Einkaufsmanagerindex: Deutsche Industrie verliert deutlich an Tempo

Es ist der fünfte Rückgang in Folge: Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie ist auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gefallen - auch im gesamten Euro-Raum geht die Produktion weiter zurück. Etwas Hoffnung machen dagegen die Unternehmen in China.

Opel-Werk in Eisenach: Index entfernt sich immer weiter von Wachstumsschwelle Zur Großansicht
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Opel-Werk in Eisenach: Index entfernt sich immer weiter von Wachstumsschwelle

Berlin - Die Euro-Krise wirkt zunehmend auf die deutsche Wirtschaft aus. Die Geschäfte der Industriebetriebe liefen im Juli so schlecht wie zuletzt vor drei Jahren, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage unter mehreren hundert Firmen hervorgeht. Der sogenannte Einkaufsmanagerindex sank von zuvor 45,0 Punkten auf 43,3 Punkte. Damit entfernt sich der Index immer weiter von der wichtigen 50-Zähler-Marke, die als Wachstumsschwelle gilt.

Laut der Umfrage drosselten die Industriefirmen den vierten Monat in Folge die Produktion, verzeichneten sinkende Auftragseingänge und strichen unterm Strich Jobs. Das Neugeschäft mit dem Ausland ließ so stark nach wie zuletzt im Mai des Rezessionsjahres 2009. Einen Lichtblick gab es auf der Kostenseite. Die Einkaufspreise stiegen insgesamt so schwach wie seit November 2009 nicht mehr, weil auch der Preisdruck bei Rohstoffen etwas nachließ.

Das Service-Barometer hielt sich im Vergleich dazu besser. Der Indikator für den Dienstleistungssektor fiel nach vorläufigen Daten leicht um 0,2 Punkte auf 49,7 Punkte. Auch den Dienstleistern machen eine geringere Produktion und schrumpfende Nachfrage zu schaffen. Ihr Optimismus für die nächste zwölf Monate ist so gering wie zuletzt im Oktober. Dennoch stellten sie unterm Strich den dritten Monat in Folge Personal ein.

Lange konnte sich die deutsche Wirtschaft - allen voran die Industrie - scheinbar vom Rest der Euro-Zone abkoppeln und gute Geschäfte machen. Doch nun zeichnet sich eine Abschwächung ab. Zwischen April und Juni dürfte das Wirtschaftswachstum etwas niedriger ausgefallen sein als noch im ersten Quartal, erwartet das Finanzministerium. In den ersten drei Monaten des Jahres war das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal noch um 0,5 Prozent gestiegen. "Die Juli-Umfrage zeigt, dass die Bedingungen für die deutsche Wirtschaft bei weitem nicht mehr so gesund sind wie noch im ersten Halbjahr", sagte Markit-Ökonom Tim Moore.

Wie derzeit der deutschen Industrie ergeht es laut Einkaufsmanagerindex dem gesamten Sektor im Euro-Raum. Der Index sank im Juli um einen Punkt auf 44,1 Zähler. Kleiner Hoffnungsschimmer: Der Indikator für den Dienstleistungssektor konnte leicht zulegen, liegt aber ebenfalls unter der wichtigen Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Chinas Industrie verlangsamt Abwärtstrend

Während sich die Krise in der Euro-Zone weiter zuspitzt, zeichnet sich in China womöglich eine leichte Stabilisierung ab. So hat die Industrie der Volksrepublik ihren Abwärtstrend im Juli verlangsamt. Zwar deutet eine Umfrage auf Unternehmensebene darauf hin, dass das verarbeitende Gewerbe bereits den neunten Monat in Folge geschrumpft ist, das Tempo hat sich aber verlangsamt.

