Deutsche Bank in der Krise SPD-Wirtschaftsforum nennt Gabriels Schelte "grotesk"

Erst gab es Ärger von der Union, nun auch aus den eigenen Reihen: Sigmar Gabriel stößt mit seiner Attacke gegen die Deutsche Bank auf Widerspruch - sogar beim SPD-Wirtschaftsforum.

Sigmar Gabriel in Teheran
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Sigmar Gabriel in Teheran


Wie weit darf ein Wirtschaftsminister gehen? Seit Sigmar Gabriel am Wochenende die Deutsche Bank Chart zeigen scharf kritisiert hat, erntet er Empörung - zunächst bei den Koalitionspartnern aus CDU und CSU, und nun auch aus der eigenen Partei.

"Natürlich kann man sich berechtigte Sorgen um die Menschen und deren Arbeitsplätze machen", sagte Harald Christ, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des SPD-Wirtschaftsforums, SPIEGEL ONLINE. "Doch solche Äußerungen helfen den Beschäftigten nicht - im Gegenteil: Was die Bank jetzt braucht, ist Ruhe."

Gabriel hatte sich am Wochenende am Rande einer Iran-Reise zu den Turbulenzen bei der Deutschen Bank geäußert. "Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wütend sein soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt", so Gabriel. "Ich mache mir Sorgen um die Menschen, die bei der Deutschen Bank beschäftigt sind."

Die Deutsche Bank steckt seit Monaten in der Krise. In der vergangenen Woche hatte sich die Lage aber verschärft, nachdem öffentlich geworden war, dass einzelne amerikanische Hedgefonds ihr Geld von der Deutschen Bank abziehen. Vorstandschef John Cryan hatte deshalb davon gesprochen, dass Kräfte am Markt unterwegs seien, die das Vertrauen in das Institut schwächen wollten.

"Welche Interessen verfolgen diese Leute?"

Das sieht Christ ähnlich: "Es gibt seit Tagen gezielte Attacken gegen die Deutsche Bank - über Leerverkäufe und über öffentliche Stimmungsmache", sagte Christ. "Hier sollte man sich lieber fragen, wer dahintersteckt und welche Interessen diese Leute verfolgen." Dass Gabriel diese Situation nun mit dem Fehlverhalten der Bank in der Vergangenheit vergleiche, "ist völlig grotesk und bringt sicher keine Ruhe".

Christs Kritik an Gabriel ist heikel. Der Finanzmanager war selbst einmal als Wirtschaftsminister vorgesehen - im Schattenkabinett von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier im Bundestagswahlkampf 2009. Von 2013 bis zum Frühjahr 2016 war er Chef der Postbank Finanzberatung, die zum Deutsche-Bank-Konzern gehört. Seit Juli ist Christ Vertriebschef beim Versicherungskonzern Ergo.

Vor Christ hatten bereits mehrere Unionspolitiker Gabriel kritisiert. Der Obmann der Unionsfraktion im Finanzausschuss des Bundestags, Hans Michelbach, wies die Äußerungen des Wirtschaftsministers im "Handelsblatt" als "ziemlich kontraproduktiv" zurück. "Als deutscher Wirtschaftsminister hat man die Aufgabe, den deutschen Wirtschaftsstandort zu fördern und nicht einzelne Marktteilnehmer schlecht zu reden", sagte Michelbach.

"Auf die Bank draufzuhauen, während sie in einer Konsolidierungsphase steckt, ist nicht klug, das ist wohlfeil", kritisierte auch Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) in der "Passauer Neuen Presse" (PNP). Es gebe Dinge bei der Deutschen Bank, die zu kritisieren seien, aber dafür eine Auslandsreise zu nutzen sei kein guter Stil. "Der Wirtschaftsminister missbraucht sein Amt, um Parteipolitik zu machen."

stk

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