Deutsche Bank Anshu Jain zieht die Strippen

Anshu Jain kümmert sich ums Geschäft, Jürgen Fitschen umwirbt die Politik: Diese Aufgabenteilung bei der Deutschen Bank hatten alle erwartet - doch es ist anders gekommen, auch Jain fühlt sich in Berlin wohl. Er bereitet sich darauf vor, das Geldhaus allein zu führen.

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Kanzlerin Merkel, Deutsche-Bank-Chef Jain: "Beide sind nüchterne Rechner"
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Kanzlerin Merkel, Deutsche-Bank-Chef Jain: "Beide sind nüchterne Rechner"


Hamburg - Ein herzlicher Händedruck, ein freundliches Winken - dann steigt Anshu Jain in die dunkle Limousine, die vor dem Auswärtigen Amt auf ihn gewartet hat. Zurück bleibt Guido Westerwelle, deutscher Außenminister, er steht auf der Treppe und lächelt noch immer.

Die Szene stammt von Ende August - und sie zeigt, dass Anshu Jain mittlerweile in der deutschen Politik angekommen ist. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte der neue Co-Chef der Deutschen Bank ein enormes Pensum an Antrittsbesuchen absolviert. "Ob Minister, Parteivorsitzende oder Fraktionschefs - Jain hat so ziemlich alle schon mal getroffen, die hier wichtig sind", heißt es in Berlin.

Das war so nicht zu erwarten. Als die Deutsche Bank im Sommer 2011 nach einem langen Machtkampf Jürgen Fitschen und Anshu Jain zu den Nachfolgern von Josef Ackermann kürte, rechneten die meisten Beobachter mit einer klaren Aufgabenteilung: Der Investmentbanker Jain würde sich um die Zahlen kümmern und Fitschen seine exzellenten Kontakte in die Politik ausspielen.

Zunächst sah es tatsächlich danach aus. Unmittelbar nach dem Amtsantritt im Juni zog Fitschen in den Vorstand des einflussreichen Bankenverbands ein - sehr wahrscheinlich wird er dort ab April kommenden Jahres auch die Chefrolle übernehmen. Noch ist die Personalie nicht offiziell, doch wie aus Finanzkreisen verlautet, will Fitschen für den Präsidentenposten kandidieren. Gegenkandidaten sind keine zu erwarten. Damit würde er zumindest auf dem Papier zum obersten Ansprechpartner der Finanzbranche für die Politik.

Jain und Merkel verbindet eine ähnliche Denkweise

Doch das ist längst nicht die ganze Geschichte. Denn neben Fitschen positioniert sich auch Jain als Mann für die Politik. Zwei große Auftritte hat er in Berlin bereits absolviert, demnächst sollen weitere folgen. Anfang Juni, kurz nach seinem Amtsantritt, sprach Jain vor dem Wirtschaftsrat der CDU - mit seinen ersten öffentlichen Worten auf Deutsch musste der Inder noch hart um das Vertrauen der Unternehmer und Politiker ringen.

Deutlich besser lief es beim Botschaftertreffen des Auswärtigen Amts Ende August. Sichtlich locker und gutgelaunt plauderte er mit Außenminister Westerwelle und versprach den gut 200 anwesenden Spitzendiplomaten: "Wir meinen es ernst mit dem Kulturwandel."

Mit Westerwelle harmoniert Jain dem Vernehmen nach ohnehin ganz ausgezeichnet. Auch die Kanzlerin soll vom schnell denkenden Inder angetan sein. "Die beiden haben sich vor Jahren beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos kennengelernt", berichtet ein Insider. Sie hätten sich auf Anhieb prima verstanden. Seitdem spricht Jain immer wieder mit Merkel. Die Physikerin und den Ökonom verbindet eine ähnliche Denkweise. "Beide sind nüchterne Rechner", sagt einer, der beide kennt.

Nicht nur informell ist Jain in der Politik unterwegs, er hat auch ähnlich wichtige Ämter wie Fitschen übernommen. So sitzt er seit kurzem im Vorstand des internationalen Bankenverbands IIF - eine mächtige Institution, die zum Beispiel die Verhandlungen führte, als es um die nicht ganz freiwillige Umschuldung der privaten Gläubiger Griechenlands ging.

"Jain kann sich mit Herrhausen identifizieren"

Noch wichtiger dürfte Jains Chefposten bei der Alfred Herrhausen Gesellschaft sein, den er im Juni von Josef Ackermann übernommen hat. Die Gesellschaft wird Ende September 20 Jahre alt und gilt als das vielleicht mächtigste politische Gremium der Bank. Ob Hongkong, Sao Paolo oder Kapstadt - in der ganzen Welt veranstaltet sie Konferenzen. In Berlin lädt sie regelmäßig Entscheidungsträger zu Politischen Salons ein.

"Wir zeigen, dass sich die Deutsche Bank weltweit für gesellschaftliche Belange einsetzt, ohne dass sich damit ein direktes Geschäftsinteresse verbindet", sagt Geschäftsführer Wolfgang Nowak, der früher die Grundsatzabteilung im Kanzleramt unter Gerhard Schröder (SPD) leitete.

"Anshu Jain kann sich mit Herrhausen identifizieren", sagt Nowak - und das will was heißen. Denn Herrhausen, der 1989 von RAF-Terroristen ermordet wurde, war der vielleicht politischste Bankchef überhaupt. Er beriet den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und verhandelte mit dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow. Vor allem aber bemühte er sich um ein besseres Image der Banken in der Gesellschaft und hatte damit sogar bei einigen Linken Erfolg - auch weil er sich dafür einsetzte, den Entwicklungsländern einen Teil ihrer Schulden zu erlassen.

