Franken-Freigabe Deutsche Bank soll 150 Millionen Dollar verloren haben

Kalt erwischt wurden mehrere Großbanken von der Franken-Freigabe. Die Deutsche Bank trifft es offenbar hart. Dennoch: Der Chef der Schweizer Notenbank verteidigt die Entkoppelung vom Euro.

Deutsche Bank in Frankfurt: Etwa 150 Millionen Dollar Einbußen
DPA

Deutsche Bank in Frankfurt: Etwa 150 Millionen Dollar Einbußen


New York - Schweizer Exporteure, die eidgenössische Tourismusindustrie, internationale Großbanken: Zwei Tage nach der radikalen Entscheidung der Schweizer Nationalbank, den Franken vom Euro-Kurs zu lösen, werden weitere Verlierer bekannt. So soll der Schritt auch der Deutschen Bank massive Verluste eingebrockt haben. Etwa 150 Millionen Dollar Einbußen stünden Deutschlands größtem Geldhaus bevor, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Dem US-Bankenriesen Citigroup würden Verluste in gleicher Größenordnung entstehen.

Auch die britische Großbank Barclays und einige Hedgefonds sollen kräftig Geld verloren haben. Die Deutsche Bank war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die SNB hatte am Donnerstag völlig überraschend die seit etwa drei Jahren geltende Wechselkursbindung des Franken an den Euro aufgehoben. (Die wichtigsten Infos zu der Entscheidung finden Sie hier im Überblick.)

Die Schweizer Währung sprang zwischenzeitlich um etwa 30 Prozent nach oben. Der Euro fiel am Freitag zeitweise auf ein Elf-Jahres-Tief von 1,14 Dollar. Die Schweizer Börse verlor am Donnerstag knapp neun und am Freitag nochmals sechs Prozent. Börsianer kritisierten, dass sich die Nationalbank SNB noch kürzlich zum Mindestkurs bekannt habe.

Mehrere Pleiten oder Fast-Pleiten

Devisenhändler wurden von der Entscheidung völlig überrascht. Analysten sprachen von Panik und Chaos unter Anlegern. Als größtes Opfer der SNB-Entscheidung gilt bislang ein US-Onlinebroker für Kleinanleger, FXCM. Die Firma wurde mit einem Notkredit von mehr als 300 Millionen Dollar gerettet, nachdem die Aktie um mehr als 70 Prozent gefallen war.

Der britische Wettbewerber Alpari UK meldete sogar Insolvenz an. Die Entscheidung der Schweizer Notenbanker habe zu extremen Schwankungen und zum Austrocknen jeglicher Liquidität geführt, teilte Alpari auf seiner Internetseite mit: "Das hat zur Folge gehabt, dass die Mehrheit der Kunden Verluste erlitt, die ihr Einlagenkapital überstiegen. Wo der Kunde diesen Verlust nicht abdecken kann, wird er an uns weitergereicht." Die Briten sind auch in Deutschland aktiv.

Der kleine neuseeländische Devisenhändler Global Brokers hatte schon kurz nach dem Beschluss der SNB sein Geschäft eingestellt. Global Brokers hatte von ähnlichen Liquiditätsproblemen und Verlusten der Kunden berichtet. Das Kapital der Firma sei aufgefressen, wodurch man nicht mehr den Anforderungen der Finanzaufsicht genüge, teilten die Neuseeländer mit. Geschäftsführer David Johnson entschuldigte sich bei seinen Kunden, versicherte aber, dass die Einlagen sicher seien.

Notenbank verteidigt Kurswechsel

SNB-Chef Thomas Jordan reagierte auf die Kritik, verteidigte aber den radikalen Kurswechsel. Er sei sich zwar bewusst gewesen, dass die überraschende Abkehr vom Mindestkurs zum Euro die Schweizer Wirtschaft vor Probleme stelle und die Finanzmärkte einige Zeit bräuchten, um sich von dem Schock zu erholen, sagte Jordan der "Neuen Zürcher Zeitung" und der Zeitung "Le Temps". Der Schritt sei aber angesichts des anhaltend fallenden Euro nötig gewesen, um langfristig die Kontrolle über die Geldpolitik zu behalten.

Denn die internationale Entwicklung sei auseinandergedriftet. Immer mehr Geld aufzuwenden, um den Mindestkurs von 1,20 Franken zu halten, wäre nicht nachhaltig gewesen und hätte die Glaubwürdigkeit der Notenbank aufs Spiel gesetzt, sagte Jordan. Da sei es besser, Kritik auf sich zu nehmen. Zumal es von Anfang an klar gewesen sei, dass der Mindestkurs lediglich eine zeitweilige Ausnahme gewesen sei. Die heftigen Marktreaktionen bezeichnete Jordan als überzogen.

yes/dpa/Reuters

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insgesamt 139 Beiträge
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Seite 1
zauselfritz 17.01.2015
1. Schon richtig
Da sieht man wo die Währungszocker und Euro-shorter hockten. Freut mich, dass die richtig viel Geld verloren haben. Und die SNB kann man dazu beglückwünschen, dass sie nicht blind wie die FED oder EZB an einer Sackgassenstrategie festhält, auch wenns jetzt erstmal eine Weile schmerzen wird, die schweizer Wirtschaft geht im Vergleich zur Eurozone ja nicht am Krückstock.
alexxa2 17.01.2015
2. trifft es hart ?
150 Millionen ? 8 bis 10 Boni streichen und das Geld ist wieder drin. Aber es wird anders kommen, wetten ? Es wird am Personal gespart, deswegen wird jetzt so gejammert. Die bösen, bösen Schweizer! !!
Überfünfzig 17.01.2015
3. Peanuts....
...und vielleicht gerade der Spekulationsgewinn eines Tages!
megamekerer 17.01.2015
4. Na und?
Die Verluste kompensiert die Bank durch seine Frankenreserve!!!
reinerotto 17.01.2015
5. Hut ab vor der SNB.
Sie fühlt sich noch verantwortlich für die Stabilität ihrer Währung. Und nicht dafür, daß Spekulanten Geld verdienen. Daher erfuhr auch der IWF vorher nichts. Oder sostige "Insider". Höchster Respekt.
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