Vorwurf des Prozessbetrugs Strafanzeige gegen Vorstände der Deutschen Bank

Ehemalige Aktionäre der Postbank haben nach SPIEGEL-Informationen Strafanzeige gegen Top-Manager der Deutschen Bank gestellt. Betroffen sind unter anderem Konzernboss Cryan und Ex-Chef Ackermann.

Deutsche-Bank-Chef Cryan
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Deutsche-Bank-Chef Cryan

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Der Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bank und ehemaligen Aktionären der Konzerntochter Postbank eskaliert. Die Kanzlei BayerLaw aus Frankfurt hat nach SPIEGEL-Informationen bei der dortigen Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen frühere und aktuelle Vorstände der Deutschen Bank, der Postbank, deren Ex-Muttergesellschaft Post, Anwälte der Kanzleien Hengeler Mueller und Freshfields sowie Spitzenbeamte der Finanzaufsicht BaFin gestellt. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 6/2018
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Die Beschuldigten - außer Cryan zählt dazu unter anderem der ehemalige Bankchef Josef Ackermann - sollen die Umstände des Einstiegs der Deutschen Bank bei der Postbank im Herbst 2008 falsch dargestellt haben. Faktisch sei die Postbank damals überschuldet und reif für eine Verstaatlichung gewesen. Obwohl sie anfangs nur rund 23 Prozent der Anteile erworben hatte, habe die Deutsche Bank bei der Postbank sofort durchregiert - dank eines Kooperationsrahmenvertrags, der die Postbank zur Zusammenarbeit verpflichtet habe, sowie der Bindung der Stimmrechte der Post, mit der die damalige Noch-Mutter quasi entmachtet wurde.

Erst 2010 übernahm die Deutsche Bank die Mehrheit an der Postbank; den Aktionären zahlte sie allerdings deutlich weniger als der Post 2008. Die Aktionäre fordern die Deutsche Bank daher zur Nachzahlung der Preisdifferenz auf und klagen in dieser Angelegenheit mit wechselndem Erfolg seit Jahren vor Gerichten. Dazu gehört auch die Verlagsgesellschaft Effecten-Spiegel AG, über deren Nachzahlungsansprüche das Oberlandesgericht Köln am 29. Juni entscheiden will. Der ursprünglich für den 7. Februar angesetzte Termin musste verschoben werden.

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main
dapd

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main

Doch die Anschuldigungen von BayerLaw reichen weiter: So sollen die Anwälte der Deutschen Bank im Auftrag des jetzigen Vorstands um John Cryan versucht haben, die Verfahren so in die Länge zu strecken und ein Urteil hinauszuzögern, bis die möglichen Ansprüche anderer Geschädigter, die zunächst nicht geklagt hatten, verjähren - etwa durch Vortrag falscher Tatsachen und damit Prozessbetrug sowie einen kuriosen Sammelklageantrag der Deutschen Bank gegen sich selbst. Letzteren hatte das Landgericht Köln brüsk abgelehnt.

Die Deutsche Bank hält die Vorwürfe für substanzlos. "Es handelt sich offenbar um den erneuten Versuch einer Kanzlei, die Deutsche Bank und ihre Repräsentanten anzugreifen, um in laufenden Rechtsstreitigkeiten die Stimmung aufzuheizen", teilte der Konzern mit.

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insgesamt 2 Beiträge
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zalog70 02.02.2018
1. Lächerlich
Da zeigt ein Anwalt alles an, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, und der Spiegel macht auch noch eine Story draus. Ginge es nicht um die DB, mit der der Anwalt schon lange im Clinch liegt, hätte keiner diese lächerliche Aktion beachtet.
peterpan2200 03.02.2018
2. Die beiden oben genannten
lachen sich tot. So lange wie die Politik ihre Hand Schützen über die Manager und ihren Konzernen hält, hat Justitia die Augenbinde ab gelegt.
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