Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Deutsche-Bank-Chefs Jain und Fitschen: Abgang mit Ansage

Von

Jain und Fitschen im Mai: "Wer ist schon unersetzlich?" Zur Großansicht
REUTERS

Jain und Fitschen im Mai: "Wer ist schon unersetzlich?"

Die Deutsche-Bank-Chefs müssen gehen. Aktionäre und Arbeitnehmervertreter wollten vor allem Anshu Jain nicht mehr an der Spitze des größten deutschen Geldhauses sehen. Nun soll der Brite John Cryan einen Neuanfang versuchen - schon wieder.

"Wer ist schon unersetzlich?", hat Paul Achleitner vor ein paar Wochen vieldeutig gefragt. Eine Antwort hat der Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef nun selbst gegeben: Anshu Jain und Jürgen Fitschen sind es jedenfalls nicht.

Die beiden Co-Chefs des größten deutschen Geldhauses treten zurück. Das hat der Aufsichtsrat unter Achleitners Führung am Sonntag beschlossen - und auch gleich einen Nachfolger aus den eigenen Reihen präsentiert: John Cryan, bisher Deutsche-Bank-Kontrolleur, soll die Bank von sofort an leiten. Co-Chef Fitschen steht ihm dabei noch knapp ein Jahr zur Seite, Jain muss dagegen schon Ende Juni abtreten. Das lässt erahnen, mit wem die Aufsichtsräte tatsächlich unzufrieden waren.

Jains Rauswurf kommt nicht überraschend, aber überraschend schnell. Noch Ende April hatten er und Fitschen ihre neue Strategie für die kommenden fünf Jahre vorgestellt - mit der vollen Rückendeckung von Aufsichtsratsboss Achleitner. Unter anderem wollten sie die Konzerntochter Postbank verkaufen und rund 200 Filialen der Deutschen Bank dichtmachen. Privatkundenchef Rainer Neske war deshalb enttäuscht zurückgetreten.

Doch die neue Strategie kam bei den Investoren ebenso schlecht an wie die bisherige Bilanz der beiden Deutsche-Bank-Chefs. Als Jain und Fitschen ihre Posten Mitte 2012 von ihrem Vorgänger Josef Ackermann übernommen hatten, waren die Erwartungen noch groß: Einen Kulturwandel wollten die beiden der Bank verordnen - und trotzdem noch hohe Renditen erzielen.

Mickrige Renditen, immer neue Skandale

Doch beides ging gründlich schief. Die Renditen waren mickrig und der Kulturwandel für die meisten Beobachter wenig überzeugend. Immer wieder war die Bank in Skandale verwickelt - immer wieder musste sie dafür Milliardenstrafen zahlen, die ihr die Gewinne vermasselten. Zuletzt akzeptierte die Bank Ende April eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar für ihre Rolle im Skandal um manipulierte Zinssätze - der Libor-Skandal. Vor allem die britische Finanzaufsicht monierte dabei den offenbar mangelnden Willen der Bank, die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten. Kurz darauf erschütterte auch noch ein Geldwäsche-Skandal in Russland den Konzern. Angeblich soll es dabei um sechs Milliarden Dollar Schwarzgeld gehen.

Fotostrecke

8  Bilder
Anshu Jain: Bilder einer kurzen Karriere
Der Aufsichtsrat hat die Skandale und deren schleppende Aufarbeitung lange erduldet - selbst als kurz vor der Hauptversammlung namhafte Investoren einen grundlegenden Umbau der Führungsspitze forderten, blieben Jain und Fitschen zunächst im Amt, auch wenn sich Achleitner bereits vorsichtig von ihnen distanzierte.

Den Ausschlag für die Ablösung dürfte am Ende das Votum der Aktionäre bei der Hauptversammlung Ende Mai gelegen haben. Damals stimmten rund 40 Prozent der Aktionäre gegen die Entlastung des Vorstands - ein historisch schlechter Wert. Normalerweise werden Vorstände mit Zustimmungsquoten von mehr als 90 Prozent entlastet.

