Faule Deals US-Justiz billigt Milliarden-Vergleich mit Deutscher Bank

Wegen dubioser Hypotheken-Deals lag die Deutsche Bank mit dem US-Justizministerium im Clinch. Nun hat das Institut eine Sorge weniger: Ein Gericht billigte den Vergleich beider Seiten über 7,2 Milliarden Dollar.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan
AP/dpa

Deutsche-Bank-Chef John Cryan


Die Deutsche Bank kann eine ihrer größten Altlasten bereinigen. Der mit Spannung erwartete Vergleich mit den US-Behörden über unsaubere Geschäfte auf dem amerikanischen Immobilienmarkt ist unter Dach und Fach. Das US-Justizministerium bestätigte am Dienstagabend die Einigung über dubiose Deals mit Hypotheken, die Deutschlands größtes Geldhaus insgesamt 7,2 Milliarden Dollar kostet.

Nach offiziellen Angaben ist es die höchste Strafe, die in der Sache je gegen eine einzelne Bank verhängt worden ist - und viele große Investmentbanken mussten bereits zahlen. Und damit ist sie noch glimpflich davon gekommen. Ursprünglich wollten die US-Bankenaufseher das Institut mit rund 14 Milliarden Dollar zur Kasse bitten. Die Kritik an den Frankfurtern fiel entsprechend vernichtend aus: "Die Deutsche Bank hat nicht nur Investoren getäuscht", sagte Justizministerin Loretta Lynch. "Sie hat direkt zu einer internationalen Finanzkrise beigetragen."

Der US-Hypothekenvergleich wird sich für die Deutsche Bank im vierten Quartal deutlich bemerkbar machen. Für das Vorsteuerergebnis der letzten drei Monate 2016 sei wegen der Geldbuße mit einem negativen Effekt von knapp 1,2 Milliarden Dollar zu rechnen, schrieb Vorstandschef John Cryan in einem Brief an die Mitarbeiter.

Für Vorstandschef John Cryan ist das Verhandlungsergebnis ein befreiender Schritt. Als die ursprüngliche Forderung der Amerikaner vergangenen Herbst durchsickerte, sorgte das vorübergehend für einen regelrechten Absturz der Deutschen Bank an der Börse. Denn viele Anleger befürchteten, eine solche Summe könne das Institut mit seiner vergleichsweise dünnen Kapitaldecke überfordern und gar eine Rettung durch den Staat nötig machen. Kunden zogen Gelder im Milliardenvolumen ab.

Zahlreiche Details zum zweifelhaften Geschäftsgebahren

Kurz vor Weihnachten wurde bekannt, dass die Deutsche Bank im Hypothekenstreit am Ende deutlich billiger davon kommt. Dem Geldhaus war eine Grundsatzeinigung mit den US-Behörden gelungen. In dem geschlossenen Vergleich einigten sich die größte deutsche Bank und das US-Justizministerium auf 3,1 Milliarden Dollar Zivilbuße und 4,1 Milliarden Dollar für die Entschädigungen von Kunden in den USA in den nächsten fünf Jahren.

Doch in Schriftform gegossen wurde die Abmachung erst jetzt, wenige Tage vor dem Präsidentenwechsel in den USA - garniert mit zahlreichen Details zum zweifelhaften Geschäftsgebaren der Frankfurter auf dem einst so lukrativen US-Immobilienmarkt: Demnach kaufte die Deutsche Bank dort vor der Finanzkrise im großen Stil faule Hypotheken auf, bündelte diese in hochkomplexe Wertpapiere und verkaufte sie an Anleger auf der ganzen Welt.

Als die Bonds mit dem Einbruch auf dem Häusermarkt 2007 auf einen Schlag wertlos wurden, verloren viele Investoren Geld und fühlten sich getäuscht. Das Brisante dabei: Während die Deutsche Bank die Papiere nach außen als sicheres Investment verkaufte, wettete sie intern längst auf den großen Crash, wie 2011 schon aus einem vernichtenden Untersuchungsbericht des US-Senats hervorgegangen war. Hollywood inspirierte das später zum Zockerfilm "The Big Short".