Der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC stieg im Juli um 1,3 Punkte auf 49,5 Zähler, wie HSBC mitteilte. Das ist der höchste Stand seit Februar, wenngleich die Kennzahl auch hier immer noch unter der Wachstumsschwelle liegt. Qu Hongbin, HSBC-Chefvolkswirt für China, deutete dies als Hinweis, dass sich staatliche Stützungmaßnahmen zusehends bemerkbar machten.

yes/Reuters/dpa-AFX

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Fachkräftemangel
Diskutierender 24.07.2012
Zitat von sysopEs ist der fünfte Rückgang in Folge: Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie ist auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gefallen - auch im gesamten Euro-Raum geht die Produktion weiter zurück. Etwas Hoffnung machen dagegen die Unternehmen in China. Deutsche Industrie: Index auf tiefstem Stand seit drei Jahren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846083,00.html)
Bin mal gespannt, wie schnell jetzt das Geheule der Deutschen Wirtschaft vom Fachkräftemangel beendet wird. Jetzt gibt es dann wohl ziemlich schnell in der gesamten Deutschen Wirtschaft einen Einstellungsstopp. Hochqualifizierte können dann sehen wo sie bleiben (so wie ich 2010 in der Schweiz, was ich allerdings inzwischen richtig gut finde) und suchen sich etwas anderes. Sobald es dann wieder etwas bergauf geht, geht das Geheule über den hausgemachten Fachkräftemangel dann wieder so richtig los, nur weil man keine weitsichtige Personalpolitik betrieben hat. Man hat nämlich leider vergessen, dass sich alle in der Krise abgewiesenen Bewerber bis dahin nach anderen Alternativen umgesehen haben oder diese werden von den Unternehmen auf Grund von Vorurteilen gegenüber länger Arbeitslosen dann abgelehnt.
2. Spannungsarm
smartphone 24.07.2012
hallo Soll ich Ihnen was sagen : Das FKM Gejammer geht munter weiter . Auch 2008/09 jammerte man --- amn jammert seit 1984 ... Die Gründe sind glasklar : Man will einen massiven Akademikerüberschuß .- speziell im MINT Sektor haben . weil Ingenieure etc angeblich viel zu teuer seinen - Mittlererweil lacht jeder minderbemittelte Techniker über das ,was man Ingenieursgehalt nennt Hinzu kommt , das Ausbildungszeit weder sich in Rentenpunkten ... ja noch krasser : Ein Masterdiplom lohnt sich finanziell ggüb einem Bachelor überhaupt nicht , das ist nie mehr aufholbar. Im Weiteren wird man schnell wieder in alte Algotithmen verfallen , wo schon 35 jährige Ings verrostet , 39 jährige als nicht mehr arbeitsfähig eingestuft werden. Jeder MINTler in bold Germany MUSS wissen ,daß schon 1 Jahr Jobsuche quasi eine Aberkennung der Qualifikation gleichkommt Interessant , nicht .. solche "Halbwertszeiten" gibt bei BWLern etc nicht ...
3. Allo Leute...
zicke-zacke 25.07.2012
Zitat von sysopEs ist der fünfte Rückgang in Folge: Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie ist auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gefallen - auch im gesamten Euro-Raum geht die Produktion weiter zurück. Etwas Hoffnung machen dagegen die Unternehmen in China. Deutsche Industrie: Index auf tiefstem Stand seit drei Jahren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846083,00.html)
….sehen Sie mal die zwei zusammengehörenden Fakten zusammen: Die Aussichten sind schlecht, weil Europa nicht mehr kauft. Europa kauft nicht mehr, weil – an Arbeitsplätzen, Löhnen und Renten – gespart wird. Gespart wird, weil Merkel das als „alternativlos“ verkauft – an die anderen, in Deutschland geht es ja glänzend, da braucht man nicht! Die deutsche Industrie wird ja wohl noch etwas (ca. 40% des Exports) nach China, Russland oder Brasilien verkaufen können, aber wenn es in Europa hapert, gibt es in Deutschland schnell Kurzarbeit und keine Lohnerhöhungen mehr – oder noch Schlimmeres. Wach werden, Deutsche! Deutschland ist keine Insel der Seligen, wo alles gut geht und man Europa Sparen aufzwingen kann. Auch Frau M und ihre Regierung müsste sich mal mit Keynes befassen, anstatt Rösler schwätzen zu lassen. Aber bevor das geschieht, wird der Mond wohl eher viereckig!
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