Deutsche Bank Vorstand verzichtet auf Boni

Rote Zahlen, vermutlicher Stellenabbau: Der Vorstand der Deutschen Bank will deshalb von eigenen Boni absehen. Die Zulage für Mitarbeiter soll aber bleiben.

John Cryan
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John Cryan


Der Vorstand der Deutschen Bank verzichtet auch in diesem Jahr einem Medienbericht zufolge auf Boni. Die zusätzlichen Zahlungen für die Mitarbeiter des kriselnden Geldhauses hingegen werde wie geplant fließen, sagte Konzernchef John Cryan nach Angaben von "Zeit Online" auf einer Veranstaltung im US-Bundesstaat Texas. Personalvorstand Karl von Rohr bestätigte die Angaben am Sonntag.

Ein Grund dafür könnte auch die umstrittene Fusion der Deutschen Bank und der Postbank sein. Die Zusammenlegung soll nach Informationen der "Welt am Sonntag" Tausende Jobs kosten. Zudem verzeichnete Deutschlands größtes Geldhaus 2017 unter dem Strich zum dritten Mal in Folge rote Zahlen. Knapp eine halbe Milliarde Euro Verlust stand Ende 2017 in den Büchern. Aus der Politik gab es deshalb zuletzt Kritik daran, dass die Deutsche Bank Chart zeigen trotzdem plante, Boni auszahlen.

Trotz Verlusten: Milliarden-Boni an Mitarbeiter

2015 hatte die Bank ein Rekordminus von rund 6,8 Milliarden Euro verbucht, 2016 lag das Minus bei 1,4 Milliarden Euro. Während die Vorstandsboni nun gestrichen werden sollen, will die Deutsche Bank aber weiterhin an Zusatzzahlungen für Mitarbeiter festhalten. Die sollen für 2017 etwa zwei Milliarden Euro betragen. Das sagte der Personalvorstand Karl von Rohr am Sonntag. Zuvor hatte Vorstandschef Cryan von rund einer Milliarde gesprochen.

Er wisse nicht, woher das Geld kommen solle, sagte Cryan dazu laut "Zeit Online". "Die variable Vergütung wird nicht ganz so hoch wie 2015 ausfallen, aber deutlich höher als 2016", sagte er demnach am Rande des Technologie-Festivals im Gespräch mit dem Onlinemedium. Mit variabler Vergütung ist ein Bonussystem gemeint, das auf individuelle Leistungen ausgerichtet ist.

"Wir hatten unseren Mitarbeitern versichert, dass wir zum regulären Vergütungssystem zurückkehren wollen. Es wäre nicht angemessen, den Mitarbeitern jetzt zu sagen, das wird nun nichts, weil kurz vor Weihnachten in den Vereinigten Staaten eine Steuerreform verkündet wurde. Es handelt sich ja um einen negativen buchhalterischen Einmaleffekt, in dessen Folge wir nun höhere Gewinne erzielen", erklärte von Rohr.

Schon 2017 Vorstandsboni gekürzt

Obwohl die Bank 2017 viele Erfolge erzielt habe, fühle sich der Vorstand dafür verantwortlich, nicht alle Ziele erreicht zu haben. Deshalb verzichte die Führung abermals auf die Bonuszahlungen, sagte Cryan laut "Zeit Online". Cryan will die Deutsche Bank nach drei Verlustjahren in Folge 2018 in die Gewinnzone zurückführen.

2017 hatte die Deutsche Bank die Boni für alle Mitarbeiter bereits drastisch gekürzt. Der Bonuspool für 2016 nahm im Vergleich zum Vorjahr um fast 80 Prozent auf rund 500 Millionen Euro ab. Schon seit Jahren schrumpft der Topf für die variable Vergütung: Für 2013 waren es 3,2 Milliarden Euro, ein Jahr später 2,7 Milliarden, für 2015 flossen 2,4 Milliarden Euro.

Der Dax-Konzern Chart zeigenveröffentlicht am 16. März seinen Geschäftsbericht für 2017, aus dem unter anderem auch Angaben zur Vorstandsvergütung hervorgehen.

