Einladung zu einer Konferenz Deutsche Bank will Kritiker der Agrarspekulation besänftigen

Die Deutsche Bank geht auf ihre Kritiker zu und lädt Gegner der Rohstoffspekulation zu einem Dialog ein. "Es ist populär zu sagen, dass die Banken zum Hunger in der Welt beitragen. Aber das stimmt einfach nicht", sagte Co-Chef Fitschen in einem Zeitungsinterview.

Co-Chefs Fitschen, Jain: "Von außen wäre ich genauso hart in der Kritik"
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Co-Chefs Fitschen, Jain: "Von außen wäre ich genauso hart in der Kritik"


Hamburg - Das Investmentbanking, der Rohstoffhandel, die gesamte Kultur - die Deutsche Bank steht in vielerlei Hinsicht in der Kritik, nun macht das größte Kreditinstitut Deutschlands einen Schritt auf seine Gegner zu: Die Bank lädt Kritiker der Agrarspekulation zu Gesprächen ein. "Wir werden im nächsten Jahr die Kritiker zu einer wichtigen Konferenz einladen, um mit ihnen über Agrarmarktspekulation zu sprechen", sagte Jürgen Fitschen, Co-Chef der Bank zur "Süddeutschen Zeitung".

Verbraucherorganisationen wie Foodwatch werfen Agrarspekulanten wie der Deutschen Bank Chart zeigen oder der Allianz Chart zeigen vor, die Preise für Lebensmittel negativ zu beeinflussen und damit den Hunger in manchen Weltregionen zu befördern. Eine Gruppe von Ökonomen um den Wirtschaftsethiker Ingo Pies bestreitet dagegen die negativen Folgen der Spekulation. Die Gegner halten jedoch an ihrer Kritik fest.

Die Deutsche Bank hatte Anfang des Monats bekanntgegeben, aus dem physischen Handel mit Rohstoffen auszusteigen, nicht aber aus dem Handel mit Finanzprodukten. "Es ist populär zu sagen, dass die Banken zum Hunger in der Welt beitragen. Aber das stimmt einfach nicht", so Fitschen.

"Wir werden zu Recht kritisiert"

Die Deutsche Bank ist seit Amtsantritt der beiden Chefs Fitschen und Anshu Jain im vergangenen Sommer bemüht, einen Kulturwandel herbeizuführen und frühere Fehler zu korrigieren. Doch wo immer die Aufsichtsbehörden die krummen Geschäfte der Vergangenheit untersuchen: Die Deutsche Bank ist dabei - handle es sich um Ramschhypotheken, Währungstricks oder Zinsmanipulationen.

Zu einem aktuellen Vergleich mit der US-Behörde FHFA, bei dem die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro zahlen muss, sagte Fitschen, dass er zufrieden sei, dass die Bank "den Löwenanteil von diesem Vergangenheitsthema" hinter sich gebracht hätte. Zur Höhe der Rechtskosten insgesamt sagte Fitschen: "Es gibt keine Endsumme, wir befinden uns in einem laufenden Prozess." Eine Kapitalerhöhung schloss Co-Chef Anshu Jain nicht aus: "Wir bekennen uns zu hohen Kapitalstandards, mehr kann ich dazu nicht sagen."

Die Kritik an der Bank empfinden die beiden Chefs nicht als unfair, wie sie sagen. "Von außen wäre ich genauso hart in der Kritik. Wir werden zu Recht kritisiert. Das heißt nicht, dass ich mit jedem Kommentar über uns einverstanden wäre", sagte Jain.

Die Bank führe den Kulturwandel in der Branche an, betonten beide. Deswegen hätte sich Fitschen auch gegen den Vorwurf von Finanzminister Wolfgang Schäuble gewehrt: "Wenn wir in der Öffentlichkeit die Botschaft unkommentiert ließen, dass sich nichts verändert hätte, würden wir ein falsches Signal senden."

