Frankfurt am Main - Um das Verhältnis von Josef Ackermann zu Anshu Jain ist es seit langem schlecht bestellt. Der frühere Deutsche-Bank-Chef, hatte schon vor seinem Ausscheiden Ende Mai keinen Hehl daraus gemacht, dass er sich einen anderen Nachfolger gewünscht hätte. Seitdem nutzt er immer mal wieder die Gelegenheit, um gegen Jain zu sticheln. Aber so deutlich wie jetzt, hat sich Ackermann öffentlich noch nie geäußert.
"Ich finde, dass der Chef hier auf die Bühne gehört", sagte Ackermann am Montagabend bei einer Veranstaltung des "Handelsblatts". Mit der Bühne meinte Ackermann den Finanzausschuss des Bundestages, der für diesen Mittwoch eine öffentliche Anhörung zum sogenannten Libor-Skandal um manipulierte Referenzzinssätze geplant hat.
Auch Deutsche-Bank-Chef Jain war dazu eingeladen. Er zieht es jedoch vor, seinen Vorstandskollegen Stephan Leithner zu schicken. Der sei in der Bank offiziell für Rechtsfragen zuständig und damit der richtige Gesprächspartner, heißt es. Darüber hinaus ist zu der Anhörung auch der frühere Risikovorstand Hugo Bänziger geladen - ein Vertrauter Ackermanns, der vom neuen Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen geschasst wurde.
Laut Ackermann hätte auch Jain als Konzernchef vor dem Ausschuss aussagen müssen. "Ich habe mich immer diesen Aufgaben gestellt", sagte der Schweizer. Das stimmt allerdings nicht ganz. Im Mai 2009 hatte auch Ackermann eine Einladung des Finanzausschusses ausgeschlagen. Damals ging es um ein Gesetz zur Schließung von Steueroasen.
Aus dem Umfeld von Ackermann hieß es am Dienstag dazu, der ehemalige Bankchef habe nicht behauptet, allen Einladungen von Ausschüssen gefolgt zu sein. Vielmehr habe er von vergleichbar schwerwiegenden Fällen gesprochen, in denen der Chef persönlich gefragt sei. In solchen Fällen habe er sich anders verhalten. Die Libor-Anhörung und die Anhörung zu einem Gesetz über das Schließen von Steuerschlupflöchern seien nicht vergleichbar.
In dem beispiellosen Skandal ermitteln Behörden seit Monaten weltweit gegen Großbanken, darunter die Deutsche Bank. Den Geldhäusern wird vorgeworfen, zwischen 2005 und 2009 Zinssätze wie Libor und Euribor zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um ihre Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne zu kassieren. Die Zinssätze werden aus Meldungen verschiedener Banken ermittelt und dienen als Referenzwerte für Kredite und andere Finanzprodukte. Allein auf dem Libor beruhen Schätzungen zufolge Finanztransaktionen im Volumen von weltweit mehreren hundert Billionen Euro.
Ackermann nannte die Manipulationen "kriminell und absolut unentschuldbar". Er selbst hätte nie gedacht, dass so etwas möglich sei, sagte er. Dabei waren nach bisherigen Erkenntnissen auch Händler seines Hauses in die Manipulationen involviert. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat eine Sonderprüfung der Deutschen Bank angeordnet. Sie untersucht, ob das Institut strukturell genug getan hat, um die Tricksereien zu verhindern.
Die britische Bank Barclays hatte im Sommer als erstes Institut eine Beteiligung an den Manipulationen eingeräumt und dafür fast eine halbe Milliarde Dollar Strafe gezahlt. Das Top-Management musste zurücktreten.
stk/Reuters
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