Südostasien: Deutsche Bank soll Landraub unterstützt haben

Wie ernst meint es die Deutsche Bank wirklich mit ihrem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit? Das Kreditinstitut hat einen kambodschanischen Konzern unterstützt, der nach SPIEGEL-Informationen Landraub und Umweltzerstörung in Südostasien betreibt.

Deutsche Bank Zentrale: verdächtige Verbindungen nach Laos und Kambodscha Zur Großansicht
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Deutsche Bank Zentrale: verdächtige Verbindungen nach Laos und Kambodscha

Frankfurt - Die Deutsche Bank gerät wegen ihrer Verbindungen zu dem vietnamesischen Konzern Hoang Anh Gia Lai (Hagl) unter Druck, der in Südostasien mit zweifelhaften Mitteln Landrechte erwirbt und Kautschuk anbaut. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS ist an Hagl beteiligt. Die Bank selbst hat den Konzern, der 2011 als erstes vietnamesisches Unternehmen an die Londoner Börse ging, bei mehreren Kapitalmarkttransaktionen unterstützt.

Einheimische Bauern in Laos werfen Hagl vor, sie ohne Vorwarnung und teils ohne Entschädigung von Ländereien vertrieben und ihre Hütten niedergebrannt zu haben. Nach Recherchen der Umweltorganisation Global Witness haben Hagl und ein weiterer vietnamesischer Konzern – die Vietnam Rubber Group, an deren Tochter die DWS ebenfalls beteiligt ist – beim Kautschuk-Anbau in Laos und Kambodscha gegen Umweltgesetze verstoßen und Menschenrechte verletzt. Die Konzerne sollen zudem Obergrenzen umgangen haben, die in diesen Ländern für den Erwerb von Landrechten gelten. Der SPIEGEL berichtet über die Vorwürfe in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Global Witness wirft der Deutschen Bank vor, die Unterstützung des Landraubs durch die Kautschuk-Konzerne passe nicht zu Standards für nachhaltiges Bankgeschäft, zu denen sich die Bank offiziell bekenne. "Wie kann die Deutsche Bank erwarten, dass ihre Kunden und Aktionäre glauben, was sie ihnen über Ethik und Nachhaltigkeit erzählt, wenn sie insgeheim solche Aktivitäten finanziert?", sagt Megan MacInnes von Global Witness gegenüber dem SPIEGEL. Die Deutsche Bank erklärt, eine intensive Prüfung durch den DWS habe "keine Hinweise auf eine Verletzung international akzeptierter Normen" ergeben. Hagl war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Neue Runde der
Benjowi 12.05.2013
Tja, die Variante fehlt wohl noch in der Geschichte dieser ehrenwerten Bank, die offensichtlich kein Rendezvous mit Staatsanwaltschaften, Aufsichtsbehörden oder wie in diesem Fall mit Umweltschutzorganisationen auslässt.
2. Ach,
frageum 12.05.2013
eher werde ich über Nachhaltigkeit gefördert durch die Deutsche Bank überrascht sein...
3. Die Deutsche Bank
verleihnichts 12.05.2013
ist die Spitze der unersättlichen Gier in Deutschland.
4. Hüben wie drüben
Stelzi 12.05.2013
Manch einer hier gefällt sich ja darin über die fürchterlichen schweizer Banken zu lästern und gleich noch die ganze Schweiz über denselben Kamm zu schären obwohl sie immer wieder daran erinnert werden wie die erste Bank am deutschen Platze ihrerseits draussen in der weiten Welt jeden moralischen Standard mit den lackbeschuhten Füßen tritt. Sollte man hier etwa auch die ganze Republik dafür verantwortlich machen oder doch nur die Bankster in ihren herrschaftlichen Glasspalästen? Man denke aber auf jeden Fall mal darüber nach was schwerer wiegt und kaum wieder gut zu machen ist: Beihilfe zum systematischen Steuerbezug von deutschen Bundesbürgern oder die globale, systematische Ausbeutung der Schwachen. Ich bin ja nicht so naiv zu glauben, dass nicht auch diverse schweizer Bankhäuser zu derlei Verhalten fähig seien. Aber erwischt hat man sie dabei ja noch nicht... Jede Bank scheint halt so ihr eigenes Verständnis vom "guten Geschäft" zu haben.
5. Unerträglich
ibanker 12.05.2013
Ist dieser Artikel und frei von Sorgfalt. Die DWS legt nicht das Geld der Bank, sondern das Geld Ihrer Kunden in deren Auftrag an. Nun würde ich vermuten, dass das Underlying hier ein DWS Produkt ist, welches einfach den Aktienindex in Vietnam 1:1 nachbaut. Jetzt kann man absolut dagegen sein, dass irgendjemand in einem Wirtschaftsraum mit möglicherweise dürftigen Gesetzen investiert. Die Schlagzeile "deutsche Bank unterstützt Landraub" ist aber wiedermal hart an der Grenze zur üblen Nachrede, wie die letzten gefühlten 1000 Artikel des Spiegel zu dem Institut. Muss aber wohl immer noch ziehen und Auflage (=Ertrag) bringen. Und da schließt sich dann auch der Kreis der Gier...
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