2172 Euro Sofortgehalt Deutsche Post will Schulabgänger werben

Wer Briefträger werden will, muss normalerweise eine zweijährige Ausbildung absolvieren. Die Deutsche Post will nun offenbar Schulabgängern ermöglichen, diese zu umgehen - und direkt ein Einstiegsgehalt zu bekommen.

Briefträger
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Die Deutsche Post hat Nachwuchsprobleme. Diese will sie einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge nun lösen, indem sie Schulabgängern anbietet, direkt als Zusteller zu arbeiten - ohne klassische Ausbildung. Der Zeitung zufolge geht das aus vertraulichen Konzernunterlagen hervor.

Normalerweise müssen Postboten eine zweijährige Ausbildung zur "Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienste" (FKEP) machen. Stattdessen bekommen dem Bericht zufolge junge Schulabgänger dann sofort das Einstiegsgehalt als Zusteller, also 2172 Euro - mehr als doppelt so viel wie das Ausbildungsgehalt. Dort liegt das Gehalt ab Oktober bei 820 Euro im ersten Lehrjahr.

Beim neuen Angebot steigt man bei der Post direkt als Vollzeitmitarbeiter ein. Wer dann nach drei Monaten einen internen Wissenstest besteht, darf sich "zertifizierter Zusteller" nennen, heißt es im Entwurf einer Konzernbetriebsvereinbarung. Daneben bietet die Post weiterhin die klassische FKEP-Ausbildung an. Für beides sucht der ehemalige Staatskonzern 2018 insgesamt 1500 junge Leute.

Während die Post ihr neues Modell als "innovatives Konzept" lobt, sind Betriebsräte und Gewerkschaften nicht begeistert: Sie sprechen von einer Schmalspur-Qualifikation und fürchten, dass sich die Post absehbar ganz aus der Postboten-Ausbildung verabschiedet. Bislang weigern sich die Betriebsräte, eine Konzernbetriebsvereinbarung dafür zu unterschreiben.

kry



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dasfred 22.04.2018
1. Wozu bitte braucht ein Zusteller 2 Jahre Ausbildung
Die Ausbildungszeit war wohl eher gedacht, sich billiges Personal zu halten. Hat man je gehört, dass ein Kurier Unternehmen nach ausgebildeten Fach Zustellern sucht? Führerschein, einigermaßen die deutsche Sprache beherrschen und lesen reicht. Welche Kenntnisse braucht dieser Beruf, die eine zweijährige Ausbildung erfordern? Vielleicht kann ein Forist hier Aufklärung bieten.
GoaSkin 22.04.2018
2. im Zweifel sollte eine Ausbildung gesetzlich vorgeschrieben werden
Ist man mit der Arbeitsqualität eines Unternehmens unzufrieden kann man als Kunde normalerweise zur Konkurrenz gehen; doch wenn es um Briefe und Pakete geht, hat man als Empfänger meistens keinen Einfluss darauf, mit wem der Absender seine Sendungen verschickt, ist aber selbst meist der Leidtragende, wenn etwas schief läuft. Päckchen werden mit Gewalt in den Briefkasten gestopft und sind dann beschädigt. Pakete liegen vor dem Haus und werden dann geklaut, weil der Zusteller so tut, als hätte jemand unterschrieben. Eine Annahmeverweigerung oder ein Einschreiben geht daneben, weil der Zusteller mit den Prozeduren nicht vertraut ist. Der Absender sucht sich den billigsten Pappenheimer aus und ist fein raus. Ihm doch egal, was der Empfänger für einen Ärger hat. Wenigstens sind die Post und DHL noch einigermaßen zuverlässig. Doch man möchte sich wohl dem schlechten Niveau der Billig-Konkurrenz anpassen, in dem man den Job Leute ohne Ausbildung machen lässt. Wenn das der Markt nicht vernünftig regelt, muss es halt der Gesetzgeber tun. Den was der Markt von selbst regelt, ist nicht immer zur Zufriedenheit aller Beteiligten.
larsmach 22.04.2018
3. Postboten-Qualifikation freier Zusteller? - Berufsbegleitend lernen!
Wie steht es denn um die "Postboten-Qualifikation" freier Zusteller? Ich finde, manches wird in unserem Lande zu sehr übertrieben, und Briefe zustellen (und damit verbundene Dienstleistungen) lässt sich sicherlich nach einer ordentlichen Einweisung erledigen. Für weitere Aufgaben an anderer Stelle kann dann berufsbegleitend ausgebildet werden - so wie das bei Chefärzten auch funktioniert: Die lernen (wie wir alle!) schließlich auch nicht aus, nicht wahr? Kongresse, Seminare, innerbetriebliche Weiterbildung usw.. Ganz normal. Und Angestellten ein Gehalt zu zahlen in einer Welt aus Zeitarbeitern in prekären Verhältnissen ist eine dufte Sache - auch wenn sie aus der Not geboren wird. Ich selbst bin gar so wissbegierig, zu nachtschlafender Zeit SPIEGEL Online zu lesen... wohl auch der April-Hitze wegen.
Meckerameise 22.04.2018
4.
Ich habe mir eine Seite zum Ausbildungsberuf angesehen. Irgendwie bin ich auch danach nicht viel schlauer geworden bezüglich meiner Frage: was lernt man in den ganzen zwei Jahren in der Ausbildung?
DieDrei 22.04.2018
5.
"Stattdessen bekommen dem Bericht zufolge junge Schulabgänger dann sofort das Einstiegsgehalt als Zusteller, also 2172 Euro..." Wieso 'Stattdessen' - was hat das eine mit dem anderen zu tun ? Dann lässt man die Kandidaten halt die zweijährige Ausbildung machen UND zahlt höheres Gehalt. Warum nur schwarz oder weiss ?
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