EU-kritische Koalition Deutsche Ökonomen in Sorge über italienischen Kurswechsel

Die neue italienische Regierung ist noch nicht im Amt. Deutsche Wirtschaftsführer warnen das europakritische Bündnis aber schon jetzt davor, angesichts der hohen Staatsverschuldung vom Sparkurs abzuweichen.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
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Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung


DIW-Chef Marcel Fratzscher hat mit Blick auf einen möglichen politischen Kurswechsel in Italien vor massiven Auswirkungen gewarnt. "Die neue italienische Regierung muss sich dringend zu einer soliden Wirtschaftspolitik und zu Europa bekennen, ansonsten sehe ich eine zunehmende Gefahr einer Panik an den Finanzmärkten", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Nachrichtenagentur dpa. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage Italiens sei "gefährlich".

In Italien könnte eine EU-kritische Koalition aus der Fünf-Sterne-Bewegung und der rechten Partei Lega die neue Regierung bilden. Die Pläne der zwei Parteien, vom Sparkurs gemäß den EU-Vorgaben abzurücken und milliardenschwere Vorhaben wie Steuersenkungen durchzusetzen, sorgen schon seit Tagen angesichts der hohen Staatsverschuldung für Unruhe.

Fratzscher sagte, zwar befinde sich die italienische Wirtschaft in einem Aufschwung. Die populistische Rhetorik der möglichen neuen Regierung aber verunsichere Unternehmen und Märkte. Die prekäre politische Lage in Italien erhöhe die Unsicherheit über die Zukunft Europas. "Deutschland wird sich der Lage in Italien nicht entziehen können und sollte besser jetzt handeln, als auf eine erneute Schieflage reagieren zu müssen."

DIHK sieht keine Pläne zum Abbau des Schuldenbergs

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag blickt mit Sorge auf die Regierungsbildung in Italien. Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks sagte der dpa, dass sich in Italien eine "teure Regierungsbildung" abzeichne.

Es sei im Interesse der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Italiens zu hoffen, dass nicht alle Vorhaben umgesetzt werden, sagte er. Für die deutschen Unternehmen sei wichtig, mit Italien einen wettbewerbsfähigen Handels- und Investitionspartner in Europa zu haben.

2017 habe das bilaterale Handelsvolumen auf mehr als 120 Milliarden Euro zugelegt, dies sei das dritte Rekordjahr in Folge gewesen. Mehr als 2200 deutsche Unternehmen mit Investitionen in Höhe von 39 Milliarden Euro beschäftigten in Italien mehr als 180.000 Mitarbeiter

cop/dpa



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