DHL, Hermes und Co. Zahl der Beschwerden über Postdienste fast verdoppelt

Falsch zugestellte Briefe oder verspätete Briefe: Postdienstleister stehen immer häufiger in der Kritik. Bei der Bundesnetzagentur gingen 2018 fast doppelt so viele Beschwerden ein wie im vergangenen Jahr.

Pakete in der Zustellung (Archivbild)
DPA

Pakete in der Zustellung (Archivbild)


Die Zahl der Beschwerden über die Deutsche Post und ihre Wettbewerber hat sich in diesem Jahr auf 11.830 fast verdoppelt, wie die Bundesnetzagentur mitteilte. 2017 waren es noch 6100 gewesen, 2016 nur rund 3900.

Die Kritik zielt vor allem auf den Marktführer Deutsche Post DHL, aber auch auf Konkurrenten wie die Paketdienstleister Hermes oder DPD. Die Bundesnetzagentur betonte, gemessen am Gesamtvolumen seien es allerdings noch relativ wenige Beschwerden. Es gebe zwar kein flächendeckendes Problem, aber regionale und zeitweilige Defizite. Zuvor hatte die "Rheinische Post" darüber berichtet.

Noch nie haben sich so viele Verbraucher bei der Bundesnetzagentur beschwert wie in diesem Jahr. "Dies zeigt, dass die Bundesnetzagentur als Ansprechpartner für Verbraucherfragen wahrgenommen wird", sagte Behördenchef Jochen Homann. Und es ist auch ein Grund für den Anstieg: Inzwischen wissen mehr Bürger von der Möglichkeit zur Beschwerde.

Vor allem die Zustellung von Briefen und Paketen wurde kritisiert

Die Hälfte der Beschwerden bezieht sich auf Briefe, ein Drittel auf Pakete. Beim Rest geht es etwa um lange Schlangen in Postfilialen oder um unpassende Öffnungszeiten. Im Paketgeschäft hat die Deutsche Post DHL etwa 44 Prozent des Gesamtmarktes in Deutschland, die übrigen Anteile entfallen auf Wettbewerber wie Hermes, DPD und GLS. Die Beschwerden richten sich in etwa den Marktanteilen entsprechend an die verschiedenen Unternehmen, so die Behörde.

Der Postnutzerverband DVPT (Deutscher Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation) ist nicht überrascht über den deutlichen Anstieg. "Die Qualität hat sich verschlechtert und die Zuverlässigkeit der Sendungen hat abgenommen", sagte Vorstand Klaus Gettwart. Erst kürzlich wurde Deutschland für seinen verschlechterten Paketversand in einem Ranking zur Qualität des Onlineshoppings vom neunten auf den sechzehnten Platz herabgestuft.

Wettbewerbs- und Zeitdruck sei gestiegen

Nach Angaben des DVPT gebe es nun weniger Briefkästen mit immer früheren Leerungen sowie verkürzte Öffnungszeiten der Filialen. Im Paketbereich sei der Wettbewerbs- und Zeitdruck gestiegen, wodurch sich die Leistung verschlechtert habe - immer wieder landeten Pakete nicht dort, wo sie hin sollten.

Die Gewerkschaft Ver.di sieht schlechte Arbeitsverhältnisse in der Branche als einen Grund für den Anstieg der Beschwerden. Paketdienste wie Hermes, DPD und GLS arbeiten mit Subunternehmern zusammen, die laut Ver.di nicht tarifgebunden sind. "Würden die Zusteller besser bezahlt und hätten einen geringeren Zeitdruck, würde sich die Qualität der Dienstleistung verbessern", sagte die Gewerkschafterin Sigrun Rauch.

Deutsche Post DHL: "Überwiegend hervorragende Arbeit"

Ein Sprecher der Deutschen Post DHL erklärte, man nehme die Beschwerden ernst. Zudem verwies er darauf, dass der Anteil am Gesamtvolumen noch immer sehr gering sei - 2017 habe man rund 20 Milliarden Pakete und Briefe ausgeliefert. Es könne auch zu Problemen kommen - etwa wegen kurzfristiger Erkrankungen, Witterungseinbrüchen oder menschlicher Fehler. Die Beschäftigten machten aber eine "überwiegend hervorragende Arbeit".

