Geldhaus in Not Albtraum Deutsche Bank

Der Aktienkurs fällt, Investoren spekulieren über eine Pleite: Wie schlimm ist die Lage bei der Deutschen Bank? Soll der Staat einspringen? Was müssen Kunden wissen? Drei Fakten.

Deutsche-Bank-Zentrale
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Wenn die Deutsche Bank die "Bild"-Zeitung braucht, wird es ernst. Das war schon in der Finanzkrise so, als der damalige Bankchef Josef Ackermann Anfang 2009 bei einem Empfang in Berlin kollabierte und anschließend per "Bild"-Interview die Finanzwelt beruhigen musste: Schuld seien nur der Stress und zwei Würstchen mit Kraut gewesen.

Diesmal ist die Lage wohl noch ernster als damals. Die Deutsche Bank steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte. An den Finanzmärkten wetten Investoren bereits auf eine Pleite des größten deutschen Geldhauses. Seit Tagen wird darüber spekuliert, ob der Staat sie retten soll.

Eine Rettung durch den Staat sei für die Bank kein Thema, musste Vorstandschef John Cryan denn auch am Mittwochmorgen eilig per Boulevardblatt verkünden. Die Situation des Konzerns sei "viel besser, als sie von außen wahrgenommen wird".

Das kann man so sehen oder nicht. Fest steht: Viele Investoren, Experten und selbst eigene Mitarbeiter haben den Glauben verloren, dass die Bank die Wende noch schafft. Und wie die "Zeit" berichtet, bereitet sich auch die Bundesregierung mit einem Notfallplan darauf vor, der Bank helfen zu müssen - auch wenn die Bundesregierung das umgehend dementierte.

Wie schlimm ist die Lage? Muss die Bundesregierung einspringen? Und was bedeutet das alles für die Sparer? Antworten auf die wichtigsten Fragen.


Wie schlecht steht es wirklich um die Bank?

Auch wenn John Cryan gerne betont, dass der Eindruck der Schwäche täuscht und es seinem Unternehmen eigentlich prima geht: Entscheidend für die Stabilität einer börsennotierten Bank ist leider die Außenwahrnehmung. Denn ohne das Vertrauen von Investoren und Kunden kann selbst die gesündeste Bank auf Dauer nicht überleben.

Glaubt man den Finanzmärkten, dann steht es ziemlich schlecht um die Bank. Der Aktienkurs ist in den vergangenen eineinhalb Jahren um zwei Drittel eingebrochen und dümpelt mittlerweile bei unter elf Euro - so tief wie noch nie (siehe Grafik). Nicht einmal mehr 15 Milliarden Euro ist der einstige Stolz der deutschen Wirtschaft noch wert. Peanuts, wie ein ehemaliger Bankchef in einem anderen Zusammenhang mal sagte.

Wie tief das Misstrauen der Investoren sitzt, zeigt vor allem eine Zahl: Geht man nach dem Aktienkurs, bewerten die Anleger das Unternehmen Deutsche Bank gerade mal noch mit knapp 24 Prozent seines Buchwerts. Das ist eine katastrophale Zahl, denn sie zeigt, dass die Investoren entweder an der Qualität der Vermögenswerte in der Bilanz zweifeln - oder aber an der Bilanzierung der Bank selbst.

Auch ist die Nachfrage nach sogenannten Kreditausfallversicherungen zuletzt drastisch gestiegen. Die Preise für solche Credit Default Swaps (kurz: CDS) liegen wieder auf dem Niveau wie zuletzt in Zeiten der Finanzkrise. Um eine Forderung von 100.000 Euro abzusichern, müssen die Investoren bei der Deutschen Bank eine jährliche Prämie von rund 2420 Euro zahlen (siehe Grafik). Im März 2015 waren es noch 589 Euro. Daran sieht man, dass Investoren tatsächlich zunehmend auf eine Pleite wetten - oder sich dagegen absichern wollen.

Die Gründe für das Misstrauen liegen vor allem im schlechten Management der Vergangenheit. Auch nach der Finanzkrise setzte die Deutsche Bank vor allem auf ihre früher so erfolgreiche Investmentbanking-Sparte. Gleichzeitig musste sie immer wieder Milliarden Euro aufwenden, um jene Skandale beizulegen, die genau diese Sparte verursacht hatte. Auch die nach der Finanzkrise verschärfte Regulierung durch Staaten und Aufsichtsbehörden hat die Bank unterschätzt. In der Folge wurden aus Gewinnen teils massive Verluste (siehe Grafik).

Als akute Bedrohung belastet eine mögliche Strafzahlung in den USA die Bank. Das dortige Justizministerium fordert 14 Milliarden Dollar als Wiedergutmachung für windige Immobiliengeschäfte. So viel könnte die Bank nicht allein stemmen. Vorstandsboss Cryan hofft deshalb darauf, die Amerikaner noch runterhandeln zu können. Ob und wie weit das gelingt, ist allerdings offen.

Doch selbst wenn die Strafe hoch ausfällt: Plötzlich pleitegehen wird die Bank deswegen noch nicht. Sie sitzt auf Liquiditätsreserven von mehr als 200 Milliarden Euro. Als wahrscheinlicher gilt, dass sie einzelne Unternehmensteile verkaufen oder ihre Aktionäre um frisches Geld bitten müsste. Erst wenn das scheitern sollte, käme der deutsche Staat als möglicher Helfer ins Spiel.