Cryan: "Nicht akzeptabel"

Vorstandschef Cryan, im Sommer 2015 mit dem Versprechen angetreten, in der Bank konsequent auszumisten, zog sich nun das Büßerhemd an: "Unser Verhalten in dieser Angelegenheit in den Jahren 2005 bis 2007 entspricht nicht unseren Standards und ist nicht akzeptabel", sagte der Brite. "Wir entschuldigen uns uneingeschränkt dafür. Wir haben uns inzwischen aus vielen der betroffenen Geschäfte zurückgezogen und unsere Standards umfassend verbessert."

Mit der Credit Suisse hatte sich das US-Justizministerium ebenfalls kurz vor Weihnachten auf 5,3 Milliarden Dollar geeinigt, davon 2,5 Milliarden in bar. Zum Stand der Dinge mit den Schweizern äußerte sich Loretta Lynch zunächst nicht. Die parallel geführten Verhandlungen mit der britischen Bank Barclays waren dagegen Ende 2016 geplatzt. Der Streit geht nun wohl vor Gericht.

Die Deutsche Bank kann die Strafe nach Einschätzung der meisten Analysten ohne Kapitalerhöhung stemmen. Doch schwelen nach wie vor noch andere große Rechtsstreitigkeiten, etwa der Geldwäsche-Skandal in Russland. Auch hier ermitteln die US-Behörden an vorderster Front.

Die Aufarbeitung dieser Affäre bindet intern ebenfalls viele Ressourcen, wie Insider berichten. Dabei würde sich Cryan gerne wieder verstärkt strategischen Themen widmen. Denn einige mächtige Großinvestoren scharren mit den Hufen - sie wünschen sich abermals eine Überarbeitung des Geschäftsmodells. Hier werden im Frühjahr, spätestens zur Hauptversammlung im Mai, Korrekturen erwartet. Dabei geht es laut Finanzkreisen vor allem um die Zukunft der Postbank, die sich als unverkäuflich erweist, und um weitere Einschnitte im Investmentbanking.

kig/Reuters

insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fatherted98 18.01.2017
1. Schade...
....ich hätte mit dem Doppeltem gerechnet....wirklich Schade. Und leider bleiben die Vorstände und Manager der DB strafrechtlich in den USA unbehelligt....
Cologne65 18.01.2017
2. Wirtschaftskrieg
Alle schimpfen über Trump und der ist noch nicht einmal im Amt. Dabei war es der in Deutschland heiß geliebte Obama unter dessen Führung europäische Spitzentechnologie ausspioniert wurde und europäische Banken Reihenweise zu Milliardenstrafen verurteilt wurden. Hat eigentlich Microsoft jemals seine Strafe wegen Kartellrechtsverletzung gezahlt?
mantrid 18.01.2017
3. Und die wirklich Verantwortlichen?
Es muss endlich eine Regelung her, dass Unternehmen die Verursacher solcher Schäden in Regress nehmen müssen. Da reicht es nicht aus Boni zurückzufordern, sondern es muss notfalls bis zur Pfändungsfreigrenze gepfändet werden. Wer Millionen-Gehälter kassiert, muss auch mit seinem Vermögen für angerichtete Schäden einstehen, damit die Ackermanns, Winterkorns usw. dieser Welt nicht ungeschoren ganze Volkswirtschaften in den Abgrund stürzen.
spon_3511963 18.01.2017
4. Nun hat das Institut eine Sorge weniger
Dieser so genannten Sieg ist kein Grund um sich zufrieden zurück zu legen. Besser wäre eine Nachricht wie viele Baustellen die DB noch hat!
dasdondel 18.01.2017
5. diesmal wirklich ?
oder stellt sich in drei Tagen, nachdem die Aktienkurse ordentlich Gewinn in die richtigen Taschen gespült hat, heraus, daß doch noch was kommt ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.