Verdacht des Insiderhandels Aufsichtsrat stützt Deutsche-Börse-Chef Kengeter

Insiderhandelsverdacht, die geplatzte Fusion mit der Londoner Börse, die 77 Millionen Euro verbrannte: Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ist angeschlagen. Der Aufsichtsrat stellt sich dennoch weitgehend hinter den Manager.

Carsten Kengeter, Vorstandschef der Deutsche Börse AG
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Carsten Kengeter, Vorstandschef der Deutsche Börse AG


Geplatzte Fusionspläne, Ermittlungen wegen des Verdachts des Insiderhandels - der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, ist schwer unter Druck geraten. Doch der Aufsichtsrat der Börse steht trotz der Probleme zu Kengeter. Chefaufseher Joachim Faber bedankte sich bei der Hauptversammlung ausdrücklich für Kengeters Leistungen im vergangenen Geschäftsjahr.

Die Aktionäre dagegen kritisierten Kengeter scharf. Am Ende stimmten lediglich 83,9 Prozent für seine Entlastung - nach einer Zustimmungsquote von 99,9 Prozent für den gesamten Vorstand im Vorjahr. Martin Weimann von der Verbraucherzentrale für Kapitalanleger (VzfK) forderte sogar eine Ablösung des ehemaligen Investmentbankers. "Meines Erachtens brauchen wir einen personellen Neuanfang."

Mit den Vorwürfen, Kengeter habe bei einem Aktiengeschäft im Dezember 2015 nichtöffentliche Informationen zu seinem Vorteil genutzt, habe sich der Aufsichtsrat "sorgfältig und intensiv" befasst, bekräftigte Faber. "Ergebnis der internen und externen Prüfung war, dass der Aktienerwerb keinen Verstoß gegen das Insiderhandelsverbot darstellt", sagte der Aufsichtsratschef. Kengeters Drei-Jahres-Vertrag, der am 31. März 2018 ausläuft, hat der Aufsichtsrat allerdings bislang nicht verlängert.

Noch laufen Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft zu dem millionenschweren Aktienkauf knapp zwei Monate vor Bekanntgabe der - inzwischen geplatzten - Fusionsgespräche zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE).

Kengeter hatte im Dezember 2015 im Rahmen eines Vergütungsprogramms Deutsche-Börse-Anteile im Wert von 4,5 Millionen Euro gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Zehn Wochen später, am 23. Februar 2016, machten Deutsche Börse und LSE Fusionsgespräche öffentlich. Das Projekt ist mittlerweile geplatzt.

Der Deutsche-Börse-Chef wehrt sich gegen die Vorwürfe des Insiderhandels. "Die Verdächtigung steht im Raum, ich hätte nichtöffentliche Informationen für Aktiengeschäfte genutzt. Das hat mich persönlich sehr getroffen", sagte der Manager vor Aktionären des Dax-Konzerns. "Denn genau das habe ich nicht getan. Insiderhandel widerspricht allem, wofür ich stehe." Er sei sicher, dass sich die Vorwürfe nach eingehender Prüfung als unbegründet erweisen werden.

Kleinere Schritte nach der gescheiterten Fusion

Der geplatzte Zusammenschluss mit der Londoner Börse war ein teures Vergnügen für die Deutsche Börse. Insgesamt hätten die Kosten bei 76,5 Millionen Euro gelegen, sagte Börsenchef Carsten Kengeter am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Frankfurt.

Die Deutsche Börse will nach der gescheiterten Fusion ihr Angebot im Handel und im Datengeschäft ausbauen. Ohne die Fusion müsse der Konzern nun eben in kleineren Schritten wachsen, sagte Kengeter. Die Deutsche Börse wolle ihr Angebot in verschiedenen Anlageklassen ausbauen. "Zukunftsweisend ist ganz besonders der Devisenhandel, der Handel von Unternehmensanleihen und der Handel von Energie, Rohstoffen und weiteren Waren."

Zulegen will Kengeter auch im Daten- und Indexgeschäft. "Daten sind das Öl im Getriebe der Digitalisierung." Der Markt für Informationsdienstleistungen wachse um zwölf Prozent pro Jahr, um 43 Milliarden Euro bis 2020. "Das ist für uns eine riesige Chance", betonte der Vorstandschef.

Auch Zukäufe will Kengeter weiter im Blick behalten. Große Börsenzusammenschlüsse seien derzeit zwar schwer vorstellbar, sagt er. "Aber das bedeutet nicht das Aus für Übernahmen, Partnerschaften und Beteiligungen überhaupt."

kig/ssu/dpa/Reuters



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alfred13 17.05.2017
1. Inkompetenz
Es ist unglaublich: da wird diesem Mann ein Antrittsbonus gezahlt, den er aufgrund seiner Hybris forderte und auch noch bekam und der der Höhe nach das Jahresgehalt manches DAX-Vorstandes übersteigt, fädelt in nachgerade dilettantischer Manier sowie ignoranter Verkennung politischer Einflüsse die Fusion mit der LSE ein, die sodann krachend scheitert, verbrennt bei diesem Unterfagen (kolportierte) schlappe EUR 150 Millionen für Berater und sonstigen Aufwand, die nunmehr durch Sparprogramme kompensiert werden müssen - wir wissen schon: die Mitarbeiter müssen also die verkorkste "Strategie" ausbaden - und wird zur Belohnung dieser totalen Inkompetenz auch noch vom Aufsichtsrat gestützt. Da muss man sich nicht wundern, dass diese Leute eine Reputation haben, die noch manchem Freibeuter zur Ehre gereicht hätte.
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