Würde der Staat die Bank pleitegehen lassen?

Das ist höchst unwahrscheinlich. Auch wenn die Bundesregierung betont hat, dass eine Rettung der Deutschen Bank für sie kein Thema sei, wird sie im Ernstfall kaum darum herumkommen, ihr zu helfen. Zu bedrohlich wäre eine Pleite des Geldhauses für die deutsche Wirtschaft und das weltweite Finanzsystem.

Mit einer Bilanzsumme von 1,8 Billionen Euro gehört die Deutsche Bank immer noch zu den größten Banken der Welt. Viel größer etwa als die US-Investmentbank Lehman Brothers, deren Pleite das Weltfinanzsystem im Herbst 2008 unter Schock setzte. Erst kürzlich attestierte der Internationale Währungsfonds (IWF) der Deutschen Bank, dass diese wegen ihrer globalen Vernetzung das größte systemische Risiko in der Finanzwelt darstelle. Einen solchen Finanzgiganten einfach pleitegehen zu lassen, wäre fahrlässig, die wirtschaftlichen Folgen kaum absehbar.

Dennoch kann die Bundesregierung kein Bekenntnis zu einer möglichen Rettungsaktion im Ernstfall abgeben - weil dies politisch extrem heikel wäre. Schließlich waren es gerade Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU), die in Verhandlungen auf europäischer Ebene immer wieder darauf gepocht haben, dass eben nicht wieder die Steuerzahler zur Rettung von Banken herangezogen werden dürfen. Zuletzt haben sie dies noch im Falle der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi klargemacht.

Eine Abkehr von den eigenen hehren Prinzipien wäre politisch peinlich, aber ökonomisch dringend notwendig. Denn die Politik hat es seit der Finanzkrise immer noch nicht geschafft, sich von den großen Banken zu emanzipieren. Sie bleiben "too big to fail", zu groß um pleitezugehen.


Müssen sich Deutsche-Bank-Kunden um ihr Geld sorgen?

Die meisten Bankkunden dürfen weiter ruhig schlafen. Schließlich gilt in Deutschland ein gesetzlicher Einlagenschutz bis 100.000 Euro. Alles bis zu dieser Summe ist also selbst im unwahrscheinlichen Fall einer Bankenpleite vom Staat garantiert.

Darüber hinaus ist die Deutsche Bank auch Mitglied im Bundesverband deutscher Banken, der zusätzlich über ein eigenes Einlagensicherungssystem verfügt, das im Fall der Deutschen Bank theoretisch Anlegergelder bis in mehrstellige Millionenhöhe abschirmen soll. Bei kleineren Pleiten wie im Fall der deutschen Tochter von Lehman Brothers hat das stets zuverlässig funktioniert. Wie viel der dafür vorgesehene Fonds allerdings im Ernstfall einer großen Pleite oder gar Pleitewelle zahlen kann, ist ein Geheimnis.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes haben wir fehlerhafte Angaben zu den Liquiditätsreserven der Deutschen Bank gemacht. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

insgesamt 347 Beiträge
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Seite 1
Newspeak 28.09.2016
1. ...
"Too big to fail" heißt nur, daß man sich von den Gesetzen des Freien Marktes verabschiedet, den die Banker doch ansonsten so anbeten und deren Einhaltung sie sonst so fordern. Die Pleite der Deutschen Bank ist durch organisierte Kriminalität selbst verschuldet. Pech, wenn bei dem globalen Betrug auch noch andere ins Gras beissen.
Proggy 28.09.2016
2. Selbstverständlich wird gerettet
Egal, was Politiker zur Zeit sagen, es wird gerettet - mit Steuergeldern - und um jeden Preis. Es wird wieder um 'Systemrelevanz' und 'Unverzichtbarkeit' gehen, um 'Schaden' abzuwenden und 'Einmaligkeit' beschworen. Das der Sparer mit NIedrig- und Null-Zinsen seit Jahren die Politik der EZB finanziert und damit Staatsschulden abbaut (Kredite werden lieber zinslos an Staaten vergeben, statt an produzierende Betriebe) ist doch auch so eine verdeckte "Rettungsnummer".
panzerknacker 51 28.09.2016
3. Deutsche Bank
Ein gewisser Alfred Herrhausen rotiert im Grabe.
kladderadatsch 28.09.2016
4. Die Presse hilft den Leerverkäufern wie Soros
zuerst positioniert man sich und leiht die Aktien aus. Anschließend deckt man seine Position auf in der Hoffnung, dass sich andere Hedge-Fonds anschließen. Dann wird parallel zu schlechten Nachrichten leerverkauft, die Aktie fällt, weshalb man sie billiger zurückkaufen kann und alle schreien Soros hat es gesehen. Zu den schlechten Nachrichten, die die Presse aufgebauscht habt: Die DB braucht kein EK solange sie nicht 14 Mrd. Dollar zahlt, das scheint aber niemanden zu interessieren. Der Rechtsstreit kann noch Jahre gehen. Und Goldman Sachs hat Anfang dieses Jahres auf eine vergleichbare Vergleichsforderung von rd. 15 Mrd. 5 Mrd. $ gezahlt.
bigeagle198 28.09.2016
5. Sollen sie doch eine private
Spendenaktion anrühren. Vielleicht finden sich ja genügend Menschen. Ansonsten: Game Over!
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