Sparkurs Deutsche Bank streicht Dividende für zwei Jahre

Erstmals seit den Fünfzigerjahren zahlt die Deutsche Bank ihren Aktionären keine Dividende. Grund ist der Sanierungskurs. Frühestens 2017 könnten wieder Gewinne ausgeschüttet werden.

Deutsche Bank in Frankfurt: Sparkurs nach Milliardenverlust
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Deutsche Bank in Frankfurt: Sparkurs nach Milliardenverlust


Die Aktionäre der Deutschen Bank werden für 2015 und 2016 auf eine Gewinnausschüttung verzichten müssen. Das teilte Deutschlands größtes Geldhaus am Abend mit: "Der Vorstand erwartet, ab dem Geschäftsjahr 2017 eine Dividende in Höhe einer wettbewerbsfähigen Ausschüttungsquote vorzuschlagen."

Die Entscheidung ist historisch: Es ist das erste Mal seit den Fünfzigerjahren, dass das Institut keine Gewinne ausschüttet.

Die Deutsche Bank hatte vor knapp drei Wochen den höchsten Milliardenverlust der Firmengeschichte bekannt gegeben: Das Geldhaus erwartet für das dritte Quartal unter dem Strich 6,2 Milliarden Euro Verlust - das ist noch mehr als zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008, als die Lehman-Pleite die Finanzwelt schockierte.

Nach dem großen Aufräumen will die Deutsche Bank den Blick wieder nach vorne richten. Vier Monate nach seinem Amtsantritt will der neue Konzernchef John Cryan am Donnerstag in Frankfurt die Details seiner künftigen Strategie vorlegen. Dabei werden weitere harte Einschnitte erwartet: Zuletzt hatte es in Finanzkreisen geheißen, dass über die bereits im April beschlossene Trennung von der Postbank hinaus bis zu 10.000 Stellen auf der Kippe stünden.

Der historische Dividendenausfall ist zwar Teil einer Mitteilung über den vom Vorstand beschlossenen Plan "Strategie 2020". Darin sind aber im wesentlichen nur eine Reihe wichtiger und ehrgeiziger Finanzkennzahlen enthalten, die die Bank in den nächsten Jahren erreichen will. Dazu gehört eine "harte Kernkapitalquote" von mindestens 12,5 Prozent ab Ende 2018. Zum Vergleich: Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von Europas Bankkonzernen eine Quote von acht Prozent hartem Kernkapital. 100 Euro in Risikopositionen muss eine Bank also mit mindestens acht Euro eigenem Geld abdecken.

In der Bilanz wurde unter Cryan derart kräftig ausgemistet, dass Deutschlands größtes Geldhaus die Märkte vor drei Wochen bereits mit einem Rekordverlust schockierte. Grund sind gigantische Abschreibungen vor allem auf den Wert der Tochter Postbank und das nicht mehr so lukrative Investmentbanking. Für Rechtsrisiken legte die Bank weitere 1,2 Milliarden Euro zurück.

Nach der Bilanz war wenig später das Top-Management an der Reihe. Sparten werden neu zugeschnitten, zahlreiche altgediente Führungskräfte gehen, das Investmentbanking wird aufgeteilt.

Der ehemalige UBS-Finanzvorstand Cryan hatte zum 1. Juli Anshu Jain an der Führungsspitze der Bank abgelöst. Der zweite Co-Chef Jürgen Fitschen bleibt noch bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 im Amt, ehe der Brite alleine das Ruder übernimmt. Mit Spannung wird Cryans öffentlicher Auftritt bei der Pressekonferenz am Donnerstag erwartet - bisher hatte er sich in der Öffentlichkeit weitestgehend zurückgehalten.

kry/dpa



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insgesamt 21 Beiträge
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EMU 28.10.2015
1. Das wird hart
Genau für solche Fälle ist die Möglichkeit der Dividendenstreichung zwar da, aber damit fallen sie auch erstmal aus sämtlichen Dividenden-ETFs raus. Das wird einen ziemlichen Knick in der Preiskurve geben.
stefan.mahrdt 28.10.2015
2. Die Deutsche Bank
Vor 25 Jahren, in 1989, ist die Deutsche Bank mit der Übernahme von Morgan Grenfell gefolgt von Bankers Trust in 1999 auf schwieriges Terrain geraten. Die Odyssee durch die Investment Banking Welt wird jetzt, Ironie des Schicksals, von einem Briten John Cryan, beendet und die Deutsche Bank wieder auf den Pfad der Tugend zurückgeführt. Bis 2020 soll alles wieder in Ordnung sein, es bleibt spannend.
ribaldc 28.10.2015
3. Spontan las ich, dass die deutsche Bank
die Boni der Vorstände für zwei Jahre gestrichen hätte, aber nein, den Aktioneren wird die Dividende gestrichen..., dann ist ja alles gut.
w.diverso 28.10.2015
4.
Den Mut von Herrn Cryan beim Umbau der Bank, wird man an dem messen können, wie weit er auch beim Investmentbanking den Sparstift ansetzen wird. Die übertrieben Boni dort, würden ja wirklich eine ordentlich Kürzung vertragen. Nur beim normalen Mitarbeiter und bei der Dividende zu sparen, kann sicher nicht alles sein.
Havel Pavel 28.10.2015
5. Ob es die Deutschen Bank dann noch geben wird?
Die Situation rund um das ehemals so angesehene Bankhaus sieht alles andere als rosig aus. Mich würde es nicht wundern wenn sich dieses Unternehmen schon bald in Wohlgefallen auflösen würde und die noch lukrativen Geschäftsaktivitäten von einer der noch funktionierenden Grossbanken einfach übernommen würden. Wär so wohl das Beste, denn eine Sanierung der Deutschen Bank dürfte in absehbarer Zeit kaum gelingen, ganz abgesehen mal vom Ausgang der noch anstehenden Prozesse vor diversen Gerichten.
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