Deutsche Börse und NYSE Euronext Börsenbetreiber bangen um Megafusion

Scheitert der Zusammenschluss der Deutschen Börse mit dem US-Anbieter NYSE Euronext? Laut einem Pressebericht will EU-Wettbewerbskommissar Almunia die Fusion verhindern. Die Konzerne halten mit massiver Lobbyarbeit dagegen.

Händler an der NYSE: Die Fusion mit verzögert sich
AP

Händler an der NYSE: Die Fusion mit verzögert sich


Brüssel/New York/Frankfurt am Main - Es sind schlechte Nachrichten für die Börsenbetreiber Deutsche Börse und NYSE Euronext. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia will die Fusion der Konzerne nach Angaben aus Verhandlungskreisen stoppen.

Nun setzen Deutsche Börse und NYSE Euronext alles daran, ihren Zusammenschluss wie geplant zu vollenden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wollen die Unternehmen mit massiver Lobbyarbeit eine Ablehnung der Fusion verhindern. In den kommenden Tagen sind demnach Treffen mit EU-Kommissaren und Regierungsvertretern verschiedener europäischer Länder geplant, um sie von den Fusionsplänen zu überzeugen.

Weiter heißt es, Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und NYSE-Chef Duncan Niederauer wollten das Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Januar dazu nutzen, um bei einflussreichen Wirtschaftsführern und Politikern für ihre Sache zu werben. Der Plan der Börsenbetreiber: Das Kollegium der 27 EU-Kommissare soll gegen die Empfehlung von Wettbewerbskommissar Almunia stimmen.

Streitpunkt Derivate

Laut "Financial Times" stört sich Almunia an der Marktmacht des dann fusionierten Konzerns. Durch den Zusammenschluss entstünde die größte Börse der Welt. Sie hätte ein Monopol auf dem europäischen Derivatemarkt, argumentiert Almunia. Die Zugeständnisse der beiden Unternehmen gingen ihm nicht weit genug.

Die "FT" beruft sich dabei auf zwei Personen aus den Verhandlungskreisen. Die Mitarbeiter Almunias hätten bereits einen Entwurf für die offizielle Ablehnung der Fusion verfasst, der an andere Kommissionsabteilungen versandt worden sei. Eine Sprecherin des Kommissars sagte, es sei noch keine abschließende Entscheidung gefallen. Den Börsenbetreiber bleibt allerdings nicht viel Zeit für ihre Lobbyarbeit. Die Frist für die Entscheidung läuft bis zum 9. Februar - der Beschluss wird einer Sprecherin von Almunia zufolge am 1. oder 8. Februar fallen.

Durch die Fusion würden die beiden größten Derivatebörsen in Europa vereint. Derivate sind Finanzprodukte, mit denen sich Wetten auf Entwicklung anderer Produkte abschließen lassen. Anstatt den Zusammenschluss ganz zu untersagen könnte die EU den Unternehmen auch Bedingungen stellen, etwa den Verkauf einzelner Unternehmensteile. Die Stärke im Derivatehandel gilt aber als einer der wichtigsten Gründe für die Fusion. Entsprechend widerwillig sind Deutsche Börse und NYSE Euronext, in diesem zukunftsträchtigen Bereich Zugeständnisse gegenüber den Behörden zu machen.

Ende März läuft das Fusionsangebot aus

Um die Fusion zu verhindern müsste Almunia eine Mehrheit im Kollegium der 27 EU-Kommissare organisieren. Der Widerstand aus Brüssel hat die geplante Börsenhochzeit bereits verzögert. Eigentlich wollten sich die Deutsche Börse Chart zeigen und ihr US-Wettbewerber NYSE Euronext Chart zeigen schon bis Ende 2011 zur weltweit führenden Börsenorganisation zusammenschließen. Aktionäre und US-Behörden haben den Zusammenschluss schon abgesegnet.

In einer Mitteilung der Deutschen Börse hieß es, man habe angesichts der Bedenken aus Brüssel bereits "substanzielle und konkrete Zugeständnisse" gemacht. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und der Chef des amerikanisch-europäischen Börsenkonzern NYSE Euronext, Duncan Niederauer, wollen einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge am Mittwoch in New York zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Die beiden Unternehmen haben nur noch bis Ende März, um alle Genehmigungen der mehr als 40 in den Prüfungsprozess involvierten Wettbewerbs-, Aufsichts- und Regulierungsbehörden einzusammeln. Sollte dies nicht der Fall sein, verliert das Fusionsangebot seine Gültigkeit.

nsk/mmq/dapd/dpa/Reuters

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Seite 1
Europa! 10.01.2012
1. Bravo Almunia! Ein guter Tag für Europa!
Zitat von sysopDer größte Zusammenschluss der Börsengeschichte könnte laut einem Bericht der "Financial Times" an EU-Wettbewerbskommissar Almunia scheitern. Er wolle die Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext stoppen, hieß es. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,808396,00.html
Die Entscheidung ist gefallen. Die europäischen Kartellwächter lehnen die Fusion ab. Damit ist die verschleierte Übernahme der Frankfurter Börse durch die Wall Street gescheitert. Jetzt werden sich die Amerikaner aus der Deutschen Börse AG zurückziehen und europäische Lösungen können gesucht werden. Bravo Almunia!
Der_Scheich 10.01.2012
2. Koan Titel
Zitat von sysopDer größte Zusammenschluss der Börsengeschichte könnte laut einem Bericht der "Financial Times" an EU-Wettbewerbskommissar Almunia scheitern. Er wolle die Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext stoppen, hieß es. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,808396,00.html
Hach ja, Qualitätsjournalismus ohne Polemik. "Absicherung" ist im Zusammenhang mit Derivaten wahrscheinlich zu langweilig. Aber Autos sind ja wahrscheinlich auch nur Maschinen, mit denen man an illegalen Rennen teilnehmen kann und Flugzeuge sind Waffen, die sich in Türme lenken lassen.....
ottohuebner 10.01.2012
3. da sieht ........
Zitat von sysopDer größte Zusammenschluss der Börsengeschichte könnte laut einem Bericht der "Financial Times" an EU-Wettbewerbskommissar Almunia scheitern. Er wolle die Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext stoppen, hieß es. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,808396,00.html
da sieht man wieder einmal wie die eu-diktatoren (wahrscheinlich aus einem club med land) die deutsche wirtschaft ausbremsen wollen. raus aus dem euro..........
kuschl 11.01.2012
4. Besser nicht
Zitat von sysopDer größte Zusammenschluss der Börsengeschichte könnte laut einem Bericht der "Financial Times" an EU-Wettbewerbskommissar Almunia scheitern. Er wolle die Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext stoppen, hieß es. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,808396,00.html
Die Deutsche Börse kann froh sein,sie wäre sowieso über den Tisch gezogen worden. Beispiele für diese "Amerikaausflüge" gibt es doch genug,oder?
jd87 11.01.2012
5. ...
Zitat von Der_ScheichHach ja, Qualitätsjournalismus ohne Polemik. "Absicherung" ist im Zusammenhang mit Derivaten wahrscheinlich zu langweilig. Aber Autos sind ja wahrscheinlich auch nur Maschinen, mit denen man an illegalen Rennen teilnehmen kann und Flugzeuge sind Waffen, die sich in Türme lenken lassen.....
Die meisten Derivate werden allerdings nicht zur "Absicherung" genommen, sondern für massives zocken!!! Das ist ein schön gewähltes Beispiel für Leute, die sich mit dem Thema nicht beschäftigen, aber hier im Forum, werden Sie damit keinen beeindrucken können
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