Atlas deutscher Familienunternehmen Der Süden tüftelt, der Norden handelt

Erfolgreiche Unternehmen sitzen vor allem in Süddeutschland? Stimmt nicht, zeigen Daten zu den umsatzstärksten Familienfirmen. Geld wird auch anderswo verdient.

Tchibo-Filiale: Die Hälfte der Familienunternehmen sitzt nicht im Süden
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Tchibo-Filiale: Die Hälfte der Familienunternehmen sitzt nicht im Süden

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Der typische Familienunternehmer kann alles - außer Hochdeutsch. Er sitzt irgendwo auf der schwäbischen Alb und tüftelt an Spezialmaschinen, die er via Stuttgart in die ganze Welt verkauft. Soweit das Klischee - doch das stimmt nur zum Teil.

Otto in Hamburg, Metro in Düsseldorf, Volkswagen in Wolfsburg: Rund die Hälfte der umsatzstärksten Unternehmen in Familienhand hat ihren Hauptsitz im Norden und in der Mitte Deutschlands. Schwerpunkte sind dort Ostwestfalen, Hamburg und Düsseldorf. Das zeigen Zahlen des Instituts für Familienunternehmen aus Stuttgart, das auf Initiative der Anwaltskanzlei Binz & Partner gegründet wurde.

Das Institut hat Zahlen zu Umsatz, Mitarbeitern und Gewinn der 50 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen im Jahr 2014 zusammengetragen. Demnach saß auch das größte deutsche Familienunternehmen im Norden: Volkswagen erwirtschaftete mit seinen fast 600.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 202 Milliarden Euro. Hinter dem Autobauer stehen die Familien Porsche und Piëch.

Als Familienunternehmen galten in der Untersuchung sowohl Firmen, die komplett einer Familie gehören, als auch börsennotierte Konzerne, bei denen die Gründerfamilie mindestens ein Viertel der Anteile besitzt oder fünf Prozent der Stimmrechte hält und im Vorstand oder Aufsichtsrat sitzt.

Die Karte zeigt, dass es Unternehmen aus ähnlichen Branchen immer wieder in die gleiche Region zieht. In Hamburg fänden sich beispielsweise eher Handelshäuser, sagt Detlef Keese vom Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim. Neben der Otto-Group ist dort auch die die Maxingvest AG angesiedelt, die Dachgesellschaft der Unternehmen Tchibo und Beiersdorf. Eigentümer der Gesellschaft sind Max und Ingeborg Herz aus der Herz-Familie, die einst Tchibo gründete.

Maschinenbauer hingegen hätten ihren Sitz tatsächlich häufig im Süden. Aber: "Zu jeder Regel gibt es eine Ausnahme", sagt Keese. So hat der Handelsriese Metro seinen Sitz in Düsseldorf und nicht in Hamburg. "In Teilen ist der Ort auch einfach Zufall", meint Keese. Die drei Familienstämme Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim halten große Anteile an der Metro AG.

Top 50 der deutschen Familienunternehmen

Ein Blick nach Ostdeutschland offenbart, dass es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR kein einziges Familienunternehmen gibt, das es unter die Top 50 schafft. Das hat historische Gründe. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind in der DDR viele Familienunternehmen in volkseigene Betriebe umgewandelt worden, oder die Unternehmer sind nach Westdeutschland geflohen.

Seit dem Zusammenbruch der DDR hätten die ostdeutschen Unternehmen wiederum noch nicht genug Zeit gehabt, um in die Liga der Größten vorzustoßen, sagt Forscher Keese. "Große Familienunternehmen sind häufig viele Generationen alt", sagt Keese. Dagegen seien die rund 25 Jahre seit dem Mauerfall nur eine kurze Zeit.

Erfolgreicher durch Familie?

Nach einem Stillstand im Jahr 2013 konnten die Familienunternehmen 2014 wieder wachsen. Zusammen erzielten sie einen addierten Umsatz von 959 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 3,3 Prozent. Von Firma zu Firma gab es aber große Unterschiede.

Generell könne man nicht sagen, dass Familienunternehmen erfolgreicher seien als Firmen ohne klaren Mehrheitseigner, sagt Forscher Keese. Die Finanzkrise hätten die Firmen in Familienhand aber besser überstanden. Positiv könne sich auswirken, dass die Familien meist am langfristigen Erfolg ihres Unternehmens interessiert seien. Dafür würden sie auch eher kurzfristige Rückschläge in Kauf nehmen.

Doch die liebe Familie kann auch zum Problem werden, wenn es um die Macht im Konzern geht. So mancher Familienstreit endet dann im Gerichtssaal - so wie beim größten deutschen Schlachtkonzern Tönnies.



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