Deutsche Bank: Ackermanns Chefvolkswirt wirft hin

Mit dem Chefwechsel bei der Deutschen Bank wird dort ein weiterer Spitzenposten neu besetzt: Thomas Mayer, der oberste Ökonom von Deutschlands größtem Finanzinstitut, tritt gemeinsam mit Josef Ackermann ab. Sein Nachfolger kommt aus dem Haus - und kommt nicht überall gut an.

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DPA

Thomas Mayer: Er gibt seinen Posten als Chefvolkswirt der Deutschen Bank auf

Frankfurt am Main - Raus aus der Praxis, zurück in die Wissenschaft: Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, gibt seinen Posten auf. Er werde künftig zum Teil wissenschaftlich forschen, zum Teil das Management der Bank beraten, teilte das Institut mit.

Wie Noch-Chef Josef Ackermann verlässt Mayer die Deutsche Bank Ende Mai. Dann übernehmen der Investmentbanker Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Führung des Geldhauses.

Der neue Chefvolkswirt steht bereits fest: David Folkerts-Landau. Er leitet bisher den Bereich Markets Research bei der Deutschen Bank Chart zeigen und soll von Mayer auch die Leitung von DB Research übernehmen.

Mayer war seit 2010 oberster Ökonom des Finanzinstituts. Zuvor war er dort sieben Jahre lang Chefökonom für Europa. Mayer sei ihm während der Finanz- und Wirtschaftskrise ein sehr geschätzter Berater gewesen, erklärte Ackermann.

Die volkswirtschaftliche Abteilung DB Research genießt innerhalb der Bank eine recht große Unabhängigkeit. Mayer vertrat in der Öffentlichkeit gelegentlich kontroverse Meinungen - wie auch sein Vorgänger Norbert Walter. Dieser hatte den Posten des Chefvolkswirts fast 20 Jahre inne.

Walter lästerte nun über seinen früheren Arbeitgeber. "Das ist falsch", sagte er dem '"Handelsblatt" zur Entscheidung der Bank, den bisher unabhängigen volkswirtschaftlichen Think-Tank DB Research und die Abteilung Markets Research zusammenzulegen. Das passe zu einer Investmentbank, die kein unabhängiges Research haben wolle. Die volkswirtschaftliche Abteilung der Deutschen Bank brauche einen Denker, sagte Walter. "Das war ich, das war Mayer - aber das ist Folkerts-Landau nicht, weil er es nicht sein will." Der künftige Chefvolkswirt sei ein Manager.

Die künftigen Vorstandschefs Jain und Fitschen ziehen die Analyseabteilung nun enger an die übrige Bank heran und werten die Leitungsposition auf: Folkerts-Landau steigt in den erweiterten Vorstand (GEC) auf.

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Machtkampf bei der Deutschen Bank: Wer aufsteigt, wer gehen muss

