Deutsche Börse und NYSE Euronext Hessen kündigt Nein zur Börsenfusion an

Ein Mega-Deal steht vor dem Aus. Nach der EU-Kommission hat auch das hessische Wirtschaftsministerium signalisiert, dass es eine Fusion von Frankfurter und New Yorker Börse ablehnt. "Was angeboten wurde, reicht nicht aus", sagt Wirtschaftsminister Dieter Posch.

NYSE-Händler in New York: Nur noch "ein Fünkchen Hoffnung"
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NYSE-Händler in New York: Nur noch "ein Fünkchen Hoffnung"


Frankfurt - Die offizielle Entscheidung steht noch an, doch an ihrer Tendenz gibt es kaum noch Zweifel: Die geplante Fusion der Deutschen Börse Chart zeigenmit der New Yorker NYSE Euronext Chart zeigen dürfte platzen. Nach der EU-Kommission deutete am Montag auch das hessische Wirtschaftsministerium Widerstand gegen das Geschäft an.

Er habe Börsen-Chef Reto Francioni und NYSE-Boss Duncan Niederauer bei einem Gespräch am 14. November deutlich gemacht, dass er börsenrechtliche Bedenken gegen die Fusion habe, sagte der zuständige Minister Dieter Posch (FDP), dem die Börsenaufsicht unterstellt ist. "Bisher haben wir keine Vorschläge bekommen, mit denen unseren Bedenken Rechnung getragen wurde. Was angeboten wurde, reicht nicht aus."

Posch will erst nach dem Votum der EU-Kommission über die neun Milliarden Dollar schwere Fusion entscheiden. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verkündet sein Urteil am 1. Februar, er hat jedoch ebenfalls seine Ablehnung signalisiert. Auch 25 von 27 Kommissaren haben sich EU-Kreisen zufolge hinter Almunia gestellt und wollen für eine Blockade stimmen.

Das hessische Wirtschaftsministerium prüft nicht die wettbewerbsrechtlichen Folgen der Fusion, sondern die Auswirkungen auf den Börsenplatz Frankfurt. Laut Börsengesetz muss das Ministerium sicherstellen, dass eine angemessene Fortentwicklung des Börsenplatzes Frankfurt sichergestellt ist. Kritiker fürchten, dass Hessen darauf keinen Einfluss mehr hat, wenn die Frankfurter Börse von einer Holding-Gesellschaft in Amsterdam kontrolliert wird und ihre Gewinne dorthin abführen muss.

Bei der NYSE stellt man sich offenbar bereits auf einer Niederlage ein. NYSE-Euronext-Chef Duncan Niederauer sagte der Online-Ausgabe der "Financial Times", er habe die Haltung der EU-Kommission falsch eingeschätzt. Auf die Erlaubnis aus Brüssel bestünde nur noch "ein Fünkchen Hoffnung".

dpa/Reuters/AFP

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Stelzi 30.01.2012
1. Zum ersten mal was nachvollziehbares
Die Bedenken aus Hessen, wenngleich 100% eigennützig, sind das erste nachvollziehbare das ich von Bedenkenträgern höre. Und im Prinzip langt das auch. Was die EU-Kommission vorbringt, macht jedenfalls wirklich wenig Sinn. Derivatehandel ist in der Tat eher ein ausserbörsliches Ding, wieso es da ein Problem sein soll wenn der Laden nach der Fusion ein "Monopol" auf die Brotkrumen hat, erschliesst sich mir nicht.
localpatriot 31.01.2012
2. Hessen hat recht
Zitat von sysopEin Mega-Deal steht vor dem Aus. Nach der EU-Kommission hat auch das hessische Wirtschaftsministerium signalisiert, dass es eine Fusion von Frankfurter und New Yorker Börse ablehnt. "Was angeboten wurde, reicht nicht aus", sagt Wirtschaftsminister Dieter Posch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812330,00.html
Genau wie man einen Drohnenkrieg von 20000 km Entfernung fuehren kann, ist es moeglich eine Boerse durch Fernsteuerung zu organisieren. Die Computer und die Software irgendwo in den US und fuer die Leistungen fuer die man unbedingt eine Landessprache ausser Englisch beherrschen muss, nimmt man Indien oder ein anderes Billigland. Frankfurt waere dann nur noch ein Neonzeichen ueber dem Gebaeude und ein paar dicke Kabel im Keller, plus die notwendigen Handwerker. Der Trick ist die Bude unter Kontrolle zu bekommen, das Aushoelen folgt dann automatisch. Hoffentlich merkt die Bundesregierung um was es hier geht.
Regulisssima 31.01.2012
3. Realität
Zitat von StelziDie Bedenken aus Hessen, wenngleich 100% eigennützig, sind das erste nachvollziehbare das ich von Bedenkenträgern höre. Und im Prinzip langt das auch. Was die EU-Kommission vorbringt, macht jedenfalls wirklich wenig Sinn. Derivatehandel ist in der Tat eher ein ausserbörsliches Ding, wieso es da ein Problem sein soll wenn der Laden nach der Fusion ein "Monopol" auf die Brotkrumen hat, erschliesst sich mir nicht.
Doch doch, das macht schon Sinn ! Der Beamtenadel sieht in der Finanzindustrie seinen "Feind", denn die orientiert sich an der Realität, während er träumt.
Siloy 31.01.2012
4. Posch sei Dank !
Die Deutsche Börse befindet sich heute in relativer Mehrheit im Besitz amerikanischer Anleger und in absoluter Mehrheit im Besitz amerikanischer und britischer Anleger. Die "Fusion" wäre das Ende des Börsenplatzes Frankfurt, eines der traditionsreichsten seiner Art, in seiner bisherigen Form. Die schon gelaufene "Fusion" von NYSE und Euronext sagt eigentlich schon alles darüber, wie das ausgehen würde. Das angelsächsische Übergewicht in der Finanzindustrie der westlichen Welt würde noch einmal vergrößert.
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