Der CDU-Politiker hatte kürzlich gesagt, die Kreativität der Banken sei weiterhin groß, die Regulierung zu umgehen. Fitschen bezeichnete die Vorwürfe als "populistisch und unverantwortlich". Der Streit entwickelte sich zu einem Duell der Rechthaber. Am Ende sollen sich die beiden jedoch bei einem Telefonat ausgesprochen haben.

"Ich bin heute kein Investmentbanker mehr", sagt Jain

Jain kritisierte in dem Interview, dass die Deutsche Bank in Deutschland "das Gesicht des Kapitalismus" sei und stellvertretend für die Marktwirtschaft infrage gestellt werde. "Niemand hinterfragt jedoch, ob der Wohlstand insgesamt niedriger wäre, wenn die Regeln der freien Marktwirtschaft nicht gelten würden", sagte Jain.

Die Bank sei heute viel sicherer als früher, sagte der gebürtige Inder weiter. "Ich bin heute kein Investmentbanker mehr, ich bin jetzt Co-Vorstandschef der gesamten Bank", betonte Jain. Investmentbanking sei für ihn keine Lebenseinstellung, sondern "ein Job".

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Freidenker10 21.12.2013
1. optional
Al Capone und Lucky Luciano laden zu einer Konferenz zum Thema " soziale Kompetenzen"! Was für eine Farce...
johannweiß 21.12.2013
2. Falsche Vorwürfe
Ich gebe der Deutschen Bank recht. Steigen die Preise (wie z.B. 2008), dann sind die Spekulationen schuld, wenn die Preise aber, wie seit 2008 geschehen, um 40 bis 60% fallen, dann wird das totgeschwiegen. Die Kritiker melden sich erst wieder zu Wort, wenn die Preise steigen, dann sind natürlich wieder die Spekulationen schuld. Abgesehen davon: Steigende Preise führen auch zu Mehreinnahmen in den Entwicklungsländern, weil sie mehr Geld für ihre Waren bekommen. Und jede Preissteigerung führt zu mehr Angebot an Lebensmittel, weil sich der Anbau mehr rentiert. Aufgrund des steigenden Angebots sinken dann die Preise wieder.
discprojekt 21.12.2013
3. Wer wetten
will, soll das tun. Betrug und zu Lasten der Bevoelkerungen der Erde aber nicht, liebe Banker und Aktionaere.
ex-optimist 21.12.2013
4.
Zitat von johannweißIch gebe der Deutschen Bank recht. Steigen die Preise (wie z.B. 2008), dann sind die Spekulationen schuld, wenn die Preise aber, wie seit 2008 geschehen, um 40 bis 60% fallen, dann wird das totgeschwiegen. Die Kritiker melden sich erst wieder zu Wort, wenn die Preise steigen, dann sind natürlich wieder die Spekulationen schuld. Abgesehen davon: Steigende Preise führen auch zu Mehreinnahmen in den Entwicklungsländern, weil sie mehr Geld für ihre Waren bekommen. Und jede Preissteigerung führt zu mehr Angebot an Lebensmittel, weil sich der Anbau mehr rentiert. Aufgrund des steigenden Angebots sinken dann die Preise wieder.
Woraufhin sofort das Angebot nachlässt, weil alle knapp kalkulierenden Anbieter pleite gehen. Bei verringertem Nahrungsmittelangebot können sich Arme das Essen nicht mehr leisten und ein Teil verhungert bis das Angebot wieder ausreichend ist. Was soll uns eigentlich das Gefasel erzählen? Das sich auch ein Gleichgewicht einstellt, wenn man nicht eingreift?
derdenker83 21.12.2013
5. Natürlich sind die Banken nicht schuld...
wer es glaunt wirs seelig. Die banken sind selbstredend nie schuld, weder an der dotcom blase anfang der 2000er oder an der letzten oder sonst wann. Auf Rohstoffe wie eisen, kohle etc zu spekulieren kann nan ja noch vertreten in einem gewissen rahmen aber man kamn ja heute selbst auf lebensmittel spekulieren und das ist zu viel des guten. Aber nein, die banken sind nicht schuld... so viel ******** tut schon weh.
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