Warum Aktionärsberater erleichtert sind

Entsprechend erleichtert reagierten Aktionärsvertreter am Sonntag auf den Rücktritt von Jain und Fitschen. "Wir begrüßen die Reaktion des Aufsichtsrats zeitnah zur Hauptversammlung", sagt Hans-Christoph Hirt vom einflussreichen britischen Aktionärsberater Hermes SPIEGEL ONLINE. "Um die großen Herausforderungen der Bank in den Griff zu bekommen, war ein wirklicher Neuanfang unausweichlich." Auch für Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment kommt der Schritt nicht überraschend: "Der Aufsichtsrat zieht die Konsequenzen aus dem Abstimmungsdesaster auf der Hauptversammlung."

Druck war zuletzt auch aus dem Arbeitnehmerlager der Bank gekommen. So hatte der Betriebsrat der Frankfurter Zentrale kurz nach der Hauptversammlung auf Flugblättern den Rücktritt von Co-Chef Jain gefordert, der als langjähriger Chef des Investmentbankings für die Skandale der Vergangenheit verantwortlich war. Auch im Aufsichtsrat sollen die Arbeitnehmervertreter dem Vernehmen nach zuletzt ihren Unmut deutlich gemacht haben. Dort sitzt unter anderem der Chef der Gewerkschaft Ver.di, Frank Bsirkse. Ein Ver.di-Sprecher sagte auf Anfrage, man respektiere und würdige, dass Jain und Fitschen die Interessen der Bank über ihre eigenen stellten.

Ob der neue Chef nun alles besser macht? Ein Bankier alter Schule, wie ihn sich mancher in Frankfurt als Deutsche-Bank-Chef wünscht, ist John Cryan jedenfalls auch nicht. Von 2008 bis 2011 war der Brite Finanzchef der Schweizer Bank UBS, danach Europa-Chef des gigantischen singapurischen Staatsfonds Temasek, wo er Milliarden verwaltete. Beim britischen Hedgefonds Man Group sitzt er im Aufsichtsrat. Nun soll er bei der Deutschen Bank die Strategie fortsetzen, die Jain und Fitschen kürzlich noch als ihre vorgestellt haben. Für eine Übergangsphase hat er dazu Fitschen noch an seiner Seite.

Cryan gilt als Achleitners Mann, der Aufsichtsratschef hatte den Briten bereits 2013 in das Kontrollgremium der Bank geholt. Schon kurz darauf wurde Cryan als möglicher Nachfolger von Jain gehandelt, falls der über einen der vielen Skandale stürzen sollte.

Nun ist es also soweit. Cryan ist der neue Mann an der Spitze und damit fürs Erste unersetzlich.

Video zum Wechsel bei der Deutschen Bank:

Mitarbeit: Martin Hesse

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 87 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Deutsche Bank ist wie Griechenland!
chrimirk 07.06.2015
Thema ohne Ende und mit Geldverlust verbunden. Daher: Alles bei der D. B. kündigen, solange es noch geht!
2.
soalso 07.06.2015
herzlichen glühstrumpf, liebe stammtischaktionäre. nach dem inder jain nun der tiger aus dem zentrum der finanzhölle. gut gemacht!
3. Der Kulturwandel beginnt!
stanzer 07.06.2015
Es wurde Zeit für die beiden Herren. Vielleicht weiss der Brite Rat. Das Vertrauen ist nur mühselig wieder herzustellen.Auch für die Deutsche Bank gilt analog Mark Twains Zitat: The report of my (her) death was an exaggeration.
4. DEUTSCHE Bank?
soklami 07.06.2015
Diese Bank kommt offenbar nicht aus den Schlagzeilen - skandalös! Seit Jahren stehen Ausländer dieser DEUTSCHEN Bank vor - wird es nicht Zeit, einen deutschen Vorstand zu benennen und ihn in die Pflicht zu nehmen, diese Bank wieder auf solide Bahnen zu lenken!? Spekulationsgeschäfte gehören jedenfalls nicht dazu, schaden letztendlich uns Bürgern!
5. Ackermanns Erbe
whitemouse 07.06.2015
Eigentlich müssen doch alle glücklich sein, dass die Dt.Bank nicht als kriminelle Vereinigung eingestuft worden ist.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: