Deutsche Bank Investmentbanking-Vorstand offenbar vor dem Abschied

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe: Nach Gerüchten um die Ablösung von Vorstandschef John Cryan verhandelt wohl auch der Chef der Investmentbanking-Sparte über seinen Abschied.

Zentrale der Deutschen Bank
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Zentrale der Deutschen Bank


Im Management der Deutschen Bank deuten sich größere Personalwechsel an. Nachdem Aufsichtsratschef Paul Achleitner offenbar Vorstandschef John Cryan ablösen will, könnte auch der Co-Chef des kriselnden Investmentbankings das Institut verlassen.

Der Südafrikaner Garth Ritchie habe Gespräche über einen Abschied von dem Institut geführt, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Verhandlungen dauerten an und es sei noch keine Entscheidung gefällt worden. Der Vorstandsvertrag des 49-Jährigen läuft noch bis Ende 2018. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

Gegenüber Mitarbeitern wies Ritchie die Medienberichte über seinen möglichen Rücktritt zurück. Es handle sich um "Spekulationen" schrieben Ritchie und sein Co-Chef Marcus Schenck in einer internen E-Mail an Mitarbeiter, die der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegt und deren Inhalt von der Deutschen Bank bestätigt wurde. Die Mitarbeiter werden darin gebeten, sich nicht ablenken zu lassen und fokussiert zu bleiben.

Suche nach Cryan-Nachfolger

Ein Wechsel an der Spitze der Bank gilt dagegen als ausgemacht. Die Suche nach einem Nachfolger für Cryan läuft, befindet sich aber in einem frühen Stadium. Als ein Kandidat gilt nach SPIEGEL-Informationen der frühere UBS-Manager Jürg Zeltner.

Achleitner und Cryan waren sich zuletzt nicht über die Strategie einig. Auch einige Großaktionäre sind schon seit Längerem unzufrieden mit dem Kurs von Deutschlands größtem Geldhaus. Andere, wie der amerikanische Großaktionär Blackrock sowie die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stehen jedoch hinter Cryan.

Auch Vorstandsmitglied Kim Hammonds steht nach scharfen Aussagen gegen ihren Arbeitgeber in der Kritik. Sie soll bei einer Tagung der obersten Führungskräfte gesagt haben, die Deutsche Bank sei die "unfähigste Firma", in der sie je gearbeitet habe. Trotz ihrer Beschwichtigungsversuche kursieren Gerüchte, Hammonds Äußerungen könnten sie den Job kosten.

Investmentbanking auf dem Prüfstand

Das Investmentbanking, das von Ritchie zusammen mit Schenck geleitet wird, steht zwar immer noch für einen Großteil der Erträge, kostet wegen der hohen Boni allerdings auch viel Geld. Zudem verliert die Deutsche Bank in dem prestigeträchtigen Geschäft Marktanteile gegenüber den US-Wettbewerbern.

Derzeit überprüft die Bank vor allem den Handel mit Anleihen, Aktien, Devisen und Rohstoffen - insbesondere in den USA, aber nicht ausschließlich dort, berichtete ein Insider kürzlich. Am Ende des umfassenden Checks sollen Empfehlungen an den Vorstand stehen. Diese könnten theoretisch auch weitere Stellenstreichungen und den Rückzug aus speziellen Aktivitäten beinhalten oder auch die Stärkung einzelner Geschäftsfelder.

Ritchie, der über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung im Handel verfügt, arbeitet seit 1996 bei der Bank. Seit 2016 gehört er dem Vorstand an - zunächst als Handelschef. Im vergangenen Jahr legte die Deutsche Bank den Handel und das Beratungsgeschäft wieder zusammen, seitdem leitet Ritchie die Sparte gemeinsam mit Schenck.

brt/dpa/Reuters

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