Jahrelanger Streit Deutsche Bank prüft Vergleich mit Kirch-Erben

Die Deutsche Bank sucht im jahrelangen Kirch-Streit einen Ausweg - und prüft nach SPIEGEL-Informationen einen Vergleich. Dieser könnte eine Anklage wegen Prozessbetrugs gegen Co-Chef Fitschen verhindern. Aber es dürfte teuer werden.

Jürgen Fitschen: Beratung unter Ausschluss des Co-Chefs
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Jürgen Fitschen: Beratung unter Ausschluss des Co-Chefs


München - Die Staatsanwaltschaft München treibt die Deutsche Bank und ihren Co-Chef Jürgen Fitschen in dem Verfahren um den verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch in die Enge. Die ermittelnde Staatsanwältin Christiane Serini hat Fitschen bei seiner Vernehmung im Januar offenbar gewarnt: Sie könne den Vorwurf des Prozessbetrugs in einem besonders schweren Fall ausdehnen, falls die Deutsche Bank auch gegenüber dem Bundesgerichtshof (BGH) ihre aus Sicht der Staatsanwaltschaft falsche Darstellung aufrechterhalte. Dadurch würden für die Deutsche Bank die Chancen in dem noch immer laufenden Schadensersatzprozess weiter sinken, den die Kirch-Erben gegen sie führen.

Deshalb wägt man nach SPIEGEL-Informationen in Frankfurt nun die Vorteile eines Vergleichs ab. Ein solcher könnte außerdem eine Anklage wegen Prozessbetrugs gegen Fitschen und womöglich einige seiner Ex-Kollegen verhindern. Darüber soll am vergangenen Dienstag der Vorstand beraten haben, ohne Fitschen und Rechtsvorstand Stephan Leithner, die in der Sache befangen sind. Die Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Kirchs Erben werfen dem früheren Bankchef Rolf Breuer vor, er habe seinerzeit den Medienkonzern mit einem Interview in die Pleite getrieben, um ein lukratives Sanierungsmandat zu erhalten. Sie verlangen mindestens zwei Milliarden Euro Schadensersatz, das Oberlandesgericht München hat den Anspruch dem Grunde nach bestätigt. Dagegen wehrt sich die Bank vor dem BGH. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Breuer und andere Ex-Vorstände der Bank, vor dem Oberlandesgericht falsch ausgesagt zu haben. Die Manager hatten erklärt, die Bank habe kein Interesse an einem Kirch-Mandat gehabt. Fitschen, so sieht es die Staatsanwaltschaft, soll die falsche Darstellung seiner Kollegen gedeckt haben.

Serini legte Fitschen nun Beweise und Indizien vor, dass die Deutsche Bank tatsächlich damit geliebäugelt hatte, mit Kirch vor dessen Insolvenz ins Geschäft zu kommen. Vor zwei Jahren hatte der damalige Bankchef Josef Ackermann schon einmal einen Vergleich angestrebt, eine Summe von 800 Millionen Euro stand im Raum. Diesmal dürfte die Sache für die Bank teurer werden.

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