Doppelt so hoch wie erwartet Deutsche Bank übertrifft Gewinnprognosen deutlich

Trotz aller Turbulenzen: Die Deutsche Bank erwartet deutlich mehr Gewinn als von Analysten prognostiziert. Überwunden ist die Krise des Geldhauses damit aber wohl noch nicht.

Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank
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Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank


Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal die Prognosen der Analysten deutlich übertroffen. Man erwarte einen Gewinn vor Steuern von rund 700 Millionen Euro und nach Steuern von rund 400 Millionen Euro, teilte das Geldhaus mit. Im Durchschnitt lagen die Schätzungen der Analysten für den Gewinn vor Steuern zuletzt bei 321 Millionen Euro und für den Gewinn nach Steuern bei 159 Millionen Euro.

Den Vorgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zufolge muss eine Bank eine Ad-hoc-Mitteilung ausgeben, wenn die Geschäftsergebnisse erheblich von den Prognosen abweichen.

Die Deutsche Bank hatte in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit schlechten Nachrichten zu kämpfen. So hatten US-Behörden die Bank Ende Mai als Problemfall eingestuft, die Rating-Agentur Standard & Poor's stufte die Bonität der Bank daraufhin herab. Zuletzt fiel das Geldhaus auch noch durch den US-Stresstest. Dabei kritisierten die Aufseher das Krisenmanagement.

Auch Erträge höher als erwartet

Die nun veröffentlichten Zahlen geben Anlass zu der Einschätzung, dass ihre Krise die Bank nicht so schwer belastet hat, wie von Experten zunächst angenommen. Denn auch bei den Konzernerträgen lag das Geldhaus über den Analystenschätzungen. Für das zweite Quartal 2018 rechnet die Deutsche Bank dabei mit einem Wert von etwa 6,6 Milliarden Euro im Vergleich zu dem prognostizierten Betrag von 6,4 Milliarden Euro.

Grund für die etwas besseren Zahlen seien unter anderem niedrigere Kosten und die Auflösung kleinerer Rückstellungen für Prozesskosten, hieß es. Unter ihrem neuen Chef Christian Sewing baut die Deutsche Bank ihr Geschäft um und reduziert das Personal um tausende Stellen, vor allem im Investmentbanking. Das Geldhaus hatte 2017 einen hohen Verlust eingefahren und im ersten Quartal lediglich einen Gewinn von 120 Millionen Euro verdient.

Sewing hatte die Leistung des Geldhauses zwischenzeitlich verteidigt. In einem offenen Brief hatte er unter anderem die Liquiditätsreserven und den Krisenpuffer der Bank veröffentlicht - beides vergleichsweise hohe Werte.

Aktie steigt um sechs Prozent

Die vollständigen Ergebnisse will die Deutsche Bank am 25. Juli veröffentlichen. Die zuletzt schwer gebeutelte Deutsche-Bank-Aktie Chart zeigen schoss um rund sechs Prozent in die Höhe.

"Wir haben die Konsolidierungsarbeit erledigt", sagte John Gibbons, Leiter des Transaktionsgeschäfts der Deutsche Bank dem "Handelsblatt". "Wachstum wird aus neuen Geschäften, neuen Märkten und steigenden Zinsen kommen." Demnach kündigte er an, dass die Bank die Übernahme von Finanztechnologiefirmen plane.

ans/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 5 Beiträge
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eckawol 16.07.2018
1. Endlich eine gute Nachricht,
die nachhaltig sein muß. D.h. , die zukünftigen Ergebnisse sollten nicht aus Kostenreduzierungen und Auflösung von Rückstellungen ,sondern künftig aus Neugeschäft herrühren.
Rainer Carstens 16.07.2018
2. Bleiben trotzdem Bankster
meinetwegen hätte die Deutsche Bank für die Hybris vergangener Jahrzehnte auch pleite gehen können. Deutschland kann auch ohne Deutsche Bank. Für die Deutschen wäre es besser
merlin 2 16.07.2018
3. Dank an Cryan!
Dank an Cryan und die Hoffnung, daß Sewing weiter mit NACHDRUCK an der Aufarbeitung der juristisch zu lösenden Schäden arbeitet. Dann kann das was werden und dann sind auch wieder Kurse von >35€ drin.
n.wemhoener 17.07.2018
4.
Zitat von Rainer Carstensmeinetwegen hätte die Deutsche Bank für die Hybris vergangener Jahrzehnte auch pleite gehen können. Deutschland kann auch ohne Deutsche Bank. Für die Deutschen wäre es besser
Das glaube ich nicht ! Dieses Geldhaus ist mit einem absurd hohen Derivatebestand verseucht. Eine Pleite des Global Players könnte zu einem katastrophalen Dominoeffekt führen, der das ganze vernetzte Bankensystem bedroht.
stefan.mahrdt 17.07.2018
5. Was lange währt
Jetzt setzt sich langsam um, was von vielen erwartet wurde: die Deutsche Bank kehrt nach einer glücklosen Odyssee in das angloamerikanische Bankensystem zurück auf den Pfad der Tugend und wird pünktlich zu ihrem 150-jährigen Jubiläum in 2020 ihre vollständigen Gesundung von einer dann fast 30-jährigen Episode abgeschlossen haben. Forza Deutsche Bank
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