Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse klagt beim Europäischen Gerichtshof gegen das Brüsseler Nein zur Fusion mit der New Yorker NYSE Euronext. Knapp sieben Wochen nach dem Veto der EU-Kommission und der Prüfung des 440 Seiten starken EU-Beschlusses beschloss der Aufsichtsrat des Konzerns, juristische Schritte einzuleiten. "Die Deutsche Börse AG ist der Ansicht, dass mehrere Aspekte der Entscheidung fehlerhaft sind", hieß es am Montagabend in einer Mitteilung.
In Kreisen aus dem Umfeld der Deutschen Börse hieß es, der Frankfurter Konzern habe nicht vor, seine Fusionspläne mit der NYSE wiederzubeleben. Vielmehr gehe es darum, ob die EU bei solchen Fusionsvorhaben künftig auch andere Aspekte einbeziehen müsse.
Auch Schadensersatzforderungen stehen im Raum. Die Deutsche Börse hat nach eigenen Angaben allein im vergangenen Jahr rund 80 Millionen Euro in die Fusion investiert. Analysten erwarten für das erste Quartal 2012 nochmals Kosten in zweistelliger Millionenhöhe. Die NYSE hat sich noch nicht entschieden, ob sie ebenfalls Klage einreichen will.
Die EU-Wettbewerbshüter hatten die Megafusion verboten - aus Sorge vor einem Quasi-Monopolisten in Europa im besonders lukrativen Handel mit Finanzwetten. Auf diesem Feld kommen die beiden Unternehmen mit ihren Töchtern Eurex (Deutsche Börse) und Liffe (NYSE Euronext) auf mehr als 90 Prozent Marktanteil.
"Realitätsfremd verengte Marktdefinition"
"Wenn man ein solches Monopol zulässt, das zu höheren Preisen und weniger Innovation führt, dann ist das nicht im europäischen Interesse", hatte die EU-Wettbewerbskommission mitgeteilt. "Am Ende hatten wir keine andere Alternative, als die Fusion zu verbieten."
Die EU hatte sich bei der Prüfung der Pläne allerdings auf das Derivate-Geschäft an den Börsen konzentriert, den außerbörslichen Handel (OTC) sowie den Weltmarkt aber ausgeklammert. Die Entscheidung war in der EU-Kommission umstritten.
Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni hatte der EU-Kommission eine "realitätsfremd verengte Marktdefinition" vorgeworfen. Sollte dies so bleiben, fürchte die Deutsche Börse, auch bei möglichen künftigen Vorstößen auf dem europäischen Derivate-Markt nicht zum Zuge kommen zu können.
ssu/dpa-AFX/Reuters
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