Ein Hermes-Sprecher sagte, es gebe zwar auch in seinem Haus mehr Beschwerden. Aber das Paketvolumen sei noch deutlicher gestiegen. Der Anteil der Beschwerden sei also sehr gering geblieben. DPD teilte mit, die Empfänger der Pakete seien in der Regel sehr zufrieden.

kko/dpa



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tobi1991 21.12.2018
1. Bezahlung
Alles eine Frage von guter Bezahlung. Würden die Ihre Mitarbeiter anständig entlohnen hätten Sie ausreichend Personal und deitlich weniger Probleme. Außerdem hätte die Deutsche Post genauso wie die DB oder Telekom jemals privatisiert werden dürfen. Das war der Anfang vom Ende.
scgtef 21.12.2018
2. Wahrscheinlich beschwert sich nur ein Bruchteil der Betroffenen
Seit Monaten werden Briefe an mich bei einem Nachbarn der Parallelstraße mit gleicher Hausnummer eingeworfen. Als ich den Zusteller ansprach, sagte er, er sei neu... Er konnte kaum Deutsch und tatsächlich sind ständig Neue da. Zum Glück bringt mir der zuverlässige Nachbar meine Briefe. Das kanns aber echt nicht sein. Sind das Billiglöhner, denen alles egal ist? Gestern spuckte ein Paketzusteller in meinen Garten, das war ein total ungehobelter, unangenehmer Mensch ohne jede Umgangsformen.
MisterD 21.12.2018
3. Nö, das ist nicht nur eine Frage der Bezahlung...
sondern in erster Linie eine Frage der Auslastung. Wenn ich längere Zeit auf 150% laufe und keine Erholung habe, weil 6 Tage die Woche gearbeitet werden muss, dann mache ich Fehler. Fehler können passieren, dagegen hat keiner was. Wogegen ich aber was habe, ist, dass die Zusteller immer öfter die Pakete einfach vor die Tür stellen und manchmal auch keine Karte einschmeissen. Wir reden hier manchmal von Warenwerten über 300 EUR und mehr, das kann der nicht einfach in den Hausflur stellen... war übrigens immer zuhause, nur wenn ich gerade aufm Pott sitze oder staubsauge, hör ichs halt nicht. Wenn man nach 10 Sekunden nicht auf macht, gilt man als abwesend heutzutage...
charly05061945 21.12.2018
4. Seltsam
Seltsam, unsere Mischpoche (5 Erwachsene) bestellt, da beruflich stark eingespannt, relativ viel online - wir hatten noch nie einen Grund über einen dieser Lieferdienste zu klagen, ganz im Gegenteil! Und wenn einer der Auslieferer nicht 100% das reine Hochdeutsch beherrscht und vielleicht auch kein 1-Abitur vorweisen kann - wo ist das Problem, Hauptsache er macht das wofür er (meistens viel zu gering) bezahlt wird. Aber wahrscheinlich gilt auch hier: wie man in den Wald hineinschreit so schallt es heraus. Noch ein Tipp: gelegentlich ein kleines Trinkgeld geben.....
stefangr 21.12.2018
5. nur noch Magerlöhne für die teuren Manager
Wenn ein Paketbote nur 70 Cent für ein zugestelltes Päckchen erhält, stimmt irgendwas nicht. Der Bote bat einen Nachbarn um das Altbrot, damit dieser nicht verhungert. Es ist so pervers, wie sich die Manager die Taschen voll füllen und die kleinen Paketboten nicht das Brot über Nacht haben. Vielleicht sollten die Paketboten mal die gelben Westen anziehen und die Straßen blockieren, insbesondere in den Gegenden der Reichen. Am besten gleichzeitig und republikweit, denn das kann dann die Polizei nicht mehr kontrollieren noch einfangen. Wenn die reiche Meschpoke in ihrer Freiheit behindert wird, erst dann wird diese Plutokratie erkennen, dass sie nicht allein auf diesem Planet ist.
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