Sammelklage Deutsche Bank soll Schummelsoftware benutzt haben

Im Skandal um manipulierten Devisenhandel ist eine Sammelklage gegen die Deutsche Bank eingereicht worden. Nach SPIEGEL-Informationen soll sich das Geldinstitut systematisch zulasten seiner Kunden bereichert haben. Die US-Behörden ermitteln.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: US-Behörden ermitteln
DPA

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: US-Behörden ermitteln


Die Deutsche Bank soll in ihre elektronische Handelsplattform "Autobahn" für den Devisenhandel Schummelsoftware eingebaut und auch im Handel über andere Plattformen angewendet haben, um sich selbst zulasten ihrer Kunden zu bereichern.

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Heft 3/2016
Rechtsfreie Räume, hilflose Polizei - können wir uns noch sicher fühlen?

Diesen Vorwurf erhebt nach SPIEGEL-Informationen die amerikanische Kanzlei Hausfeld in einer Sammelklage, die sie kurz vor Weihnachten bei einem New Yorker Gericht eingereicht hat. Demnach habe die Deutsche Bank "Autobahn" so programmiert, dass sich die Ausführung von Kundenaufträgen unnötig verzögert. Diese Zeit habe sie genutzt, um Aufträge zurückzuweisen, wenn sich der Markt in eine für sie ungünstige Richtung entwickelte. In anderen Fällen habe sie Aufträge zu einem schlechteren als dem zuvor angezeigten Kurs ausgeführt. Die Deutsche Bank hat bei dem New Yorker Gericht beantragt, die Klage zurückzuweisen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Christopher Rother, Leiter des Deutschland-Büros bei Hausfeld, sieht eine Parallele zu dem Skandal um manipulierte Software bei VW. "Auch bei VW ist nicht die Motorsteuerungssoftware an sich illegal. Aber wenn sie missbraucht wird, um Werte zu manipulieren, dann ist das natürlich ein Problem", sagte Rother dem SPIEGEL. In ähnlicher Weise könnten auch Verzögerungsalgorithmen in Devisenhandelssoftware missbräuchlich eingesetzt werden. Die New Yorker Finanzaufsicht sowie die Börsenaufsicht SEC ermitteln in der Sache.

Rother kündigte an, auch Klagen in London einzureichen, dem größten Devisenhandelsplatz der Welt. In einer ersten Klage im Frühjahr soll es zunächst um den schon länger bekannten Vorwurf der Kartellbildung im Devisenhandel gehen, zu den Klägern gehören Banken, Unternehmen, Pensionsfonds und mehrere Zentralbanken. Noch im ersten Halbjahr will Hausfeld eine zweite Klage wegen des mutmaßlichen Betrugs durch Schummelsoftware anstrengen. Die Deutsche Bank weist die erhobenen Vorwürfe zurück.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
Reziprozität 15.01.2016
1. Oops
Das Implementieren von "Schummelsoftware" in die eigenen Produkte scheint der neue deutsche Exportschlager schlechthin zu sein. lol
vegeta73 15.01.2016
2. redliches Volk
VW dann die DB. Tief verwurzelt und organisiert. Lustig wenn auf andere gezeigt wird...
ü60 15.01.2016
3. Schummeln
kann man bei MauMau als Kind oder beim " gerechten" Teilen...hier ist es Betrug .
rudi_ralala 15.01.2016
4.
Kann so etwas noch überraschen in einer Welt, in der sogar kleine Lebensmittelhersteller die Kunden über's Ohr hauen?
gandhiforever 15.01.2016
5. Too big to fail
Nach "Too big to fail " bekommen wir "Too big for jail" serviert. Es wird Zeit, dass Bankster hinter schwedischen Gardinen landen.
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