Gehaltsgefälle Deutsche Bank verteilt Milliarden-Boni

Der selbstverordnete Kulturwandel zeigt bislang kaum Wirkung: Investmentbanker verdienen bei der Deutschen Bank noch immer dreimal so viel wie Filialmitarbeiter. Der Grund sind Boni im Gesamtwert von 2,2 Milliarden Euro.

Sitz des Investmentbankings: Das Winchester House der Deutschen Bank in London
Deutsche Bank

Sitz des Investmentbankings: Das Winchester House der Deutschen Bank in London


Frankfurt - "Mehr Kundennähe! Das ist die Devise." So umschrieb Jürgen Fitschen kürzlich im "Handelsblatt" jenen Kulturwandel, den er und Co-Chef Anshu Jain der Deutschen Bank Chart zeigen verordnet haben. Doch bei den Gehältern ist von diesem Wandel bislang wenig zu spüren - das zeigt der am Montag vorgelegte Geschäftsbericht des größten deutschen Geldhauses.

Demnach verdient ein Investmentbanker knapp dreimal soviel wie ein Mitarbeiter im Privatkundengeschäft. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Kapitalmarktgeschäft lag 2012 bei gut 170.000 Euro. Im Filialgeschäft kam ein Banker dagegen im Schnitt auf rund 59.000 Euro.

In der schwächelnden Vermögensverwaltung verdiente ein Mitarbeiter durchschnittlich mehr als 123.000 Euro. Konzernweit liegt der Durchschnittsverdienst bei gut 103.000 Euro.

Grund für die großen Gehaltsunterschiede sind die Boni, die im Investmentbanking traditionell am höchsten sind. Dort bekamen die knapp 28.700 Mitarbeiter insgesamt 2,2 Milliarden Euro an Prämien, während die rund 45.500 Mitarbeiter im Privatkundengeschäft nur 262 Millionen Euro an Boni einstrichen.

Diese Unterschiede sorgen immer wieder für Unmut unter den Filialmitarbeitern in Deutschland. Ein großer Teil der variablen Vergütung wird mittlerweile branchenweit auf Druck der Regulierer über mehrere Jahre gestreckt ausgezahlt, da die Ausrichtung der Boni an kurzfristigen Zielen als eine Ursache für die Finanzkrise gilt. Zudem können die Ansprüche auch verfallen, wenn sich der Erfolg nicht als nachhaltig herausstellt.

Insgesamt verdiente die Bank im vergangenen Jahr wegen hoher Kosten für Rechtsstreitigkeiten nur weniger als 300 Millionen Euro. Dabei war das Investmentbanking Hauptgewinnbringer, da viele Risikoposten in die interne Bad Bank ausgelagert wurden.

Der Vorstand, einschließlich ausgeschiedener Mitglieder wie Ex-Chef Josef Ackermann, verdiente 26,3 Millionen Euro, rund ein Drittel weniger als im Vorjahr. Die beiden neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen kassierten jeweils 4,8 Millionen Euro - und damit zusammen so viel wie ihr Vorgänger Ackermann allein verdiente. Privatkundenchef Rainer Neske und Finanzchef Stefan Krause erhielten jeweils knapp 3,1 Millionen Euro.

dab/Reuters



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