Nach Gewinneinbruch Deutsche Post trennt sich von Vorstand Gerdes

Vergangene Woche hatte die Deutsche Post ihre Gewinnprognose um etwa eine Milliarde Euro gekappt. Nun muss der Leiter des Brief- und Paketgeschäfts, Jürgen Gerdes, seinen Vorstandsposten räumen.

Post-Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes
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Post-Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes


Die Deutsche Post trennt sich nach dem Gewinneinbruch im Brief- und Paketgeschäft von dem langjährigen Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes. Der Manager, der die Zuständigkeit für die PeP-Sparte (Post - eCommerce - Parcel) schon Anfang April abgegeben hatte, werde den Konzern mit sofortiger Wirkung verlassen, teilte der Dax-Konzern nach Börsenschluss in Bonn mit.

Der Konzern begründete den Schritt mit "unterschiedlichen Auffassungen über die strategische Schwerpunktsetzung des Unternehmens". Gerdes' Aufgaben als Vorstand für Innovationen soll Personalchef Thomas Ogilvie zusätzlich übernehmen.

Die PeP-Sparte, in der vor allem das Brief- und Paketgeschäft des Konzerns in Deutschland und Europa gebündelt ist, hatte im ersten Quartal einen Gewinnrückgang erlitten. Die Post hatte am Freitag ihre Jahresprognose um etwa eine Milliarde Euro gesenkt. Sie peilt für dieses Jahr nur noch einen operativen Gewinn (Ebit) von rund 3,2 Milliarden Euro an - eine halbe Milliarde weniger als im Vorjahr.

Bis April hatte Gerdes elf Jahre lang das Brief- und Paketgeschäft geleitet. Den Bereich führt derzeit übergangsweise Vorstandschef Frank Appel.

Bereits am Montag hatte das "Manager Magazin" mit Bezug auf Konzernkreise über einen geplanten Abgang von Gerdes berichtet. Der Manager hatte in seiner neuen Funktion als Vorstand für Innovationen erst im Mai eine neue Fabrik für das Elektrofahrzeug Streetscooter im westfälischen Düren eröffnet.

cop/dpa/Reuters



insgesamt 16 Beiträge
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binser 12.06.2018
1. Immer diese lästigen Innovatoren...
Als Vortand für Innovationen war Herr Gerdes offenbar erfolgreicher als im Paketgeschäft, prima Anlaß, ihn endlich loszuwerden. Die Post ist eben immer noch eine Behörde. Innovationen? Ja natürlich, aber nur, wenn sich nichts ändert. Das wird´s dann wohl mit dem Streetscooter gewesen sein, schade.
gantenbein3 12.06.2018
2. Wo er doch
die Briefzustellung so schön ruiniert hat. War gestern eine Stunde unterwegs um einen eingeschriebenen Brief abzuholen, den sie mir nicht gebracht haben, obwohl ich zu Hause war. Und die normale Post kommt mittlerweile auch erst mittags so gegen 17:00, zugestellt von einer alten Frau. Na ja, so ändern sich die Zeiten. Mal sehen, was der nächste Brief-Vorstand ausheckt. Vielleicht eine zentrale Abholstelle für ganz Frankfurt. Da kann man dann einen Tagesausflug machen, um seine Post abzuholen; sehr gesund. Nur schade, dass die Luft ein bisschen schlecht ist. Aber dafür kann er kann nichts.
franxinatra 12.06.2018
3. In 20 Jahren hat es die Post nicht geschafft...
ein attraktives wie wirtschaftliches Email-System zu etablieren, das das rückläufige Briefgeschäft auch nur annähernd kompensiert; von Hotmail über web.de bis Gmail scheint das anderen zu gelingen. Wer also in seinem Kerngeschäft zu großartig scheitert, was soll man da noch erwarten? Postbus? Weg vom Fenster... Filialen, die noch ihren Namen verdienen? Ausgetauscht gegen Agenturen mit mangelhaften Kompetenzen... Postbank? Ohne Not verscherbelt, wird nun von der Deutschen Bank abgewickelt... Streetscooter? Schmücken mit fremden Federn... Unterm Strich ein abschreckendes Beispiel für die Privatisierungsidiotie!
Severussupernase 12.06.2018
4. Wer überwacht wird bestraft
Die Bevölkerung hat eben nicht vergessen, daß die "Post" ihre Filialen mit Videoüberwachung und Gesichtserkennung "hochgerüstet" hat. Auch die rechtswidrige Videoüberwachung im Münchner Briefzentrum kommt die Post teuer zu stehen, die Datenschutzaufsicht ist bereits informiert. Immer weniger Menschen wollen sich von der Post überwachen lassen und daher ist der Paket- und Briefboykott, den die Deutschen derzeit fahren, und der zu dem "Gewinneinbruch" nur mit ganzem Herzen zu unterstützen. Außerdem wissen viele Deutsche gar nicht, daß jeder Brief in den ca. 90 "Briefzentren" mehrmals fotografiert wird, die Daten gespeichert und wie die Linke auf eine Anfrage der sog. Regierung erfahren hat, an Geheimdienste, Polizei, Kriminelle, Terroristen und die "CSU" weitergeben werden und der Briefträger, der die Straße entlanggeht, jede Adresse genau kontrolliert und am Ende in eine Riesen Datenbank eintippt. Rufen Sie einfach mal bei der Hotline der Post an und sagen, sie wollen sich beschweren. Die haben Ihre Daten in 4 Sekunden im Computer gefunden, wer bei Ihnen sonst noch wohnt und so weiter. Solchen Deppen, die jetzt sagen wir haben doch vor der Post nichts zu verbergen, werden gebeten, ihre Haustür und ggf. Klotür aufzumachen und auszuhängen, damit jeder (auch die sog. "Polizei" vorbeischauen kann und sich überzeugen kann, daß es so ist Der Gewinneinbruch bei der Post ist daher gerechtfertigt. Wir lassen uns nicht überwachen Freiheit geht vor Postüberwachung und CSU Schnüfflern Deshalb: CSU abwählen
alkib 12.06.2018
5. Rauswurf eines weitsichtigen?
War Herr Gerdes mit dem Elektroauto zu erfolgreich und vielleicht abgelenkt? Mannesmann hat auch mal mit einem Mobilfunk klein angefangen und dann das Hauptgeschäft überholt. Wäre hier beim elektroscooter nicht gleiches denkbar, aber ein Dorn im Gesichtsfeld der autobosse? Sollte er doch nur mit den Lieferwagen erfolgreich weitermachen, das wärs doch.
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