mmq/Reuters/dpa

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1.
pzf85jj 13.04.2012
Zitat von sysopDPAMit dem Chefwechsel bei der Deutschen Bank wird dort ein weiterer Spitzenposten neu besetzt: Thomas Mayer, der oberste Ökonom von Deutschlands größtem Finanzinstitut, tritt gemeinsam mit Josef Ackermann ab. Sein Nachfolger kommt aus dem Haus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,827454,00.html
Die Äusserungen, mit denen der junge Mann im Artikel zitiert wird, sind aber schon hammerhart. So etwas macht man eigentlich nicht. Es sei denn, natürlich, die eigene Eitelkeit wurde so sehr gekränkt, dass er nicht anders will. Dies würde dann allerdings sehr wohl dafür sprechen, dass sein Rausschmiss vollkommen berechtigt ist.
2. Weg von der Spekulantenbank
mitbestimmender wähler 13.04.2012
Zitat von sysopDPAMit dem Chefwechsel bei der Deutschen Bank wird dort ein weiterer Spitzenposten neu besetzt: Thomas Mayer, der oberste Ökonom von Deutschlands größtem Finanzinstitut, tritt gemeinsam mit Josef Ackermann ab. Sein Nachfolger kommt aus dem Haus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,827454,00.html
Das Jobangebot aus Zürich war verlockender und zukunftsträchtiger ;-)
3.
adam68161 14.04.2012
Zitat von pzf85jjDie Äusserungen, mit denen der junge Mann im Artikel zitiert wird, sind aber schon hammerhart. So etwas macht man eigentlich nicht. Es sei denn, natürlich, die eigene Eitelkeit wurde so sehr gekränkt, dass er nicht anders will. Dies würde dann allerdings sehr wohl dafür sprechen, dass sein Rausschmiss vollkommen berechtigt ist.
Welche Äusserungen sollen das denn sein? Die Sache ist doch ganz einfach: er will sich nicht "gleichschalten" lassen. Das ist doch ein ehrenwerter Abschiedgrund!
4. Deine Rede sei »Ja! Ja! Jain! Jain!«
nichtdiemama 14.04.2012
Die Neueröffnung der Deutschen Bank als globale Anshu-Jain-Zockerbude rückt wieder einen Schritt näher. Wird das womöglich eine der größten globalen Gaunereien, die das internationale Heuschrecken-Casino je gesehen hat? Einiges spricht dafür. Zitat FAZ.Net v. 16.03.2012: (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsche-bank-neues-fuehrungsduo-stolpert-aus-startbloecken-11679621.html) "Nicht wegzudeuten ist: Erstaunlich viele Manager mit Investmentbank-Werdegang finden sich fortan auf den beiden obersten Ebenen der Bank, auffallend wenige mit deutschem Pass." Drehbuch der Bollywood-Komödie mit dem Titel "How we robbed the Deutsche Bank" (Musik, Gesang, Tanz und Männer in Röcken - u. a. ein schottischer Risikovorstand). Chefvolkswirt Thomas Mayer störte da nur - nicht nur phänotypisch. David Folkerts-Landau scheint für diesen Film die bessere Besetzung zu sein. »Ja! Ja! Jain! Jain!« wird seine Rede sein. Die Dreharbeiten laufen auf Hochtouren. Der Deutsche Steuerzahler wird das Bollywood-Happy-End teuer bezahlen müssen. Wie teuer, das hängt nur vom Geschick des globalen Mercenary-Banksterboards ab, das Anshu "Sharky" Jain gerade fertiginstalliert.
5. Die Flucht vor der*Wahrheit*ist Flucht vor der Verantwortung
wibo2 14.04.2012
Zitat von pzf85jjDie Äusserungen, mit denen der junge Mann im Artikel zitiert wird, sind aber schon hammerhart. So etwas macht man eigentlich nicht. Es sei denn, natürlich, die eigene Eitelkeit wurde so sehr gekränkt, dass er nicht anders will. Dies würde dann allerdings sehr wohl dafür sprechen, dass sein Rausschmiss vollkommen berechtigt ist.
Wirkung statt Wahrheit sowie Schönrederei und Verharmlosung sind in ihrer Wirkung in einer Bank destruktiv. Der Börsenwert der DB hat stark gelitten in den letzten Jahren. Wenn das Management sich so etwas wünscht, dann werden sie, wenn es kritisch wird, nicht zu ihrer Verantwortung stehen, sondern versuchen, die Folgen des eigenen Handelns zu verharmlosen. Genau wie viele Straftäter durch das Verharmlosen und ihrer Tat beweisen, dass sie nicht die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen wollen. Diese Top Banker wollen sich möglicherweise mit der Entlassung eines recht offen berichtenden Chefvolkswirtes vor der Last ihrer Verantwortung, die in unangenehmen Entscheidungen liegt, befreien. Wollen sie eigentlich nur noch Boni herausziehen, solange es geht und eine Bad Bank dem Steuerzahler am Ende des Tages hinterlassen?
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