Deutsche Bank: Staatsanwälte ermitteln schon seit 2011 gegen Fitschen

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen steht offenbar schon länger im Visier der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Laut einem Zeitungsbericht ermittelt die Behörde in der Affäre um Steuerbetrug im Emissionshandel bereits seit August 2011 gegen ihn. Erst danach wurde Fitschen zum Konzernchef.

Deutsche-Bank-Chef Fitschen: Razzia war "desaströs und schädigend" Zur Großansicht
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Deutsche-Bank-Chef Fitschen: Razzia war "desaströs und schädigend"

Hamburg - In der Affäre um den Betrug mit Verschmutzungsrechten ermitteln Frankfurter Staatsanwälte offenbar schon länger gegen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen als bisher bekannt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat die Behörde bereits am 29. August 2011 ein Verfahren eingeleitet.

Damals war Fitschen noch einfaches Vorstandsmitglied, allerdings hatte der Aufsichtsrat der Bank schon gut einen Monat zuvor entschieden, den Niedersachsen zusammen mit Anshu Jain zum künftigen Chef des Konzerns zu machen. Ihre Posten traten die beiden am 1. Juni 2012 an. Wie Zeitung berichtet, wusste davor niemand im Konzern von dem Verfahren gegen Fitschen - auch er selbst nicht. Die Ermittlungen seien erst bei der Razzia in der Bank im Dezember 2012 bekannt geworden.

Bei den Untersuchungen geht es um die Verwicklung der Deutschen Bank in einen Skandal um Umsatzsteuerbetrug. Ein internationaler Betrügerring soll im Handel mit Emissionsrechten illegal Millionen verdient haben.

Die Vorwürfe gegen Fitschen sind dabei eher formaler Art. Er steht im Visier der Ermittler, weil er gemeinsam mit Finanzvorstand Stefan Krause Ende 2010 die Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2009 unterschrieben hatte. Die Erklärung soll um 155 Millionen Euro falsch gewesen sein. Fitschen hatte sie dem Vernehmen nach nur vertretungsweise unterschrieben, weil der damalige Konzernchef Josef Ackermann nicht im Haus gewesen sei.

"Ich habe kein schlechtes Gewissen"

Laut "Süddeutscher Zeitung" hatten Steuer- und Rechtsexperten bereits vor Abgabe der Steuererklärung mit dem zuständigen Finanzamt in Frankfurt über mögliche Steuererstattungen aus den fraglichen Emissionshandelsgeschäften gesprochen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft den Beschuldigten nun vor, in der Erklärung nicht noch einmal auf die strittigen Fälle hingewiesen zu haben. Allerdings hatte der Konzern die Erklärung im September 2011 korrigiert.

Fitschen hatte sich massiv gegen die Vorwürfe und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft gewehrt - unter anderem mit einem Anruf beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU). Dafür hatte sich der Bankchef zwischenzeitlich entschuldigt.

Nun versucht er erneut, den Grund des Anrufs zu erklären. "Ich wollte in der Tat den Ministerpräsidenten darauf aufmerksam machen, dass das, was hier geschehen war, unverhältnismäßig ist", sagte Fitschen laut einem Bericht des "Weser-Kurier" bei einem Neujahrsempfang seiner Bank im Bremer Park Hotel. Die Durchsuchung der Zentrale der Deutschen Bank im Dezember durch 500 Beamte habe er "nicht angemessen" gefunden.

Als Grund für den Anruf nannte Fitschen die Bilder der Durchsuchung, die wenig später um die Welt gingen. Diese seien für die Bank "desaströs und schädigend" gewesen. "Das wollte ich zum Ausdruck bringen, nicht den Prozess beeinflussen." Keinesfalls habe er damit seine Macht als Bankchef nutzen und sich über den Staat stellen wollen.

Vom eigentlichen Verfahren zeigte sich Fitschen laut "Weser-Kurier" unbeeindruckt: "An den Vorwürfen ist nichts dran - ich habe kein schlechtes Gewissen."

stk/AFP

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insgesamt 21 Beiträge
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1.
uezegei 10.01.2013
Wenn er stellvertretend für Herrn Ackermann gehandelt hat, der ja geschickterweise nicht im Haus war, dann wird das Verfahren sicherlich in Bälde gänzlich eingestellt. So eine Geburtstagsfeier im Kanzlerinnenamt muss sich schließlich irgendwie auszahlen.....
2.
Maya2003 10.01.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDeutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen steht offenbar schon länger im Visier der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Laut einem Zeitungsbericht ermittelt die Behörde in der Affäre um Steuerbetrug im Emissionshandel bereits seit August 2011 gegen ihn. Erst danach wurde Fitschen zum Konzernchef. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-staatsanwaltschaft-ermittelt-seit-2011-gegen-fitschen-a-876729.html
Die Deutsche Bank macht jemanden zum Chef gegen den ermittelt wird ? Na ja, offenbar ist sein Gewissen rein :) Schuldbewusstsein darf man auf dieser Ebene sowieso nicht erwarten; Fehler machen IMMER andere, und zur Not wird ein Bauer geopfert oder man kauft sich frei. So wirds auch in diesem Fall sein. Alles andere wäre eine Überraschung.
3. Regulieren bis der Arzt kommt!
sabine_26 10.01.2013
Ich habe den Eindruck, dass die einzig funktionierenden Geschäftsmodelle der Banken und Versicherungen Intransparenz und Betrug sind.
4. Ortsangabe Hamburg
Herzbubi 10.01.2013
hat die DB jetzt ihren Sitz in Hamburg? sehr verwirrend
5. Verhältnismäßig sind also
bold_ 10.01.2013
---Zitat--- "Ich wollte in der Tat den Ministerpräsidenten darauf aufmerksam machen, dass das, was hier geschehen war, unverhältnismäßig ist" ---Zitatende--- das Abzocken mit Derivaten und Steuerbetrug oder die Beihilfe dazu? Na klar - gehört ja zum Geschäftsmodell!
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