Berlin - Die Krisenstimmung in Europa geht offenbar an deutschen Firmen vorbei. Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sind die einheimischen Unternehmen voller Zuversicht und rechnen auch mit guten Auslandsgeschäften. "Trotz der Unsicherheiten im Euro-Raum kommt die Konjunktur in Deutschland stärker in Schwung", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.
Die 25.000 befragten Firmen blickten demnach spürbar optimistischer auf die kommenden Monate. Der DIHK erhöhte seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr daher von 1,0 auf 1,3 Prozent. Ihre Exportchancen stuften die Firmen erstmals seit einem Jahr wieder besser ein. "Die Turbulenzen im Euro-Raum haben die Konjunktur - zumindest bislang - nicht so stark beeinträchtigt wie befürchtet", sagte Wansleben.
Wirtschaftsforscher sehen die Aussichten aber deutlich skeptischer. "Die deutschen Unternehmen profitieren zwar weiterhin von den kräftig wachsenden Schwellenländern, aber die Ausfuhren in die Länder der Euro-Zone bleiben wegen der Krise vorerst gedämpft, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
Miese Stimmung in der Euro-Zone
Dass die gute Stimmung in Deutschland die Ausnahme ist, zeigt auch das Geschäftsklima in der Euro-Zone. Es hat sich im Mai weiter verschlechtert und ist auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2009 gefallen. Wie die EU-Kommission mitteilte, sank der Geschäftsklimaindex auf minus 0,77 Punkte. Dabei wurden alle Aspekte wie Produktion, Produktionsaussichten oder Auftragsbestände im Mai negativer beurteilt als noch im Vormonat. Ein Absinken des Index unter minus 0,5 Punkte ist ein Indiz für einen Rückgang der Produktion.
Deutschland kommt laut der DIW-Prognose aber glimpflich davon. Nach dem starken Jahresauftakt werde sich der Aufschwung fortsetzen, das Wachstumstempo werde von April bis Juni mit 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal eher gedämpft ausfallen, hieß es. "Die Unternehmensstimmung hat sich zuletzt zwar eingetrübt, die Industrie wird ihre Produktion aber wohl weiter ausdehnen", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.
mmq/dapd
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