Clique hat der Bank schweren Schaden zugefügt. Dass Telefonate gelöscht wurden, stärkt nicht gerade das Vertrauen, dass er nichts davon wusste.
filimou 23.04.2015
5. Überall wo es im Bankensektor kriminell
zuging, war und die die Deutsche Bank dabei. Wann kommen die Bosse, die die Verantwortung tragen und das Geld der Eigentümer, also der Aktionäre, vernichten. Statt dessen wird von shareholder value gefaselt. Ich habe vor 30 Jahre für 80 DM Aktien der Deutschen Bank gekauft - und wo steht der Kurs heute. Es ist skandalös, insbesondere nachdem sich die Bosse über all die Jahre hinweg zig Millionen als Boni in die schmutzigen Taschen gestopft haben. Boni? Wofür eigentlich? Zum Teufel mit dieser sog. Bank!
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