ans/dpa



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Seite 1
revirement 11.03.2018
1. Au weia...
«Zuvor hatte Vorstandschef Cryan von rund einer Milliarde gesprochen. Er wisse nicht, woher das Geld kommen solle, sagte Cryan dazu laut "Zeit Online".» Um Himmels Willen, was für ein Unsinn. Was eigentlich bei der Konkurrenz steht, ist das: «Bisher war in Medienberichten von einer Bonussumme von rund einer Milliarde Euro die Rede. Die Höhe dieser Summe dementierte Cryan in Austin: "Ich weiß nicht, woher die Milliarde kommt."» Es ist etwas völlig anderes, nicht zu wissen, woher eine bestimmte Zahl kommt, über die diskutiert wird; als nicht zu wissen, woher man das Geld nehmen soll.
Knackeule 11.03.2018
2. die Bank, die Leiden schafft
"Die Boni sollen für 2017 etwa zwei Milliarden Euro betragen. Das sagte der Personalvorstand Karl von Rohr am Sonntag. Zuvor hatte Vorstandschef Cryan von rund einer Milliarde gesprochen. Er wisse nicht, woher das Geld kommen solle, sagte Cryan dazu". Tja, irgenwie wird schon anhand dieser internen Vorstandskommunikation klar, dass in der deutschen Bank gewaltig der Wurm drin ist, wenn schon die Spitzen-Manager nicht mehr wissen, was eigentlich Sache ist. "Deutsche Bank, die Bank, die Leiden schafft".
gammoncrack 11.03.2018
3. Man sollte das System der Bonus-Zahlungen schon kennen,
bevor man hier kommentiert. Jedes Vorstandsmitglied unterliegt einer sogenannten Zielvereinbarung. Wird eine solche Zielvereinbarung ganz oder teilweise (nach Prozenten abgestuft) erfüllt, wird ein Bonus gezahlt. Diese Zielvorgaben werden im Vorstandsvertrag festgelegt. Wenn nun aufgrund der Zielvorgaben Bonuszahlungen fällig werden, obwohl das Gesamtergebnis des Konzerns nicht stimmt, greift natürlich trotzdem die vertragliche Regelung. Wenn z. B. die Strafzahlungen in den USA, verursacht durch ehemalige Vorstände, nicht Gegenstand der Zielvereinbarung sind, was ich mir übrigens als unbeteiliger Vorstand auch verbitten würde, dann muss gezahlt werden. HIer verzichten nun die Vorstände trotzdem auf ihre Boni. Die Gesamtboni beziehen aber alle MItarbeiter ein, von der Führungskraft der ersten Ebene bis hin zum Pförtner. Und die werden vermutlich gezahlt, obwohl es aufgrund des Ergebnisses nicht gerechtfertigt wäre.
TS_Alien 11.03.2018
4.
Zitat von gammoncrackbevor man hier kommentiert. Jedes Vorstandsmitglied unterliegt einer sogenannten Zielvereinbarung. Wird eine solche Zielvereinbarung ganz oder teilweise (nach Prozenten abgestuft) erfüllt, wird ein Bonus gezahlt. Diese Zielvorgaben werden im Vorstandsvertrag festgelegt. Wenn nun aufgrund der Zielvorgaben Bonuszahlungen fällig werden, obwohl das Gesamtergebnis des Konzerns nicht stimmt, greift natürlich trotzdem die vertragliche Regelung. Wenn z. B. die Strafzahlungen in den USA, verursacht durch ehemalige Vorstände, nicht Gegenstand der Zielvereinbarung sind, was ich mir übrigens als unbeteiliger Vorstand auch verbitten würde, dann muss gezahlt werden. HIer verzichten nun die Vorstände trotzdem auf ihre Boni. Die Gesamtboni beziehen aber alle MItarbeiter ein, von der Führungskraft der ersten Ebene bis hin zum Pförtner. Und die werden vermutlich gezahlt, obwohl es aufgrund des Ergebnisses nicht gerechtfertigt wäre.
Erst wenn ein Geschäft vollständig abgeschlossen ist, inklusive aller Nebengeschäfte und Absicherungen, weiß man, ob es der Bank Gewinne gebracht hat oder nicht. Das kann Jahre oder Jahrzehnte dauern. Mir ist kein Fall bekannt, in dem die Bankangestellten so lange auf ihre Boni gewartet haben. Tatsächlich gibt es jährliche Bonuszahlungen, die oftmals für reine Papiergewinne gewährt werden. Wäre es anders, hätten die Großbanken 2008 niemals vor der Pleite gestanden.
FX922 11.03.2018
5. Abgrenzung
Jeder Hobby-Controller weiß, dass unterjährig und am Jahresende auch Bonus abgegrenzt wird. Sprich, ein verringerter Bonus trifft erst in diesem Jahr die P&L, da meist am Jahresabschluss, wenn man die Abgrenzung noch reduzieren könnte, es noch keine Erkenntnisse zum finalen Bonus gibt. Da man vermutlich den Verlust durch einen Einmaleffekt im letzten Jahr sieht, gibt es dieses Jahr keinen Grund für eine Reduktion des Bonus.
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