Deutsche Bank Job-Kahlschlag betrifft vor allem Privatkundensparte

Die Deutsche Bank baut Tausende Arbeitsplätze ab, hierzulande vor allem im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden: Jeder vierte Job in dieser Sparte soll laut dem "Handelsblatt" wegfallen.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt:
REUTERS

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt:


Der angekündigte Stellenabbau bei der Deutschen Bank trifft auf dem Heimatmarkt offenbar vor allem das Privat- und Firmenkundengeschäft. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine interne Information an die Betriebsräte des Instituts berichtet, fallen den Einschnitten gut 3200 der mehr als 12.000 Arbeitsplätze in der Sparte zum Opfer.

Im Investmentbanking sollen demnach 40 Jobs wegfallen, in der Transaktionsbank 120. Für die Vermögensverwaltung gebe es kein Abbauziel, gekürzt werde dafür in Zentralfunktionen: Operations (830 Stellen brutto), Finanzen (240), Risiko (370), Personal (140), Kommunikation (60) und Research (20).

Ende Oktober hatte die Deutsche Bank bekannt gegeben, rund 9000 Arbeitsplätze streichen zu wollen - davon etwa 4000 in Deutschland. Darüber hinaus soll der Umbau der Bank zum Abbau von weiteren 6000 Stellen bei externen Dienstleistern führen. Insgesamt will das Geldhaus den Mitarbeiterstamm von zuletzt etwa 103.000 auf 77.000 Vollzeitkräfte verringern. Die Zahl der Filialen soll bis 2017 um etwa 200 reduziert werden, betroffen sind vor allem Großstädte.

Kompletter Rückzug aus zehn Ländern

Schrumpfen wird auch die internationale Präsenz der Bank: Sie zieht sich aus zehn Ländern vollständig zurück, darunter Argentinien, Chile, Mexiko und Dänemark. Der Sparkurs soll die Kosten um brutto rund 3,8 Milliarden Euro drücken. Die Kosten für den Umbau inklusive Abfindungen bezifferte das Geldhaus auf rund 3 bis 3,5 Milliarden Euro.

Das Institut hat angekündigt, in diesem und im kommenden Jahr zum ersten Mal seit Jahrzehnten keine Dividende auszuschütten. Anleger reagierten mit Aktienverkäufen auf die Ankündigung. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank Chart zeigen verloren am Donnerstag zeitweise um knapp sieben Prozent, am späten Vormittag lagen sie noch mit mehr als fünf Prozent im Minus.

Grund für den Rekordverlust sind vor allem riesige Wertberichtigungen in der Bilanz. Allein auf den Geschäfts- und Firmenwert im Privatkundengeschäft sowie im Investmentbanking schrieb die Deutsche Bank Chart zeigen im dritten Quartal rund 5,8 Milliarden Euro ab. Hinzu kamen neue Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten, im Zeitraum vom Juni bis September war es erneut eine Milliarde Euro.

Im Video: Deutsche Bank streicht 9000 Stellen

mxw/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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rheinischerfrohsinn 25.11.2015
1. Hallo?
Der Jobabbau betrifft weniger die Privatkunden, sondern die Beschäftigten in dem Bereich! Eine wahrscheinlich versehentlich zynisch formulierte Überschrift.
shakshirak 25.11.2015
2.
Wenig überraschend. Die Investmentabteilung sorgt durch Nutzung unlauterer Methoden für massive Verluste durch Strafzahlungen, die mittels Kürzungen im Privatkundenbereich ausgeglichen werden sollen. Da kehrt der neue Besen an der falschen Stelle.
antilobby 25.11.2015
3.
Wer als "normaler" Privatkunde noch bei Deutschen Bank ist, hat angesichts der hohen Kontogebühren wohl Geld zuviel. Einzig bei der (Noch-)Tochter Postbank haben die Schalterzeiten an Samstage noch gewisse Reiz.
PeterPaulPius 25.11.2015
4. Veränderungen
Der Markt wird sich kolossal weiter verändern. Am Ende werden die Banken nur Investmentbanking machen. Wer dem Mittelstand oder Privaten letztlich Kredite gibt, wird sich noch zeigen. Vielleicht der Staat? Parallel werden Geld-Dienstleister das eigentliche Banking übernehmen, und das Bargeld wird in der Wechselstube eingezahlt. Interessanterweise werden die Dienstleister profitabel arbeiten. Wir müssen nur aufpassen, das uns nicht das Bargeld gestrichen wird. Da heißt es wachsam sein und ggf. auch mal auf die Strasse gehen.
trader_07 25.11.2015
5. Sachen gibt's....
Zitat von antilobbyWer als "normaler" Privatkunde noch bei Deutschen Bank ist, hat angesichts der hohen Kontogebühren wohl Geld zuviel. Einzig bei der (Noch-)Tochter Postbank haben die Schalterzeiten an Samstage noch gewisse Reiz.
Sachen gibt's... Schalterzeiten bei der Bank interessieren mich schon seit Mitte der 90er-Jahre nicht mehr. Das dürfte auch so ungefähr die Zeit gewesen sein, wo ich das letzte Mal eine Überweisung per Hand ausgefüllt habe.
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