Jahresbilanz Baubranche verzeichnet 21-Jahres-Rekord

Für die deutsche Bauwirtschaft läuft es so gut wie zuletzt vor zwei Jahrzehnten. Dank Niedrigzinsen und wachsender Wirtschaft konnte sich die Branche auch 2017 vor Aufträgen kaum retten.

Neubausiedlung in Parkstetten (Bayern)
DPA

Neubausiedlung in Parkstetten (Bayern)


Der anhaltende Boom beim Haus- und Wohnungsbau hat der Bauindustrie 2017 das beste Neugeschäft seit 21 Jahren beschert. Mit einem Plus von 6,6 Prozent zum Vorjahr und einem Volumen von 72,3 Milliarden Euro kletterten die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe nominal auf den gleichen Wert wie 1996, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damals war am Immobilienmarkt ein langer Aufschwung infolge der Deutschen Einheit zu Ende gegangen.

Der Dezember 2017 brachte nach Angaben der Wiesbadener Behörde noch einmal einen kräftigen Schub. Die Bestellungen in Betrieben mit mindestens 20 Beschäftigten lagen in dem Monat mit rund 6,6 Milliarden Euro um 24,3 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Ein höherer Auftragseingang in einem Dezember war zuletzt vor 23 Jahren erreicht worden.

Auch in preisbereinigter Betrachtung lagen die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe, das den Bau von Straßen und Leitungen umfasst, sowohl im Dezember (plus 21,8 Prozent) als auch im Gesamtjahr 2017 (plus 3,5 Prozent) über den jeweiligen Vorjahreswerten.

Hauptgrund für den Bauboom ist die große Nachfrage nach Häusern und Wohnungen. Wegen der niedrigen Zinsen sind Kredite günstig, auch wenn die Hypothekenzinsen zuletzt wieder etwas anzogen. Zudem treiben die starke Wirtschaft und steigende Einkommen die Immobilienmärkte an.

Angesichts des Booms drohen mancherorts bereits Engpässe. So warnte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, in Teilen Deutschlands könnte 2018 die Versorgung mit Sand, Kies und Schotter knapp werden. Der bereits seit Jahren anhaltende Boom nährt auch Befürchtungen, im Immobiliensektor könnte eine neue Spekulationsblase platzen.

dab/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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peter09 23.02.2018
1. "Wegen der niedrigen Zinsen sind Kredite günstig"
und Immobilien teurer, wollte man noch meinen. Als meine Verwandten vor ca. 20 Jahren bauten, lag der Zins bei 5%. Die Immobilie kostete dafür das 16-fache einer Nettojahreskaltmiete. Dank der niedrigen Zinsen ist das Verhältnis heute auf das 30-50-fache angestiegen und steigt in der Endphase der Hysterie noch weiter an. Ich hoffe auf Jens Weidmann als EZB-Chef. Mit ihm werden die Zinsen wieder zu einem vernünftigen Maß finden und damit die Immobilienpreise sinken.
beton 23.02.2018
2. Der Staat sollte weniger bauen.
Die deutsche Wirtschaft ist eh schon überhitzt, aber die Baubranche ist völlig abgedreht. Dort sind mittlerweile Kostensteigerung von 40 bis 80% normal, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Hauptursache ist die Geldpolitik der EZB, die einseitig auf die schwachen europäischen Volkswirtschaften ausgerichtet und für wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland völlig verfehlt ist. Die langfristigen sozialpolitischen Folgen explodierender Immobilienpreise und Baukosten sind fatal. Wenn die EZB nicht gewillt ist vom Gaspedal zu gehen, müssten eigentlich die öffentliche Bautätigkeit vorerst runtergefahren werden, um die Lage etwas abzukühlen.
krautrockfreak 23.02.2018
3. Das geht zu Lasten der Qualität
Die Bauträger trauen sich ja schon gar nicht mehr, Mängel zu rügen oder deren Beseitigung zu verlangen, weil sie befürchten, dass der Handwerker dann einfach von der Baustelle abzieht. Handwerker sind momentan die Kings, wenn ihnen einer blöd kommt - kein Problem, die nächsten zehn Baustellen warten schon. Das ist kein guter Zustand, denn langfristig versaut sich die Branche damit noch mehr ihren eh schon schlechten Ruf. Wo früher noch ein echter Handwerksmeister auf der Baustelle gearbeitet hat, kommt heute der polnische oder rumänische Hilfsarbeiter und verdient gutes Geld. Aber Hauptsache die Unis quellen über vor Studenten (von denen dann viele keinen Job kriegen). Verkehrte Welt!
mrotz 23.02.2018
4.
Zitat von peter09und Immobilien teurer, wollte man noch meinen. Als meine Verwandten vor ca. 20 Jahren bauten, lag der Zins bei 5%. Die Immobilie kostete dafür das 16-fache einer Nettojahreskaltmiete. Dank der niedrigen Zinsen ist das Verhältnis heute auf das 30-50-fache angestiegen und steigt in der Endphase der Hysterie noch weiter an. Ich hoffe auf Jens Weidmann als EZB-Chef. Mit ihm werden die Zinsen wieder zu einem vernünftigen Maß finden und damit die Immobilienpreise sinken.
Wenn die Zinsen ansteigen, dann platzt die Blase und viele die jetzt gebaut haben, werden die Kredite nicht mehr bedienen können. Es kommt dann zur nächsten Kreditkrise wie bereits 2007/2008. mfg
DianaSimon 23.02.2018
5. Keine Zinsen - Euro könnte crashen
Bei mir im Dorf lassen alle Leute ihre Häuser renovieren, denn das Geld auf der Bank wird durch Inflation weniger und Italien und Frankreich lassen eine Eurokrise aus unserer Laiensicht nicht ausgeschlossen erscheinen. Leider haben die Baufirmen nicht genug Mitarbeiter, da ja bei uns alle studieren sollen. Irgendwann gibt es mehr Ingenieure, die Bagger konstruieren sollen, als Baggerfahrer.
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