Ist es nun dreist oder vorbildlich, wenn sich ausgerechnet der Investmentbanker Jain in eine solche Tradition stellt? Die Deutsche Bank jedenfalls arbeitet an einem neuen, sauberen Image. Auch die Herrhausen Gesellschaft dürfte daran künftig noch stärker beteiligt sein. Ende des Jahres scheidet Geschäftsführer Nowak aus, dann übernimmt Thomas Matussek seinen Posten, ehemaliger deutscher Botschafter in London - und seitdem ein Vertrauter Jains, der nahezu seine gesamte Deutsche-Bank-Karriere in der britischen Hauptstadt verbracht hat. Die gesellschaftspolitische Aufarbeitung der Finanzkrise soll dann eine größere Rolle bei der Herrhausen Gesellschaft spielen.

Etwas verbindet Jain übrigens auf jeden Fall mit Herrhausen: Der legendäre Banker musste sich während der ersten drei Jahre die Macht an der Konzernspitze mit einem Co-Chef teilen. Erst danach durfte er allein ran. Auch der Vertrag von Jains 64-jährigem Kompagnon Fitschen läuft über drei Jahre. Spätestens dann dürfte Jain auch in Berlin freie Bahn haben.



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insgesamt 17 Beiträge
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Humanitas 19.09.2012
1. Resozialisierung?
Wenn belegbar ist, dass die Deutsche Bank in kriminelle Machenschaften verwickelt ist (z. B. ARD-Sendung am Montag [Schrottimobilien], Liborskandal, Zockerei mit Nahrungsmitteln usw.), was ist dann von Politikern zu halten, die sich mit den Führungskräften dieser Organisation treffen? Geht es da um Resozialisierung oder darum deren kriminellen Aktivitäten zu exkulpieren? Ich pflege keinen wissenentlichen Umgang mit Personen, aus dem kriminellen Milieu, aber für mich Normalbürger gelten wohl andere Werte....
kdshp 19.09.2012
2. Titel:Deutsch
Zitat von sysopAFPAnshu Jain kümmert sich ums Geschäft, Jürgen Fitschen umwirbt die Politik: Diese Aufgabenteilung bei der Deutschen Bank hatten alle erwartet - doch es ist anders gekommen, auch Jain fühlt sich in Berlin wohl. Er bereitet sich darauf vor, das Geldhaus allein zu führen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,856728,00.html
Hallo, würde ich auch machen wenn ich meinen geburtstag dafür im kanzleramt auf staatskosten feiern dürfte! 24.08.2009 Party im Kanzleramt Ackermann feierte auf Staatskosten Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat seinen 60. Geburtstag im Bundeskanzleramt gefeiert. Bezahlt wurde das exklusive Abendessen nach einem Bericht des ARD-Magazins "Report Mainz" von Steuergeldern Party im Kanzleramt: Ackermann feierte auf Staatskosten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/party-im-kanzleramt-ackermann-feierte-auf-staatskosten-a-644659.html)
buntesmeinung 19.09.2012
3. Gutes Vrständnis
Merkel versteht sich gut mit Jain? Na bestens. Dann können wir ja davon ausgehen, dass alles wie "geschmiert" läuft.
buntesmeinung 19.09.2012
4. Milliardenetat
Zitat von kdshpHallo, würde ich auch machen wenn ich meinen geburtstag dafür im kanzleramt auf staatskosten feiern dürfte! 24.08.2009 Party im Kanzleramt Ackermann feierte auf Staatskosten Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat seinen 60. Geburtstag im Bundeskanzleramt gefeiert. Bezahlt wurde das exklusive Abendessen nach einem Bericht des ARD-Magazins "Report Mainz" von Steuergeldern Party im Kanzleramt: Ackermann feierte auf Staatskosten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/party-im-kanzleramt-ackermann-feierte-auf-staatskosten-a-644659.html)
Bei dem Milliardenetat fürs Kanzleramt werden sicher ein paar gut belegte Brötchen für Herrn Jain und seine Gäste drin sein.
pierrotlalune 19.09.2012
5.
Zitat von HumanitasWenn belegbar ist, dass die Deutsche Bank in kriminelle Machenschaften verwickelt ist (z. B. ARD-Sendung am Montag [Schrottimobilien], Liborskandal, Zockerei mit Nahrungsmitteln usw.), was ist dann von Politikern zu halten, die sich mit den Führungskräften dieser Organisation treffen? Geht es da um Resozialisierung oder darum deren kriminellen Aktivitäten zu exkulpieren? Ich pflege keinen wissenentlichen Umgang mit Personen, aus dem kriminellen Milieu, aber für mich Normalbürger gelten wohl andere Werte....
Allerdings, gelten für Normalbürger andere Werte und Gesetze. Die einfachsten Beispiele wären Kündigungen wegen ein Brötchen. Während andere Millionen verschleudern auf Steuerkosten und Allgemeinheit. Die gehen in der Regel straffrei aus, und bekommen in der Regel danach einen noch besseren Posten. Dann haben Sie vielleicht auch mitgekriegt, dass die Anzeigen gegen Ärzte die wegen Korruption angeklagt wurden, jedoch die Anklagen zurückgenommen wurden durch den Bundesgerichtshof. Für mich heisst das Korruption wird in DE von höchster Instanz genehmigt. DE steht Weltweit in Sachen Korruption nicht allzu weit von China und Korea entfernt. Desweiteren sind die Banker und deren Lobby die wahren Gesetzesmacher nicht mehr die Politiker. Zu sehen an der Fete für Ackerman, und meistens sind diese Institute Systemrelevant. Da können die soviel Scheisse produzieren. Der Bürger wirds schon wieder ausrichten. Er muss nur verzichten. Von den Banker verzichtet keiner auf irgend was. Im Gegenteil sie werden immer gieriger.
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